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  2. <html>
  3. <head>
  4. <title>Freie Software im Auswärtiges Amt: erst hü, dann hott</title>
  5. </head>
  6. <body id="article">
  7. <p id="category">
  8. <a href="/freesoftware/freesoftware.html">Freie Software</a>
  9. </p>
  10. <h1>Freie Software im Auswärtiges Amt: erst hü, dann hott</h1>
  11. <p>Der Vorgang sollte wohl in aller Stille vor sich gehen. Doch durch Anfragen
  12. im Bundestag und <a
  13. href="https://netzpolitik.org/2011/interne-dokumente-des-auswartigen-amtes-zur-anderung-der-open-source-strategie/">
  14. geleakte Dokumente</a> kam es Anfang 2011 an die Öffentlichkeit: Das
  15. Auswärtige Amt, einst ein Vorzeige-Projekt für den Einsatz von Freier Software
  16. in den Bundesministerien, will Desktops und teilweise Server wieder mit
  17. unfreier Software betreiben. Dies ist ein Rückschlag für Freie Software in der
  18. öffentlichen Verwaltung, dennoch können wir daraus lernen.</p>
  19. <p>Eine erfolgreiche Umstellung auf Freie Software benötigt ein systematisches
  20. Vorgehen, ausreichend Ressourcen und politische Rückendeckung. Es ist immer
  21. schwer, große Organisationen wie ein Ministerium zu verändern. Beteiligte
  22. müssen überzeugt werden, Fachwissen und Geld müssen vorhanden sein und um die
  23. Änderung gegenüber internem und externem Druck durchzusetzen, ist politische
  24. Rückendeckung erforderlich.</p>
  25. <p>Das Auswärtige Amt hatte in den letzten Jahren zunächst aus Kosten, später aus
  26. Sicherheitsgründen, angefangen auf Freie Software umzustellen; plötzlich die
  27. Kehrtwende, die - nachdem es damit konfrontiert wurde - das Auswärtige Amt mit
  28. fehlenden Funktionen, höheren Kosten und schlechter Benutzbarkeit Freier
  29. Software begründete.</p>
  30. <p>Die <a href="http://blogs.fsfe.org/mk/?p=781">bisherigen Informationen</a>
  31. zeigen jedoch: Mitarbeiter wurden nicht in den Prozess eingebunden, sie wurden
  32. nicht über den Sinn der Umstellung informiert und ihnen wurde selbst
  33. überlassen, ob sie GNU/Linux oder Microsoft Windows verwenden. Aktualisierungen
  34. der Software zur Verbesserung der Benutzbarkeit wurden nicht vorgenommen und
  35. statt die technischen Probleme zu lösen wurden 80.000 EUR für Studien
  36. ausgegeben. Solche Management-Fehler verursachen bei jeder Umstellung Probleme,
  37. egal ob auf unfreie oder auf Freie Software.</p>
  38. <p>Daneben hat die politische Leitung die Umstellung unzureichend unterstützt.
  39. Entweder übersah die Leitung die strategischen Vorteile Freier Software, oder
  40. sie blieben unberücksichtigt. Das Auswärtige Amt will nun den kurzfristig
  41. einfacheren Weg gehen, der jedoch schon mittelfristig zu höheren Kosten und
  42. langfristig zu Abhängigkeit und Kontrollverlust führt.</p>
  43. <p>Migrationen scheitern, wenn sie nur auf Grund von kurzfristigen Kosten- und
  44. Sicherheitsaspekten durchgeführt werden. Entscheidungen für oder gegen Freie
  45. Software sind nie rein technische, sondern immer politische Entscheidungen. Hat
  46. unsere Verwaltung selbst die Kontrolle über ihre Computer, oder bestimmen
  47. Dritte, wie die Verwaltung ihre Computer benutzen kann? Es ist eine Frage
  48. darüber, wer in unserer Gesellschaft wie viel Macht bekommt. Solche
  49. Entscheidungen müssen transparent ablaufen, denn mit ihnen steht und fällt eine
  50. Demokratie.</p>
  51. <p>Dieses Werk steht unter der <a
  52. href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/">Creative-Commons-Lizenz
  53. "BY SA 3.0. unported"</a>.</p>
  54. </body>
  55. <timestamp>$Date: 2010-04-23 15:56:18 +0100 (Mon, 23 May 2010) $ $Author: Matthias Kirschner$</timestamp>
  56. <author id="kirschner" />
  57. <date>
  58. <original content="2012-04-23" />
  59. </date>
  60. </html>