Source files of fsfe.org, pdfreaders.org, freeyourandroid.org, ilovefs.org, drm.info, and test.fsfe.org. Contribute: https://fsfe.org/contribute/web/ https://fsfe.org
You can not select more than 25 topics Topics must start with a letter or number, can include dashes ('-') and can be up to 35 characters long.

vsi-studie.de.xhtml 7.3KB

123456789101112131415161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748495051525354555657585960616263646566676869707172737475767778798081828384858687888990919293949596979899100101102103104105106107108109110111112113114115116117118119120121122123124125126127128129130131132133134135136137138139140141142143144145146147148149150151152153154155156157
  1. <?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1" ?>
  2. <html>
  3. <head>
  4. <title>FSF Europe - VSI-Studie mit gravierenden fachlichen Mängeln</title>
  5. </head>
  6. <body>
  7. <div align="right">
  8. Essen, 3. Juli 2003
  9. </div>
  10. <center>
  11. <h1>VSI-Studie mit gravierenden fachlichen Mängeln</h1>
  12. </center>
  13. <p>Der Verband der deutschen Softwareindustrie (VSI), eine
  14. Interessenvertretung der hauptsächlich proprietären
  15. Softwareunternehmen, hat kürzlich eine Studie zu den rechtlichen
  16. Fragen Freier Software herausgegeben. [<a href="#1">1</a>] Diese zeigt, dass auch der
  17. VSI nun damit beginnt, sich mit Freier Software zu beschäftigen.</p>
  18. <p>Die FSF Europe begrüßt diesen Schritt des VSI, leider weist die Studie
  19. jedoch zum Teil erhebliche fachliche Mängel auf.</p>
  20. <p>So setzt die Studie -- welche im Wesentlichen den 1998 für Freie
  21. Software vorgeschlagenen Marketingbegriff [<a href="#2">2</a>] "Open Source" verwendet
  22. -- in großen Teilen Freie Software gleich mit ihrer meistverwandten
  23. Lizenz, der GNU General Public License (GPL). Auf dieser Basis werden
  24. dann unzulässige Verallgemeinerungen von Eigenschaften der GPL für
  25. Freie Software getroffen.</p>
  26. <p>Im Bezug auf die aufgeführten, betrachteten Lizenzen wurde leider sehr
  27. nachlässig gearbeitet. So werden Lizenzen für Software und
  28. Dokumentation vermengt und beispielsweise die proprietäre Lizenz "Sun
  29. Community Source License" (SCSL) fälschlicherweise als anerkannte
  30. Lizenz Freier Software bezeichnet.</p>
  31. <p>Über die GNU General Public License (GPL), der die Studie die größte
  32. Aufmerksamkeit schenkt, wird zudem behauptet, sie basiere auf
  33. US-amerikanischem Urheberrecht, obwohl sich durch Recherchen schnell
  34. herausfinden lässt, dass sie mit Blick auf die Urheberrechts-Konvention
  35. von Bern geschrieben wurde, um globale Wirksamkeit zu erlangen.</p>
  36. <p>Noch schwerwiegender ist es, Freie Software mit Copyleft
  37. gleichzusetzen, wie es die Studie beispielsweise auf Seite 14, Absatz
  38. 3 tut, und bei den Lizenztypen die nicht-schützenden Freie
  39. Software-Lizenzen wie z.B. BSD vollständig zu vernachlässigen.</p>
  40. <p>Die Aussage, eine Dual-Lizenzierung mit der GPL sei nicht möglich, wie
  41. sie auf Seite 17 gemacht wird, scheint nicht haltbar, da dem Urheber
  42. keine Auflagen durch Lizenzierung unter der GPL entstehen.</p>
  43. <p>Bei der "Abgrenzung zu anderen Formen" verliert die Studie endgültig
  44. den Überblick. So wird von "GPL bzw. Open Source Software" im
  45. Gegensatz zu Public Domain gesprochen, obwohl Public Domain ein Teil
  46. der Freien Software ist und Freeware mit freier Software übersetzt,
  47. obwohl sich der englische Begriff historisch auf den Preis, der
  48. deutsche jedoch sprachlich eindeutig auf die Freiheit bezieht. </p>
  49. <p>Dazu passt, im Anschluß das proprietäre Microsoft "Shared Source"
  50. Programm unreflektiert als etwas Ähnliches darzustellen. Insgesamt
  51. hätte hier ein Blick auf die seit 1996 verfügbare Übersicht über
  52. verschiedene Arten Freier und proprietärer Software sicherlich einige
  53. Verwirrung vermeiden helfen können. [<a href="#3">3</a>]</p>
  54. <p>Dementsprechend fragwürdig erscheint die schematische Einordnung, bei
  55. der nun die Kategorien "Shareware", "Freeware/Public Domain", "BSD",
  56. "LGPL", "GPL" auftauchen. Es werden also nicht nur Kategorien vermengt
  57. mit einzelnen Lizenzen, es wird auch proprietäre und Freie Software
  58. unreflektiert nebeneinander gestellt und im Falle von "Freeware/Public
  59. Domain" sogar vermengt.</p>
  60. <p>Diese Vermengung findet sich auch in anderen Teilen, selbst wenn sie
  61. dort im gleichen Satz stattfindet und beklagt wird. </p>
  62. <p>So z.B. auf Seite 8, Absatz 2: "Kernpunkt von Open Source, der in der
  63. politischen Diskussion oft zur Vermengung von Open Source mit Freeware
  64. oder Shareware führt, ist die Bestimmung in der General Public
  65. License, dass jeder die GPL-Software kostenlos benutzen und verändern
  66. kann, seinerseits aber verpflichtet ist, die so erstellte Software der
  67. GPL-Lizenz zu unterstellen, andernfalls rückwirkend seine Befugnis zur
  68. freien Benutzung erlischt."</p>
  69. <p>Hier wird fälschlicherweise der Copyleft-Charakter der GPL als
  70. wesentliches Merkmal Freier Software dargestellt, obwohl Copyleft nur
  71. eine Kategorie Freier Software charakterisiert.</p>
  72. <p>Zudem trägt dieser Satz zur Vermengung von Freier Software mit
  73. Freeware und Shareware bei, indem er den drei Begriffen nicht
  74. vorhandene Ähnlichkeiten unterstellt. Der Begriff Freeware bezeichnete
  75. zumeist kostenlose proprietäre Software, besitzt heute jedoch keine
  76. klare Defintion mehr, der Begriff Shareware bezeichnet ausschließlich
  77. proprietäre Software. </p>
  78. <p>Da Modifikationen weder bei Freeware noch bei Shareware möglich oder
  79. erlaubt sind, kann zudem eine Auswirkung auf modifizierte Werke kaum
  80. Kernpunkt dieser Arten von Software sein und somit auch nicht zu einer
  81. begrifflichen Verwirrung führen.</p>
  82. <p>Die Verwendung von negativ konnotierten Begriffen wie "viral" im Bezug
  83. auf den die Freiheit der Anwender und Entwickler schützenden
  84. Copyleft-Charakter der GNU General Public License (GPL) (wie z.B. auf
  85. Seite 12) trägt zur weiteren Verwirrung bei.</p>
  86. <p>Insgesamt offenbart die Studie leider bestenfalls ein oberflächliches
  87. Verständnis Freier Software, indem Vorurteile und Fehlinformationen
  88. unreflektiert als Tatsachen präsentiert werden und dann als Basis für
  89. die rechtliche Betrachtung dienen.</p>
  90. <p>So sind dann auch viele Ergebnisse, wie z.B die Aussage, die GPL
  91. erfordere, Derivate kostenlos abzugeben, rechtlich nicht haltbar. Zum
  92. Einen gibt es keine Verpflichtung zur Weitergabe und zum Anderen
  93. begrenzt die GPL bewusst nicht den Preis für eine solche Weitergabe.</p>
  94. <p>Lediglich der Preis für eine sich an den Verkauf der Software
  95. anschließende Verfügbarmachung des Sourcecodes wird begrenzt, um eine
  96. indirekte Einschränkung der über die Lizenz gewährten Freiheiten zu
  97. verhindern. Denn Zugriff auf den Sourcecode ist die Voraussetzung zur
  98. Wahrnehmung zweier der vier Freiheiten, die Freie Software
  99. definieren. [<a href="#4">4</a>]</p>
  100. <p>Die Rechtssicherheit Freier Software und speziell der GNU General
  101. Public License (GPL) ist bereits seit 1985 ein Thema, dem sich die
  102. Free Software Foundation intensiv widmet. So hat die FSF Europe
  103. beispielsweise im Februar 2003 das Fiduciary Licence Agreement (FLA)
  104. [<a href="#5">5</a>] herausgebracht, um speziell nach
  105. kontinentaleuropäischem Urheberrecht die bereits gegebene
  106. Rechtssicherheit Freier Software noch weiter zu erhöhen.</p>
  107. <p>Handlungsbedarf sieht die FSF Europe vielmehr in den rechtlichen
  108. Fragen proprietärer Software, deren Lizenzen nach ihren Erkenntnissen
  109. zum Teil erhebliche Rechtsunsicherheiten aufweisen. Leider fehlten
  110. bisher die Mittel, vergleichbare Studien zu diesem Thema vorzunehmen.</p>
  111. <pre>
  112. [<a href="vsi-studie.html" name="1">1</a>] <a href="http://www.vsi.de/inhalte/aktuell/studie_final.pdf">http://www.vsi.de/inhalte/aktuell/studie_final.pdf</a>
  113. [<a href="vsi-studie.html" name="2">2</a>] <a href="http://www.opensource.org/advocacy/faq.html">http://www.opensource.org/advocacy/faq.html</a>
  114. [<a href="vsi-studie.html" name="3">3</a>] <a href="http://www.gnu.org/philosophy/categories.html">http://www.gnu.org/philosophy/categories.html</a>
  115. [<a href="vsi-studie.html" name="4">4</a>] <a href="http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.html">http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.html</a>
  116. [<a href="vsi-studie.html" name="5">5</a>] <a href="/projects/fla/">http://fsfeurope.org/projects/fla/</a>
  117. </pre>
  118. </body>
  119. <timestamp>$Date$ $Author$</timestamp>
  120. </html>
  121. <!--
  122. Local Variables: ***
  123. mode: xml ***
  124. End: ***
  125. -->