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  2. <html newsdate="2010-12-07">
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  4. <head>
  5. <title>Softwarevertrag der Europäischen Kommission ist schlecht für
  6. Europa</title>
  7. </head>
  8. <body>
  9. <h1>Softwarevertrag der Europäischen Kommission ist schlecht für Europa</h1>
  10. <p>Die Europäische Kommission wird innerhalb der nächsten
  11. sechs Jahre 189 Millionen Euro für proprietäre Software ausgeben, in direktem
  12. Widerspruch zu ihren eigenen Entscheidungen und Richtlinien. Die Kommission
  13. kündigte letzte Woche einen auf sechs Jahre angelegten Rahmenvertrag zum
  14. Kauf verschiedener, hauptsächlich proprietärer, Software und damit verbundener
  15. Dienstleistungen an<a class="fn" href="#refs">1</a>.</p>
  16. <p>„Dies ist schlecht für Europa,“ sagt Karsten Gerloff, Präsident der Free
  17. Software Foundation Europe. „Statt eine Strategie zu entwickeln, um die
  18. Vorteile Freier Software zu nutzen und unabhängig von einzelnen Anbietern
  19. zu werden, bringt sich die Kommission noch stärker in eine durch den
  20. Lock-in-Effekt bewirkte Abhängigkeit.“</p>
  21. <p>Der Vertrag der letzten Woche widerspricht den Absichtserklärungen
  22. in mehreren Dokumenten der Kommission. Laut den europäischen
  23. Beschaffungsrichtlinien sollen Käufe des öffentlichen Sektors derart
  24. erfolgen, dass „Diskriminierung vermieden und bei der Beschaffung im
  25. öffentlichen Sektors ein Wettbewerb ermöglicht wird.“</p>
  26. <p>Die im Mai 2010 veröffentlichte Digitale Agenda fordert, dass
  27. „IKT-Produkte und -Dienstleistungen offen und
  28. interoperabel“<a class="fn" href="#refs">2</a> sein müssen. Laut einer
  29. vom OSOR-Projekt der Europäischen Kommission herausgegebenen Richtlinie
  30. sollen in europäischen Beschaffungsrichtlinien „Ausschreibungen auf
  31. funktionalen Anforderungen basieren, nicht auf bestimmten Produkten oder
  32. Anbietern“<a class="fn" href="#refs">3</a>, während der Vertrag der letzten
  33. Woche eine lange Liste von konkreten Produkten enthält, die die
  34. Kommission kaufen will.</p>
  35. <p>In den Erklärungen von Malmö und Granada 2009 und 2010 haben die
  36. Mitgliedstaaten die Europäische Kommission aufgefordert, „besonders auf die
  37. Vorteile zu achten, die sich aus der Verwendung offener Spezifikationen
  38. ergeben, um Dienste so kosteneffizient wie möglich anzubieten und um
  39. Innovation und Kosteneffizienz im E-Government durch die systematische
  40. Förderung Offener Standards und interoperabler Systeme zu verankern“<a class="fn" href="#refs">4</a>.</p>
  41. <p>Der Beschaffungsprozess wurde von der Generaldirektion Informatik (DIGIT)
  42. durchgeführt. Diese Abteilung leitet auch den Prozess zur Revision des
  43. European Interoperability Framework. Die FSFE hat bisherige
  44. Entwürfe<a class="fn" href="#refs">6</a> stark
  45. kritisiert<a class="fn" href="#refs">5</a>, da sie
  46. Offene Standards<a class="fn" href="#refs">7</a> und Freie
  47. Software<a class="fn" href="#refs">8</a> gegenüber der ursprünglichen Fassung
  48. weniger unterstützen.</p>
  49. <p>„Die Bürger in Europa erwarten von der Kommission, dass sie ihre Kosten
  50. niedrig hält, dass sie ihre Steuergelder so verwendet, dass die Entwicklung
  51. Europas gefördert wird, und dass sie sich an ihre eigenen Richtlinien hält,“
  52. so Gerloff. „Dieses Verhalten von DIGIT wird den Europäern in allen drei
  53. Punkten nicht gerecht. Es schadet der Glaubwürdigkeit der Kommission.“</p>
  54. <h2 id="fn">Fußnoten</h2>
  55. <ol id="refs">
  56. <li>Siehe Mark Ballards Artikel „<a href="http://www.computerweekly.com/Articles/2010/12/03/244307/European-Commission-signs-largest-ever-software-deal.htm">European Commission signs largest ever software deal</a>“ vom 2. Dezember 2010.</li>
  57. <li>Siehe die aktualisierte Version der <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:52010DC0245%2801%29:EN:NOT">Digitalen Agenda</a>, revidiert am 26. August 2010.</li>
  58. <li>Siehe die <a href="http://www.osor.eu/idabc-studies/OSS-procurement-guideline%20-final.pdf">OSOR Guideline on public procurement of Open
  59. Source Software</a>.</li>
  60. <li>Siehe den Volltext der <a href="http://www.epractice.eu/en/library/299149">Erklärung von Malmö</a> und der
  61. <a href="http://www.epractice.eu/en/news/316468">Erklärung von Granada</a>.</li>
  62. <li>Siehe die <a href="/news/2010/news-20100330-01.html">Reaktion der FSFE auf die Entwicklungen beim EIFv2</a></li>
  63. <li>Für weitere Informationen zur Entwicklung beim European Interoperability Framework, siehe den <a href="/activities/os/eifv2.html">Vergleich der verschiedenen Versionen</a> der FSFE.</li>
  64. <li>Siehe die <a href="/activities/os/def.html">Definition Offener Standards der FSFE</a>.</li>
  65. <li>Siehe <a href="/about/basics/freesoftware.html">Definition Freier Software der FSFE</a>.
  66. </li>
  67. </ol>
  68. <p class="n"><a href="#top">To top</a></p>
  69. </body>
  70. <tags>
  71. <tag key="front-page"/>
  72. </tags>
  73. <translator>Markus Enzenberger</translator>
  74. </html>