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  2. <html newsdate="2009-11-27">
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  5. <title>FSFE: Europäische Kommission gibt unter dem Druck proprietärer Lobbyisten bei Interoperabilität nach</title>
  6. </head>
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  8. <h1>FSFE: Europäische Kommission gibt unter dem Druck proprietärer Lobbyisten bei Interoperabilität nach</h1>
  9. <h2>Freie-Software-Industrie kritisiert Anmerkungen des Vizepräsidenten der Kommission
  10. Siim Kallas</h2>
  11. <p>Die Europäische Kommission hat den Forderungen der Lobbyisten
  12. von Microsoft und SAP Folge geleistet, als sie ein wichtiges Dokument über Interoperabilität
  13. zwischen eGovernment-Diensten überarbeitete. Die Free Software Foundation Europe (FSFE)
  14. untersuchte die Entwicklung einer neuen Version des Europäischen Rahmenprogramms zu Interoperabilität (EIF)
  15. und konnte zeigen, dass die Kommission sich bei ihrer Arbeit auf die Einreichungen der
  16. Business Software Alliance (BSA), einer Lobbygruppe für Hersteller proprietärer Software, stützte
  17. und die Stimmen eines Großteils der europäischen Softwareindustrie ignorierte. Zur gleichen Zeit
  18. deuten Bemerkungen des Vizepräsidenten der Kommission zu Freier Software auf einen besorgniserregenden
  19. Mangel an Interesse innerhalb der Kommission hin.</p>
  20. <p>Ein Entwurf für eine Revision des Europäischen Rahmenprogramms zu Interoperabilität (EIF)
  21. <a href="https://blogs.fsfe.org/gerloff/?p=285">drang am Anfang des Monats zur Presse durch</a>.
  22. Während die frühere Version des Dokuments die Nutzung Freier Software und Offener Standards
  23. im öffentlichen Sektor stark befürwortete, beinhaltet die neue Version lediglich die
  24. bedeutungslose Floskel eines "Offenheitskontinuums", das absurderweise proprietäre
  25. Spezifikationen mit umfasst.</p>
  26. <p>Die FSFE zeichnete nach, <a href="/freesoftware/standards/eifv2.html"><strong>wie sich Kernpunkte des
  27. revidierten Europäischen Rahmenprogramms zu Interoperabilität über einen gewissen Zeitraum hin veränderten
  28. </strong></a>. Eine Version des Dokuments war Grundlage einer öffentlichen Erhebung im Sommer 2008. Die
  29. Analyse der FSFE zeigt detailliert auf, wie von dieser Basis ausgehend die Ansichten der BSA-Lobbygruppe
  30. den heutigen Entwurf des Textes beeinflussten. Zur gleichen Zeit ignoriert die Europäische Kommission weiterhin
  31. Kommentaren von Firmen, Gruppen und Individuen, die sich für Offene Standards und Freie Software aussprechen.</p>
  32. <p>"Die Europäische Kommission darf sich nicht zum Werkzeug einer bestimmten Interessengruppe machen lassen.
  33. Der gegenwärtige Entwurf ist genauso inakzeptabel wie die völlige Intransparenz
  34. des Prozesses, die zu diesem Text führte" so Karsten Gerloff, der Präsident der FSFE.</p>
  35. <p>Auf diesem Hintergrund zeigen kürzliche Bemerkungen von Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Siim Kallas,
  36. der für die Verwaltung zuständig ist, ein besorgniserregendes Desinteresse gegenüber <a href="/freesoftware/standards/standards.html">
  37. Offenen Standards</a> und <a href="/freesoftware/freesoftware.html">Freier Software</a> in Teilen der Kommission.
  38. Auf einer <a href="http://www.se2009.eu/en/meetings_news/2009/11/19/press_conference_the_ministerial_declaration_on_egovernment">hochrangigen Pressekonferenz</a>
  39. (Flash) am 19. November in Malmö, Schweden, äußerte Kallas, dass Freie Software
  40. ein Problem für die "Kontinuität der Geschäftswelt" darstelle. Er setzte Freie Software mit einem
  41. Wikipedia-Artikel gleich und merkte an: "im Wikipedia-Text sehen Sie in Klammern und Fußnoten, dass Information
  42. geprüft oder bestätigt werden sollte [...], und wenn Sie Open Source benutzen, benötigen Sie Sicherheit
  43. darüber, was passieren wird, wenn Sie auf der gleichen Arbeitsweise aufbauen."</p>
  44. <p>Die FSFE zeigt sich sehr besorgt über diese Anmerkungen. "Herr Kallas lästert
  45. über einen ganzen Sektor der Europäischen IT Branche", stellt Gerloff fest.
  46. "Entweder arbeitet Herr Kallas aktiv gegen Freie Software und
  47. Offene Standards, oder er kennt sie überhaupt nicht. Beides lässt sich bei einem
  48. Vizepräsidenten der Europäischen Kommission nicht rechtfertigen, wenn er zudem noch
  49. zuständig für die Verwaltung der Kommission ist."</p>
  50. <p>Elmar Geese, Vorsitzender des Linux-Verbands, einer deutschen Vereinigung von
  51. Freie-Software-Betrieben mit über 80 Mitgliedern, zeigt sich überrascht angesichts
  52. Herrn Kallas' Bemerkungen. "Wir wissen nicht, wer Herrn Kallas dazu rät, solche
  53. Aussagen zu tätigen. Für mich klingt das wie die FUD-Propaganda (Verbreitung von Furcht,
  54. Unsicherheit und Zweifel) vor zehn Jahren. Wir laden Herrn Kallas dazu ein, sich über
  55. die Freie-Software-Industrie zu informieren. Ich bin mir sicher, dass das seine Einstellung
  56. ändern wird."</p>
  57. <p>Jan Wildeboer von Red Hat EMEA weist Kallas' Bemerkungen zurück.
  58. "Im Vergleich zu vielen proprietären Alternativen zeigt Freie Software, dass
  59. sie nicht nur Geld spart, sondern auch Lösungen auf höchstem technischen Niveau bietet.
  60. Die Nutzung Freier Software in unternehmenskritischen Bereichen auf der ganzen Welt beweist
  61. ihre Qualität."</p>
  62. <p>Solche Aussagen seitens der Europäischen Kommission spielen den Kritikern der neuen Version des EIF
  63. in die Hände. Die FSFE betont, dass das ursprüngliche EIF gute Dienste als Richtschnur
  64. für den öffentlichen Sektor in Europa gedient hat. Obwohl es nur eine Empfehlung
  65. darstellt, wurde es zu einer bedeutenden Referenz in Europa und darüber hinaus.
  66. Wen es überarbeitet werden muss, sollte das neue Dokument die Interoperabilität
  67. eher durch die Eigenständigkeit Offener Standards verbessern, als proprietäre
  68. Software und Spezifikationen zu begünstigen. Die Kommission
  69. sollte zur früheren Version des Dokuments zurückkehren und von dort erneut beginnen. Dabei
  70. sollte sie sicherstellen, dass diese Mal Kommentare von allen Seiten die gebührende
  71. Aufmerksamkeit zugeteilt wird.</p>
  72. <p>Wildeboer von Red Hat stimmt in diese Kritik ein: "Es ist gut zu sehen, wie
  73. die EIFv2 nun einer genaueren Prüfung unterzogen wird. Wir brauchen eine starke
  74. Betonung von Interoperabilität, basierend auf Offenen Standards. Die durchgesickerte
  75. Version des Dokuments zeigt, wie ein Mangel an Transparenz dieses Ziel verhindern kann.
  76. Gerade jetzt sollten wir uns einige ernste Fragen stellen. Ich vertraue voll und ganz darauf,
  77. dass die Kommission die Ziele der EIFv1 wieder aufgreifen wird. Offene Standards und
  78. Offene Spezifikationen sind Grundbedingungen für Interoperabilität."</p>
  79. <p>Der Präsident der FSFE, Karsten Gerloff, fordert: "Wenn ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union
  80. die Glaubwürdigkeit der Europäischen Institutionen bewahren will, sollte er die momentane Fassung
  81. des EIF zurückweisen. Stattdessen sollte er der Kommission dabei helfen, einen besseren Entwurf
  82. zu verfassen, der Offene Standards an erste Stelle und ins Zentrum setzt."</p>
  83. </body>
  84. <translator>Andreas Aubele</translator>
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  89. </tags>
  90. </html>
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