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  2. <html>
  3. <head>
  4. <title>
  5. FSFE - Offener Brief an die Fraunhofer Gesellschaft (FhG) - 6. Juli 2004
  6. </title>
  7. </head>
  8. <body>
  9. <center><h1>Softwarepatente in Europa</h1>
  10. [<a href="/campaigns/swpat/swpat.html">Einführung</a> | <a
  11. href="/campaigns/swpat/background.html">Hintergrund</a> | <a
  12. href="/campaigns/swpat/status.html">Status</a> | <a
  13. href="/campaigns/swpat/documents.html">Weiterführende Dokumente</a>]
  14. </center>
  15. <br />
  16. <center> Offener Brief [<a href="/campaigns/swpat/letter-20040510.html">2004-05-10</a>]
  17. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20040531.html">2004-05-31</a>]
  18. [2004-07-06]
  19. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20040802.html">2004-08-02</a>]
  20. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20040906.html">2004-09-06</a>]
  21. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20041004.html">2004-10-04</a>]
  22. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20041101.html">2004-11-01</a>]
  23. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20041206.html">2004-12-06</a>]
  24. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20050103.html">2005-01-03</a>]
  25. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20050207.html">2005-02-07</a>]
  26. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20050307.html">2005-03-07</a>]
  27. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20050405.html">2005-04-05</a>]
  28. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20050502.html">2005-05-02</a>]
  29. [<a href="/campaigns/swpat/letter-20050606.html">2005-06-06</a>]
  30. </center>
  31. <h1>Offener Brief an die Fraunhofer Gesellschaft (FhG)</h1>
  32. <h3>6. Juli 2004</h3>
  33. <div class="letter">
  34. <p>
  35. Lieber Herr Professor Bullinger,
  36. </p>
  37. <p>
  38. "Die Forschung soll sich ihr Geld auch am Markt verdienen können!"
  39. - das lehrt uns die Politik - und so haben wir - die Free Software
  40. Foundation Europe - Verständnis dafür, wenn sich die Forschung in
  41. kreativer Weise um die Verbesserung Ihrer Einnahmen bemüht. Jedoch
  42. sollte auch die Forschung darauf achten, nicht an dem Ast zu sägen,
  43. auf dem sie sitzt. Die Gefahr dazu ist mit den derzeit in der Diskussion
  44. befindlichen Softwarepatenten unmittelbar gegeben:
  45. </p>
  46. <p>
  47. Die Fraunhofer Gesellschaft ist für ihr Patent auf den Audio-
  48. Kompressionsstandard MP3 bekannt. Eine Alternative zu MP3 hat das
  49. Projekt Ogg Vorbis entwickelt. Diesem billigen Experten eine höhere
  50. technische Qualität zu. Obwohl bei der Entwicklung bewußt darauf
  51. geachtet wurde, das MP3 Patent nicht zu verletzen, müsste Ogg Vorbis
  52. wohl mit erheblichen Lizenzforderungen des <a href="http://www.iis.fraunhofer.de/">Fraunhofer
  53. IIS</a> rechnen,
  54. sollten Softwarepatente tatsächlich in Europa legalisiert werden.
  55. </p>
  56. <p>
  57. Auf diese Weise könnte die FhG einen unliebsamen Wettbewerber aus dem
  58. Markt drücken oder sich zumindest erhebliche Mehreinnahmen verschaffen.
  59. Auf das damit verbundene ethische Problem wollen wir hier erst gar nicht
  60. eingehen.
  61. </p>
  62. <p>
  63. Auch volkswirtschaftlich ist es sicher nicht sinnvoll, dass die gute
  64. Idee die
  65. noch bessere blockieren kann: Dies ist eine Erkenntnis von Dr. Daniel
  66. Probst vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftstheorie der
  67. Universität Mannheim. Herr Probst stellte in einer <a href="http://swpat.ffii.org/events/2001/bundestag/probst/index.de.html">Anhörung des Deutschen
  68. Bundestages zu Softwarepatenten im Juni 2001</a> fest:
  69. </p>
  70. <p>
  71. "Der Anteil der KMUs würde abnehmen und ein Konzentrationsprozess
  72. würde eintreten. Einige wenige Großunternehmen würden aufgrund von
  73. Netzwerkeffekten marktdominierende Stellungen erlangen. Insoweit als
  74. dieses Verhalten mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist, würden sie
  75. untereinander Kreuzlizenzierungsabkommen über ihre Patentportfolios
  76. abschließen, und vermittels Sperrpatenten den Markteintritt neuer Firmen
  77. stark beschränken. Die Forschungsintensität der Branche würde stagnieren
  78. oder fallen." Ausserdem sei mit einem drastisch schrumpfenden Angebot an
  79. Freier Software zu rechnen.
  80. </p>
  81. <p>
  82. Ich persönlich bedauere jeden einzelnen der hier genannten Stichpunkte. Es
  83. gibt noch wesentlich mehr Mängel - auf ein paar davon haben wir Herrn
  84. Professor Köhler im Rahmen unserer <a href="http://mail.fsfeurope.org/pipermail/press-release-de/2004q2/000030.html">Serie Offener Briefe zu Softwarepatenten
  85. im Juni</a> aufmerksam gemacht.
  86. Von Amts wegen muss Sie aber der hier
  87. genannte erste Punkt erschrecken: "Der Anteil der KMUs würde abnehmen".
  88. Die Fraunhofer Gesellschaft wickelt nach <a href="http://www.bmbf.de/pub/inno-masterplan.pdf">Angaben der
  89. Bundesregierung</a>
  90. 60 Prozent ihrer Auftragsforschung mit KMUs ab. Außerdem ist nicht
  91. auszuschließen, dass die Großindustrie ihre Forschung künftig vermehrt
  92. in den
  93. Osten der Europäischen Union verlagert. Schließlich stehen in Polen und
  94. anderen Beitrittsländern hervorragend ausgebildete Softwareentwickler für
  95. einen Bruchteil der Kosten zur Verfügung.
  96. </p>
  97. <p>
  98. So könnten der größten Europäischen Forschungsgesellschaft im Bereich
  99. "Informations- und Kommunikationstechnik" nicht nur die Projektpartner
  100. wegsterben, ja es könnte sogar passieren, dass selbst die Unternehmen
  101. das Zeitliche segnen, von denen die FhG doch eigentlich leben wollte.
  102. Die Späne fallen schon lange. Mittlerweile aber droht der Ast zu brechen.
  103. </p>
  104. <p>
  105. Mit freundlichen Grüssen</p>
  106. <div align="left">
  107. <a href="/about/greve/">Georg Greve</a><br />
  108. Free Software Foundation Europe<br />
  109. <a href="/">fsfe.org</a>
  110. </div>
  111. </div>
  112. </body>
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  114. </html>
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