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201309-germany-bundestagswahl.de.xhtml 77KB

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  2. <html>
  3. <head>
  4. <title>Deutschland - Bundestagswahl 2013</title>
  5. </head>
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  16. <body>
  17. <p id="category"><a href="/campaigns/askyourcandidates/askyourcandidates.html">Ask Your Candidates</a></p>
  18. <h1>Deutschland - Bundestagswahl 2013</h1>
  19. <div id="introduction">
  20. <p>Auf dieser Seite stehen die Antworten einiger der zur Bundestagswahl antretenden Parteien auf die Wahlprüfsteine der FSFE.</p>
  21. <p>Eine kurze Zusammenfassung dieser Antworten finden Sie in der zugehörigen <a href="/news/2013/news-20130703-01.de.html">Pressemitteilung</a>.</p>
  22. </div>
  23. <h2>Antworten der Parteien</h2>
  24. <p class="question"> <strong>1. </strong>Sollte Ihrer Meinung nach durch
  25. die von öffentlicher Hand beauftragte und finanzierte Software
  26. grundsätzlich Freie Software sein, da sie von der Allgemeinheit finanziert
  27. wurde? Wenn ja: Mit welchen Maßnahmen und in welchem Zeitrahmen planen Sie
  28. diese Forderungen bei einer Regierungsbeteiligung umzusetzen? Wenn nicht:
  29. Aus welchen Gründen lehnen Sie es ab, dass diese Software wieder der
  30. Allgemeinheit vollumfänglich zur Verfügung gestellt wird? </p>
  31. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Der Einsatz von freier
  32. Software in der öffentlichen Verwaltung ist an vielen Stellen sinnvoll. Bei
  33. der Weitergabe von Freier Software, die speziell für die Verwaltung
  34. erstellt wurde und zur Veröffentlichung oder aber Weiterentwicklung
  35. beispielsweise an Dritte gegeben werden soll, bestehen derzeit jedoch
  36. haushaltsrechtliche Hürden (§ 63 Abs. 2 BHO). Wenn eine Software außerdem
  37. mit naheliegenden Veränderungen so abgewandelt werden kann, dass sie zu
  38. gesetzlich verbotenen Zwecken eingesetzt werden kann, kann dies der
  39. Bereitstellung als freier Software entgegenstehen. Es ist daher in jedem
  40. Einzelfall zu prüfen, ob die durch die öffentliche Verwaltung angeschaffte
  41. Software der Allgemeinheit vollumfänglich zur Verfügung gestellt werden
  42. kann.</p>
  43. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Die FDP begrüßt grundsätzlich
  44. die Förderung von offenen Standards und freier Software durch staatliche
  45. Stellen. Bei Ausschreibungen muss daher darauf geachtet werden, dass durch
  46. genaue Prüfung der jeweiligen Bedürfnisse und durch eine Total Cost of
  47. Ownership - Analyse sichergestellt wird, dass sowohl proprietäre, als auch
  48. Freie Software mit in die Auswahl einbezogen wird. Dabei ist auf die
  49. Erfahrungen anderer Freier Software Projekte der öffentlichen Verwaltung
  50. zurückzugreifen, um eine möglichst rasche Umsetzung zu erreichen. </p>
  51. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Die Freien
  52. Wähler unterstützen ausdrücklich alle Initiativen, die sich für eine
  53. Stärkung der Bürgerrechte einsetzen. Wenn der Staat – also wir alle – etwas
  54. bezahlen, dann sollte es uns auch gehören. Bei einer praktischen Umsetzung
  55. müssen natürlich Grundsätze wie Datenschutz, sicherheitskritische Fragen
  56. und die Schutzrechte Dritter berücksichtigt werden. Wir gehen aber davon
  57. aus, dass trotzdem ein erheblicher Teil der mit öffentlichen Mitteln
  58. erstellten Software als Sourcecode inklusive der ohnehin zu liefernden
  59. Dokumentation zur Verfügung gestellt werden könnte. <br /> Durch eine
  60. solche Vorschrift ließe sich – ähnlich den Transparenzgesetzen, die es in
  61. einigen Bundesländern schon gibt – auch eine Leistungskontrolle der meist
  62. privaten Lieferanten erzielen. Allein schon die Aussicht, dass der
  63. erstellte Code öffentlich gemacht und so von vielen Experten eingesehen
  64. werden kann, würde die beteiligten Softwarefirmen zwingen, auf eine hohe
  65. Qualität zu achten. Dieser Denkansatz – Qualitätskontrolle durch
  66. Transparenz – durchzieht das gesamte politische Wirken der FREIEN WÄHLER
  67. und liegt auch unserem Einsetzen für mehr direkte Demokratie zu Grunde. <br
  68. /> Mit einer Umsetzung müssten wir nicht bis zu einer Regierungsbeteiligung
  69. auf Bundesebene warten. Wir schlagen Ihnen stattdessen vor, mit uns
  70. zusammen einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, den man bereits auf kommunaler
  71. oder Landesebene einbringen könnte. </p>
  72. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Als GRÜNE wollen
  73. wir freie und offene Software stärken, einer breiteren gesellschaftlichen
  74. Akzeptanz zuführen und ihren Einsatz insbesondere dort voranbringen, wo
  75. Software öffentlich beauftragt und finanziert wird. Für einen verstärkten
  76. Einsatz von freier und offener Software sprechen viele gute Argumente, wie
  77. größere und nachhaltigere Innovationspotentiale, Verbreiterung der
  78. Kompetenz im Umgang mit Software, aber auch sicherheitsrelevante Vorteile.
  79. Daher haben wir uns in dieser Legislatur nicht nur wiederholt für den
  80. verstärkten Einsatz freier und offener Software eingesetzt, sondern auch da
  81. deutlich protestiert, wo wichtige Leuchtturmprojekte rückabgewickelt und zu
  82. proprietären Formaten zurückgekehrt wurden. Prominentestes Beispiel war
  83. hier sicherlich das Auswärtige Amt. <br /> Wie offen, frei und nachhaltig
  84. unsere Gesellschaft ist, spiegelt sich auch im Einsatz freier und offener
  85. Software wieder. Im öffentlichen Bereich muss sie bei gleicher Eignung den
  86. Vorrang genießen, sofern das vergaberechtlich möglich ist. Genauso setzen
  87. wir uns als GRÜNE dafür ein, dass bei Softwareentwicklungen von Behörden
  88. stets der Quellcode freigeben werden muss, d. h. die Programme müssen
  89. Open-Source sein, damit möglichst viele Menschen von ihnen profitieren
  90. können und die Möglichkeit besteht, sie einfach weiterzuentwickeln. Zentral
  91. für eine solche Strategie ist die Verwendung offener Standards und
  92. Schnittstellen. Trotz objektiver Vorteile freier Produkte wird gerade in
  93. der öffentlichen Verwaltung noch zu häufig proprietärer Software der
  94. Vorrang eingeräumt. Wir wollen den Umstellungsprozess zu freier Software
  95. gemeinsam mit den Beschäftigten der Verwaltung gehen und für Verständnis
  96. und Unterstützung werben. Dabei fordern wir GRÜNEN nicht nur einen
  97. verstärkten Einsatz, sondern sind bemüht, auch selbst unseren Anforderungen
  98. bestmöglich gerecht zu werden. So hat beispielsweise die GRÜNE
  99. Bundestagsfraktion in dieser Legislatur eine Software zur onlinebasierten
  100. Bürgerbeteiligung entwickeln lassen und den <a
  101. hred="https://github.com/wegewerk/betatext">Quellcode auf github.com</a>
  102. veröffentlicht, damit alle Interessierten die Bürgerbeteiligungssoftware <a
  103. href="https://www.gruene-bundestag.de/themen/innenpolitik/betatext/betatext0_ID_4386293.html">"betatext"</a>
  104. weiterentwickeln können. </p>
  105. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> Da davon auszugehen
  106. ist, dass sich die öffentliche Hand für selbst beauftragte Inhalte und auch
  107. Software in der Regel exklusive Nutzungsrechte sichert, sollte diese
  108. Software aus unserer Sicht unter freien Lizenzen veröffentlicht werden. Wir
  109. wollen insgesamt zum Umgang mit Werken und Content, die von öffentlichen
  110. Stellen exklusiv beauftragt und für diese hergestellt werden, einheitliche
  111. Strategien schaffen. Diese sollte grundsätzlich die Lizenz- und
  112. Rechtepolitik auf „open“ stellen und eine freie Nutzung ermöglichen. Die
  113. Einheitlichkeit einer solchen Policy würde eine Nachnutzung durch
  114. kommerzielle oder private Akteure deutlich erleichtern. <br /> Manche
  115. Behörden machen noch immer auf ihren Webseiten Werbung für eine spezielle
  116. unfreie Software, z.B. in Form von Adobe Reader obwohl es mehrere freie
  117. Alternativen gibt. Der Migrationsleitfaden der Bundesregierung empfiehlt,
  118. auch auf andere PDF-Betrachter zu verweisen und beispielsweise unsere
  119. Textbausteine zu verwenden. </p>
  120. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Die Piratenpartei
  121. setzt sich dafür ein, dass möglichst alle öffentlich finanzierten Inhalte
  122. der breiten Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht werden. Die Inhalte
  123. werden in offenen Formaten online zur Verfügung gestellt und archiviert.
  124. Weiterverbreitung sowie kommerzielle Nutzung sind ausdrücklich gestattet,
  125. solange sie dadurch nicht in ihrer freien Nutzung beschränkt werden.
  126. Ausnahmen von der Veröffentlichungspflicht sind nur bei schwerwiegenden
  127. Gründen möglich; diese müssen in jedem Einzelfall schriftlich dargelegt
  128. werden. <br /> Dies gilt für alle Arten von Inhalten und schließt Software
  129. mit ein. Es ist daher wichtig, dass zunächst einmal überhaupt begonnen
  130. wird, öffentlich finanzierte Inhalte unter freien Lizenzen zu
  131. veröffentlichen. Hierzu möchten wir öffentliche Stellen gesetzlich
  132. verpflichten. In der praktischen Umsetzung wird die größte Herausforderung
  133. in der Zugänglichmachung bestehender Inhalte liegen. Soweit hier auch
  134. (lizenzierte) Inhalte Dritter mit verwendet wurden, gilt die Lizenz oft nur
  135. für eine eingeschränkte Nutzung. Zudem liegen viele Daten nicht in offenen
  136. Formaten vor. <br /> Sowohl die juristische Situation wie auch die
  137. technische Frage der Konvertierung in offene Formate lässt sich derzeit
  138. nicht abschließend bewerten. Hier fehlt es an Informationen zum derzeitigen
  139. Datenbestand. Deshalb müssen die öffentlichen Stellen verpflichtet werden,
  140. zunächst eine Bestandsaufnahme durchzuführen, auf deren Basis eine
  141. Strategie zur Umsetzung formuliert werden kann. </p>
  142. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Open Source, offene Standards
  143. und freie Software leisten einen wichtigen Beitrag für sichere, stabile,
  144. interoperable – und auch kostengünstige – Softwarelösungen. Daher wollen
  145. wir in Staat und Verwaltung verstärkt auf Open Source Software und auf
  146. offene Standards setzen. Dies wird nicht in jedem Einzelfall möglich sein,
  147. aber von der öffentlichen Hand finanzierte Software soll, soweit es geht,
  148. als Freie Software auch wieder der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.
  149. </p>
  150. <p class="question"> <strong>2. </strong> Das Elsterformular zur
  151. elektronischen Steuererklärung <a
  152. href="http://www.golem.de/news/elektronische-steuererklaerung-elster-fuer-linux-und-macos-x-existiert-1303-98024.html">existiert
  153. seit Jahren für das freie Betriebssystem GNU+Linux sowie für Apple Mac
  154. OSX</a>, da es mit dem freien Cross-Platform-Framework Qt entwickelt
  155. wurde. Allerdings wird es zurückgehalten und Apple- und GNU+Linux-Nutzer
  156. werden auf die fehleranfällige und unsichere Java-Lösung Elsteronline
  157. verwiesen. Wie ist ihre Position dazu? </p>
  158. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Sollten keine bislang
  159. unbekannten technischen oder rechtlichen Gründe dagegen sprechen, halten
  160. wir es für richtig, diese Software freizugeben. Nach unserer Information
  161. wird bereits daran gearbeitet, dass Bürgerinnen und Bürger auch ohne Java
  162. mit Elster arbeiten können.</p>
  163. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Dass keine
  164. plattformunabhängige Version von ElsterFormular zugänglich ist, bedauern
  165. wir sehr. Schließlich haben sich die FDP-Vertreter in der Projektgruppe
  166. Interoperabilität, Standards und Freie Software der Enquetekommission
  167. Internet und digitale Gesellschaft auch sehr dafür eingesetzt, dass eine
  168. dementsprechende Handlungsempfehlung aufgenommen wird. So heißt es in
  169. Handlungsempfehlung Nr. 4: „Insbesondere dann, wenn die Software zur
  170. Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern oder aber Unternehmen zur Anwendung
  171. kommen soll, sollte auch eine Plattformneutralität gewahrt bleiben, um eine
  172. möglichst große Teilhabemöglichkeit zu gewährleisten.“ Die
  173. Plattformunabhängigkeit des ElsterOnline Formulars ist gewahrt, eine
  174. sichere Alternative zur aktuellen Java-Lösung soll bis August 2013 <a
  175. href="http://www.finanzamt.bayern.de/LfSt/Aktuelles/Pressemitteilungen/2013/03-
  176. 12.php?f=LfSt&amp;c=n&amp;d=x&amp;t=x">online sein</a>. Diese Bemühungen
  177. begrüßen wir wiederum sehr. </p>
  178. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Gerade in
  179. Hinblick auf die höhere Sicherheit, die z.B. Linux-Systeme dem Anwender
  180. bieten, ist es unverständlich, dass bei den sensiblen Steuerdaten dieser
  181. Vorteil nicht genutzt wird. Auch hier müsste zunächst transparent gemacht
  182. werden, welche Gründe für dieses Versäumnis vorliegen. Leider sind wir uns
  183. aber auch im Klaren darüber, dass diese spezielle Thema nur wenig Resonanz
  184. in der Öffentlichkeit erregt. Es wird daher sehr schwierig sein, hier ohne
  185. administrative Macht für eine Verbesserung zu sorgen. </p>
  186. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Wir setzen uns für
  187. elektronische Steuererklärungen ein. Das Elster-Formular halten wir hier
  188. für einen sinnvollen Ansatz, der aber noch weiterentwickelt werden muss und
  189. auch mehr Verbreitung finden sollte. Wir sehen die Nicht-Veröffentlichung
  190. äußerst kritisch und haben uns wiederholt dafür ausgesprochen, dass auch
  191. die Nutzerinnen und Nutzer freier Betriebssysteme die Möglichkeit erhalten,
  192. das Elsterformular zu nutzen. Warum sie stattdessen gezwungen werden, auf
  193. Java-Lösungen auszuweichen, verstehen wir nicht. Wir meinen, dass eine vom
  194. Betriebssystem unabhängige Lösung gefunden werden sollte bzw. alternative
  195. Versionen für sämtliche Betriebssysteme entwickelt werden müssten und
  196. werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass auch Nutzerinnen und Nutzer
  197. freier Betriebssysteme das Elsterformular nutzen können </p>
  198. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> Die elektronische
  199. Abgabe der Steuererklärung muss plattformunabhängig möglich sein.
  200. Nutzerinnen und Nutzer dürfen durch die Steuerverwaltung nicht zur
  201. Verwendung oder gar Kauf ausgewählter Betriebssysteme gezwungen werden.
  202. Dies umso mehr, als die elektronische Übermittlung bereits heute für eine
  203. Reihe von Steuerklärungen verpflichtend vorgeschrieben ist. Die alternative
  204. Weblösung ElsterOnline bietet dazu keinen Ersatz, zumal nur bestimmte
  205. PC-Konfigurationen (Betriebssysteme, Browser) unterstützt werden und die
  206. Verwendung der Java-Laufzeitumgebung Sicherheitsprobleme birgt. Die
  207. Bereitstellung des Elster-Formulars lediglich für Microsoft Windows und das
  208. Zurückhalten von GNU-Linux- und Mac OS X-Versionen durch das für die
  209. Entwicklung von Elster federführende Bayerische Landesamt für Steuern aus
  210. vermeintlich wirtschaftlichen Erwägungen ist inakzeptabel. </p>
  211. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Wie in Frage 1
  212. bereits erläutert fordern wir Piraten eine generelle Zugänglichmachung
  213. öffentlich finanzierter Inhalte unter freien Lizenzen. Dies gilt auch für
  214. alle Versionen der Elster-Software. Sollten die Mac OS X- und
  215. Linux-Versionen unter gravierenden technischen Mängeln leiden, die einem
  216. Einsatz entgegenstehen, z.B. weil die Software nicht ausgereift genug und
  217. damit anfällig für Sicherheitsmängel ist, so ist zumindest der
  218. Öffentlichkeit die Möglichkeit einzuräumen, die Software selber
  219. weiterzuentwickeln. <br /> Dies sollte dadurch geschehen, dass die Software
  220. inklusive Quellcode und Dokumentation unter einer freien Lizenz
  221. veröffentlicht wird. </p>
  222. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Begründet wurde dies in der
  223. Vergangenheit vor allem mit verwaltungsökonomischen Argumenten,
  224. insbesondere mit Blick auf die Berücksichtigung des Grundsatzes der
  225. wirtschaftlichen Verwendung von Steuermitteln. Mit Blick auf die
  226. Anwendergruppe wurde die Software Elsterformular zunächst vor allem für die
  227. Windows-Betriebssysteme entwickelt, um schnell eine größtmögliche
  228. Zielgruppe zu erreichen. <br /> Im Hinblick auf die Nutzungsmöglichkeit
  229. durch andere Betriebssysteme haben die Finanzministerien der Länder und des
  230. Bundes wiederholt beschlossen, dass aufgrund der geringeren
  231. Marktverbreitung von Mac- und Linux-Desktop-Betriebssystemen eine
  232. kostenlose Version von Elster-Formular für diese Betriebssysteme nicht
  233. wirtschaftlich sei und deshalb aus Kostengründen nicht bereitgestellt
  234. werde. Das Elster-Online-Portal sei allerdings auch mit Linux und Mac OSX
  235. lauffähig. <br /> Dieser gegenwärtige Zustand und die Bindung an einen
  236. einzigen Betriebssystemhersteller ist nicht akzeptabel. Gegenwärtig wird
  237. zudem nach Lösungen gesucht, welche die Nutzung des Elster-Online-Portals
  238. auch ohne Java zulassen. Wenn die Politik es ernst meint, verstärkt auf
  239. Open Source und Freie Software setzen zu wollen, dann muss sie auch im
  240. Bereich der Steuerverwaltung entsprechende plattformunabhängige Ansätze
  241. unterstützen. Daher werden wir uns dafür einsetzen, entsprechende Software
  242. auch für alternative Betriebssysteme bereitzustellen. </p>
  243. <p class="question"> <strong>3. </strong>Wie beurteilen Sie die Tatsache,
  244. dass in manchen Fällen bei  beauftragten Softwareentwicklungen öffentlicher
  245. Einrichtungen diese nicht sämtliche Nutzungsrechte (Zugriff auf den
  246. Quellcode, das Recht, die Software selbst oder durch Dritte
  247. weitzuentwickeln, das Recht die Software an andere Weiterzugeben) besitzen;
  248. etwas, das für einen privatwirtschaftlichen Auftraggeber vollkommen
  249. inakzeptabel wäre?</p>
  250. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Die Vergangenheit hat
  251. gezeigt, dass sich die ausschreibenden Behörden in der Zukunft noch mehr
  252. Gedanken zum Einsatz- und Verwendungszweck von bestellter Software machen
  253. müssen. Wir werden daher einen besonderen Wert darauf legen, dass zukünftig
  254. Weiterentwicklungsmöglichkeiten der Software von Beginn an berücksichtigt
  255. werden. Rechte der öffentlichen Hand an der Software, insbesondere am
  256. Quellcode, sind daher bereits im Vergabeverfahren sicherzustellen. </p>
  257. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Grundsätzlich gilt unabhängig
  258. vom Lizenzmodell, dass es hilfreich ist, alle Möglichkeiten zu haben, eine
  259. Software selber weiter zu entwickeln, oder auf Sicherheitsaspekte hin
  260. überprüfen zu können. Das macht unabhängig vom Hersteller und bietet
  261. Planungssicherheit und Freiheit bei der Dienstleisterwahl. Gerade im
  262. Bereich sensibler Software, wie zuletzt beim Staatstrojaner, hat sich
  263. gezeigt, wie wichtig der Zugriff auf den Source Code ist. </p>
  264. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Solche
  265. Verträge, in denen sich der Staat über den Tisch ziehen lässt, sind nicht
  266. hinzunehmen. Hier sollte auch darüber nachgedacht werden, in welchem Umfang
  267. sich diejenigen, die solche Verträge für den Staat unterschreiben, in
  268. Haftung genommen werden. </p>
  269. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Wie bereits
  270. geschrieben, setzen wir uns als GRÜNE seit langem dafür ein, dass im
  271. öffentlichen Bereich freie und offene Software bei gleicher Eignung den
  272. Vorrang genießen muss, sofern das vergaberechtlich möglich ist. Genauso
  273. müssen Softwareentwicklungen von Behörden stets den Quellcode freigeben,
  274. also Open-Source sein, damit alle von ihnen profitieren und sie einfach
  275. weiterentwickelt werden können. Zentral für eine solche Strategie ist die
  276. Verwendung offener Standards und Schnittstellen und die Möglichkeit unter
  277. freien Lizenzen veröffentlichen zu können. Einen entsprechenden Beschluss
  278. haben wir als GRÜNE vor langem gefasst und entsprechende Forderungen auch
  279. in unser Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 aufgenommen. <br /> Der
  280. staatliche Einsatz kommerzieller Software ohne Zugriff und damit Kenntnis
  281. der Quellcodes ("Stichwort Trojanerdebatte") widerspricht im
  282. Sicherheitsbereich eindeutigen verfassungsrechtlichen Vorgaben und muss
  283. unterbunden werden. Ebenfalls treten wir für eine Verschärfung von
  284. Exportkontrollen von Überwachungs- und Zensurtechnologien ein. </p>
  285. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE hält dies
  286. für problematisch, insbesondere dann, wenn aus diesem Verzicht vermeidbare
  287. Folgekosten resultieren. Der Staat als Auftraggeber muss hier seine
  288. Verfügungshoheit sicherstellen und im Sinne der Allgemeinheit nutzen. </p>
  289. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Eine solche
  290. Lizenzierung ist mit unserem Ziel der generellen freien Zugänglichmachung
  291. öffentlich finanzierter Inhalte nicht vereinbar. Schon deshalb fordern wir,
  292. Softwareentwicklung nur zu entsprechenden Bedingungen zu vergeben. Die
  293. entsprechenden Rechtsverordnungen sind so anzupassen, dass solche
  294. Bedingungen in Zukunft ausgeschlossen werden. </p>
  295. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Öffentliche Einrichtungen
  296. sollten sich bei der Beauftragung von Softwareentwicklungen sämtliche
  297. Nutzungsrechte einräumen lassen – auch den Zugriff auf den Quellcode –,
  298. nicht zuletzt auch um die Weiterentwicklung sicherzustellen sowie aus
  299. Kostengründen. Notwendig wäre ein ressortübergreifender und abgestimmter
  300. Ansatz und eine grundsätzliche Lizenzierung unter freien Lizenzen oder eine
  301. GPL-Lizenzierung. <br /> Es ist sicher im privaten wie auch im öffentlichen
  302. Bereich nicht immer zwingend, dass man bei allen Softwareanwendungen den
  303. Zugriff auf den Quellcode haben muss, um diese nutzen zu können. Der
  304. Quelltext ist allerdings beispielsweise im Sicherheitsbereich zwingend.
  305. Nicht hinnehmbar ist es, dass – wie es bis Ende 2012 geschehen ist ‑
  306. Behörden Software in sensiblen Bereichen wie beispielsweise zur
  307. Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) einsetzen, ohne zu
  308. wissen, was die Software eigentlich macht und welche Funktionalitäten
  309. aktiviert bzw. deaktiviert werden können. <br /> Der Chaos Computer Club
  310. (CCC) hat eine solche behördliche Überwachungssoftware analysiert und
  311. festgestellt, dass die Software über weitaus mehr Funktionen verfügte, als
  312. es der zugrunde liegende richterliche Beschluss zur Durchführung einer
  313. Quellen-Telekommunikationsüberwachung vorsah. Außerdem enthielt die
  314. Software massive Sicherheitslücken. Unabhängig von der Frage, ob es möglich
  315. ist, die technischen und rechtlichen Absicherungen der
  316. Quellentelekommunikationsüberwachung verfassungskonform sicherzustellen,
  317. ist der Zugriff auf Quellcodes in derart sensiblen Bereichen unabdingbar.
  318. </p>
  319. <p class="question"> <strong>4. </strong> Mobile Geräte (Mobiltelefone,
  320. Tablets, Netbooks, ...)sind kleine  Computer, die wir ständig mit uns
  321. herumtragen. Sie haben Mikrofone  und Kameras, kennen unseren
  322. Aufenthaltsort, enthalten private Daten  und Kommunikationsvorgänge. Sie
  323. sind mächtige Werkzeuge, die Risiken für die Privatsphäre bergen, aber uns
  324. in vielen Bereichen das Leben erleichtern können. Wie wollen Sie
  325. sicherstellen, dass in unserer Gesellschaft diese neuen Werkzeuge sich im
  326. Sinne der Anwender nutzen lassen? </p>
  327. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Jeder Nutzer muss wissen,
  328. was mit seinen Daten geschieht. Deswegen sehen wir den Datenschutz als ganz
  329. zentrales landes- , bundes- und europapolitisches Thema. Dazu zählt zum
  330. Einen, dass die Nutzer selbst wissen, wie man mit seinen Daten umgehen
  331. sollte, und zum Anderen, dass wir gesetzliche Vorgaben dazu erarbeiten,
  332. welche Daten unter welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang genutzt
  333. werden dürfen. </p>
  334. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Die Leistung der mobilen
  335. Geräte von heute war noch vor wenigen Jahren nur schwer vorstellbar und
  336. ermöglicht uns die Nutzung von immer neuen und innovativen Anwendungen.
  337. Gleichwohl halten wir es für nötig, dass sich die Nutzer verstärkt mit
  338. weniger bekannten und manchmal unerwünschten Fähigkeiten ihrer Geräte
  339. auseinandersetzen. Wie in allen Bereichen setzen wir uns auch hier für
  340. einen mündigen Bürger und Verbraucher ein, der sich auch im digitalen
  341. Bereich kompetent mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen kann. Wir
  342. Liberale betonen stets, dass es gerade im Bereich Internet und IT besser
  343. ist die Chancen zu beleuchten als, wie allzu oft, nur über Risiken zu
  344. sprechen. Diese Haltung haben wir besonders in die Enquetekommission
  345. „Internet und digitale Gesellschaft“ eingebracht, die z.B. die Ausstattung
  346. von Schülern mit mobilen Endgeräten fordert. </p>
  347. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> So sehr wir es
  348. uns auch wünschen, wir werden dies nicht für alle Anwender sicherstellen
  349. können. Solange es den Menschen im alltäglichen Leben egal ist, was mit
  350. ihren Daten passiert – siehe Facebook – werden Gesetze keine Abhilfe
  351. schaffen. Hier können wir nur auf Aufklärung setzen und darauf, dass die
  352. „digitale Gesellschaft“ ein entsprechendes Problembewusstsein in der Breite
  353. entwickelt. <br /> Parallel dazu sollten Ansätze unterstützt werden, die
  354. Auswege bereithalten für diejenigen, die dieses Bewusstsein bereits haben.
  355. Konkret hieße dies, Projekten wie z.B„Tor“ eine mediale oder auch
  356. finanzielle Rückendeckung zu verschaffen. </p>
  357. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Mobiles Internet,
  358. aber auch viele cloudbasierte Dienste und das sogenannte "Internet der
  359. Dinge" sind Entwicklungen, die zahlreiche Chancen, aber eben auch Risiken
  360. mit sich bringen. Als GRÜNE sagen wir klar, dass wir hierfür eindeutige
  361. bürgerrechtliche Regelungen brauchen, die die Privatsphäre der Nutzerinnen
  362. und Nutzer effektiv schützen. Dabei steht für uns an erster Stelle der
  363. digitalen Bürgerrechte, ein wirksamer Datenschutz. Ohne Datenschutz gibt es
  364. kein freies Internet. Privatsphäre ist auch im digitalen Zeitalter kein
  365. Relikt alter Tage. Im Gegenteil: Der effektive Schutz und die gesetzliche
  366. Absicherung pseudonymer und anonymer Kommunikation erfüllt eine
  367. Schlüsselrolle für die Privatheit im Internetzeitalter. Der Datenschutz
  368. steht in der GRÜNEN Geburtsurkunde. Wir werden Bürgerrechte nicht nur
  369. verteidigen, sondern werden uns auch in Zukunft dafür einsetzen, sie weiter
  370. zu stärken. Wir haben in dieser Legislatur eine Vielzahl von
  371. parlamentarischen Initiativen in diesem Bereich vorgelegt und streiten als
  372. GRÜNE derzeit auf europäischer Ebene für eine deutliche Verbesserung und
  373. Harmonisierung des EU-Datenschutzrechts. Die schwarz-gelbe Bundesregierung
  374. war im Bereich des Datenschutzes in dieser Legislatur leider ein
  375. Totalausfall. Mit ihrem Ansatz von Selbstverpflichtungen ist sie krachend
  376. gescheitert. Sie hat nichts getan, den verfassungsrechtlich garantierten
  377. Schutz der Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen, im Gegenteil. <br />
  378. Das Kernproblem von mobile devices hat das Bundesverfassungsgericht in
  379. seiner Entscheidung zum Grundrecht auf Integrität und Vertraulichkeit
  380. informationstechnischer Systeme eindringlich beschrieben: die Potenzierung
  381. der Zugriffsmöglichkeiten dieser vernetzt funktionierenden Geräte erfordert
  382. besonders hohe, verfassungsrechtlich gebotene Sicherheitsvorkehrungen. Wir
  383. plädieren dafür, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts endlich
  384. gesetzlich mit Leben zu füllen und damit zu konkretisieren. Staatliche
  385. Zugriffe durch Trojaner lehnen wir ab, gegen die einschlägige Befugnis im
  386. BKA-Gesetz klagen wir deshalb vor dem Bundesverfassungsgericht. Und auch
  387. bei der Quellentelekommunikationsüberwachung ist keineswegs ausgemacht, ob
  388. im Wege des Trojanereinsatzes jemals die Grundsätze des BVerfG-Urteils zur
  389. Online-Durchsuchung eingehalten werden könnten. Gegenwärtig jedenfalls
  390. besteht keinerlei Transparenz hinsichtlich der durch die Bundesregierung zu
  391. kommerziellen Zwecken eingesetzten Trojanersoftware, das haben die
  392. Untersuchungen des Bundesbeauftragten für Datenschutz als auch des
  393. bayrischen Landesbeauftragten ergeben. Vor diesem Hintergrund dürfen diese
  394. technischen Verfahren deshalb nicht eingesetzt werden, weil nicht
  395. ausgeschlossen werden kann, dass unverhältnismäßige Zugriffe auf die Daten
  396. der Betroffenen eröffnet werden. <br />
  397. Auch unterstützen wir die Forderung und rechtliche Klärung durch
  398. Datenschutzbeauftragte, dass sich Serviceanbieter an nationales
  399. Datenschutzrecht halten müssen. (Datenschutz gegenüber Unternehmen aus
  400. Drittstaaten stärkt und die Durchsetzungsbefugnisse für die
  401. Datenschutzbehörden erhöht) Ebenso grundlegend ist der präventiv wirkende,
  402. gesetzlich verpflichtende Datenschutz durch Technik (Privacy by Design,
  403. Privacy by Default), also die gesetzliche Festschreibung von Werk ab,
  404. höchsten Datenschutzstandards zu integrieren und einzustellen. Auch den
  405. Schutz vor ungewollter Profilbildung und automatisierter Bewertung
  406. (Scoring) von Daten wollen wir gesetzlich absichern. Das gilt gegenüber dem
  407. Staat wie gegenüber Unternehmen und anderen privaten Stellen. Auch muss für
  408. Nutzerinnen und Nutzer erkenntlich sein, was mit den eigenen Daten
  409. passiert. AGBs müssen verständlich formuliert sein. Diese Maßnahmen müssen
  410. durch eine verbesserte und altersübergreifende Vermittlung von
  411. Medienkompetenz, die einerseits das Bewusstsein für Privatsphäre stärkt und
  412. andererseits einen souveränen Umgang mit Services und Daten ermöglicht,
  413. flankiert sein.</p>
  414. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> Wir setzen uns ein
  415. für datenschutzfreundliche Technik („Privacy by Design“), für datensparsame
  416. Grundeinstellungen („Privacy by Default“) bei Webdiensten, Smartphones,
  417. Tablet- Computern und Apps sowie für das Recht, die eigenen Daten
  418. „mitzunehmen“ (Datenportabilität) oder zu löschen. Dazu müssen allerdings
  419. die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche die
  420. Souveränität der Nutzerinnen und Nutzer über ihre Daten gewährleisten. Hier
  421. ist in erster Linie an einen effektiven Datenschutz zu denken, dessen
  422. Nichtbeachtung durch die Unternehmen zu sanktionieren ist. Dazu gehört aber
  423. auch, Nutzerinnen und Nutzer verstärkt im Umgang mit ihren eigenen Daten zu
  424. sensibilisieren. Viele nehmen diese gar nicht als wertvolles Gut wahr und
  425. geben ihre Daten viel zu leichtfertig frei. </p>
  426. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Die
  427. Datensammlungen mobiler Geräte sind vor allem deshalb kritisch, weil
  428. Geräte- und Softwarehersteller damit ein detailliertes Profil des Benutzers
  429. und seines unbeteiligten Umfeldes anlegen können. So enthalten etwa die
  430. Adressbücher von Mobiltelefonen unvermeidbar auch Daten Dritter, denn ein
  431. Adressbuch ohne Namen und Telefonnummern ist nutzlos. Adressbücher zu
  432. verbieten kann aber keine Lösung sein. Sie sind hier nur eines von
  433. zahllosen Beispielen, die meist im Zuge der elektronischen Kommunikation
  434. entstanden sind. <br />
  435. Aus diesem Grund reicht ein reines Auskunftsrecht nicht mehr aus, da der
  436. Bürger keinen Überblick mehr haben kann, wer welche Daten über ihn besitzt.
  437. Stattdessen muss eine Mitteilungspflicht eingeführt werden. Dazu fordert
  438. die Piratenpartei die verpflichtende Einführung des Datenbriefes und die
  439. Verankerung desselben in den Bundesdatenschutzgesetzen des Bundes und der
  440. Länder. Dieser Datenbrief soll von allen Firmen und Behörden, die
  441. personenbezogene Daten besitzen, jährlich an alle Betroffenen verschickt
  442. werden. Die Weitergabe von Daten an Dritte soll darin kommuniziert und
  443. begründet werden. So erfährt der Bürger automatisch, wo seine Daten liegen,
  444. und kann seine Rechte auch in der Praxis durchsetzen. <br />
  445. Zudem sind viele Benutzer mit den Einstellungsmöglichkeiten moderner Geräte
  446. überfordert. Deshalb müssen alle Produkte datenschutzfreundlich
  447. voreingestellt sein. Um Datenschutz mit den neuen Medien vereinbar zu
  448. machen, bedarf es ständiger technischer Innovationen. Die Piratenpartei
  449. Deutschland setzt sich für eine Stärkung der Selbstständigkeit sowie der
  450. Kontroll- bzw. Sanktionsbefugnisse der Aufsichtsbehörden ein. Unternehmen
  451. werden nur dann innovative Lösungen entwickeln, wenn es einen starken
  452. öffentlichen Druck gibt, Produkte datenschutzfreundlich zu gestalten. <br
  453. />
  454. Beispielsweise wäre es für Facebook leicht möglich, die Like-Buttons durch
  455. das Zwei-Klick-Prinzip datenschutzfreundlich zu gestalten. Beim
  456. Zwei-Klick-System werden die Daten erst nach Aktivierung durch den Nutzer
  457. an Facebook gesendet. Dies wird von den Datenschutzbeauftragen seit Jahren
  458. gefordert, konnte aber noch nicht durchgesetzt werden. </p>
  459. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Mit der Digitalisierung der
  460. Gesellschaft einher gehen erhebliche Chancen und Potenziale, aber auch
  461. einige Risiken. So sieht sich insbesondere das Recht auf informationelle
  462. Selbstbestimmung vor besonderen Herausforderungen. Das Datenschutzrecht
  463. muss umfassend modernisiert werden, damit es auf die Herausforderungen der
  464. allgegenwärtigen Digitalsierung reagieren kann. Die vielen
  465. Datenschutzskandale zeigen aber auch, dass Daten- und Verbrauchschutz im
  466. digitalen Zeitalter nicht mehr auf nationaler Ebene regelbar sind. Wir
  467. brauchen einheitliche europäische Regelungen auf hohem Niveau und mit
  468. Durchsetzungskraft. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Initiative auf
  469. europäischer Ebene zur europaweiten Modernsierung des Datenschutzrechtes.
  470. <br />
  471. Vorgesehen ist damit eine Ausweitung des Anwendungsbereiches, so dass auch
  472. international agierende Unternehmen wie Google und Facebook erfasst werden,
  473. wenn sie Daten europäischer Bürgerinnen und Bürger erheben oder
  474. verarbeiten. Dies führt zu mehr Rechtssicherheit für die Bürgerinnen und
  475. Bürger und auch für Unternehmen. Zu begrüßen sind bei dem vorgelegten
  476. Entwurf die klare Stärkung des Einwilligungserfordernisses, das sogenannte
  477. Recht auf Vergessenwerden, die Verankerung von nutzerfreundlichen
  478. Konstruktionen (privacy by design/by default) und das Recht der
  479. Datenportabilität.All diese Maßnahmen stärken den Schutz der Nutzerinnen
  480. und Nutzer erheblich. Die Nutzerinnen und Nutzer müssen jederzeit die
  481. Kontrolle haben, welche Daten an wen für welche Zwecke übertragen werden.
  482. </p>
  483. <p class="question"> <strong>5. </strong> Stimmen Sie dem <a
  484. href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/OED_Verwaltung/Informationsgesellschaft/trusted_computing.html">Eckpunktepapier
  485. der Bundesregierung zu „Trusted Computing“ und „Secure Boot“</a> zu? Wenn
  486. nein, warum? Wenn ja, was werden sie unternehmen, damit die Forderungen aus
  487. dem Eckpunktepapier eingehalten werden? </p>
  488. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Wir teilen die im
  489. Eckpunktepapier der Bundesregierung zu „Trusted Computing“ und „Secure
  490. Boot“ vertretenen Ansichten und setzen uns für die Fortsetzung des bereits
  491. von der Bundesregierung auf nationaler und internationaler Ebene
  492. eingeschlagenen Weges ein. </p>
  493. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Die FDP begrüßt das
  494. „Eckpunktepapiere der Bundesregierung zu ‚Secure Boot‘ und ‚Trusted
  495. Computing‘. Die Nutzer müssen die volle Kontrolle über ihre Geräte haben
  496. und eine bewusste und informierte Entscheidung über die Kontrolle treffen
  497. können. Die Möglichkeit der Rechteabgabe an Dritte erfordert unbedingt die
  498. klare und umfassende Information des Nutzers. Wir werden sicherstellen dass
  499. Nutzer eine informierte Entscheidung über ihre Geräte treffen können. </p>
  500. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Die FREIEN
  501. WÄHLER können und werden keiner Initiative zustimmen, die geeignet ist, die
  502. Rechte der Bürger dieses Landes zu beschneiden. Bei „Secure Boot“ handelt
  503. es sich unserer Ansicht nach um nichts anderes als eine Art von
  504. Hardware-Trojaner. So etwas lehnen wir vehement ab. </p>
  505. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Grundsätzlich
  506. begrüßen wir die Intention, die Gerätehoheit der Nutzerinnen und Nutzer zu
  507. stärken. Allerdings hat die Bundesregierung hier keine konsequente
  508. Festlegung erreicht, noch mit der Umsetzung tatsächlich angefangen und
  509. bisher auch nicht klären können, wie dies mit der großflächigen Bindung an
  510. Microsoftdienste umgesetzt werden soll. </p>
  511. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> Mit der
  512. Implementierung von Secure Boot werden die Eigentümer von IT-Geräten in der
  513. Möglichkeit beschränkt, unabhängig und vollständig die Kontrolle über
  514. Inhalte und Anwendungen auszuüben. Das hat zur Folge, dass Gerätehersteller
  515. beispielsweise die nutzerseitige Installation von alternativen
  516. Betriebssystemen wie Linux verhindern können. DIE LINKE. begrüßt daher die
  517. Forderung des Eckpunktepapiers zu „Trusted Computing“ und „Secure Boot“,
  518. nach der es die Geräteeigentümer sind, die über die vollständige Kontrolle
  519. ihrer Geräte verfügen müssen. Einer Delegation dieser Kontrolle an Dritte
  520. aus Gründen der IT- Sicherheit soll daher eine bewusste und informierte
  521. Einwilligung der Geräteeigentümer vorausgehen. Aus diesem Grund wollen wir
  522. eine gesetzliche Regelung schaffen, die sicherstellt, dass Kunden vor dem
  523. Kauf eines Gerätes klar feststellen können, welchen Einschränkungen dieses
  524. unterliegt. </p>
  525. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Das
  526. Eckpunktepapier enthält viele wichtige Forderungen, die auch wir sehr gerne
  527. umgesetzt sehen möchten. Systeme, die den Nutzer daran hindern, bestimmte
  528. Software zu installieren, sind wirtschaftspolitisch nicht akzeptabel. Dies
  529. führt zwangsläufig zur Förderung von Oligopolen oder Monopolen im
  530. Softwaremarkt. <br />
  531. Wichtiger noch ist aber die gesellschaftspolitische Bedeutung der Kontrolle
  532. über IT-Systeme: Die Kommunikation über digitale Netzwerke wie das Internet
  533. hat bereits einen hohen Stellenwert und gewinnt immer weiter an Bedeutung.
  534. Der Zugang zur digitalen Kommunikation ermöglicht es, voll am sozialen
  535. Leben teilzuhaben, frei zu publizieren, sich Zugang zu öffentlichen
  536. Informationen zu verschaffen und sich damit weiterzubilden, sowie sich auch
  537. online wirtschaftlich oder kulturell zu betätigen. Um wirtschaftliche
  538. Hindernisse am Zugang zur digitalen Kommunikation auszuräumen, ist jedem
  539. Mitglied der Gesellschaft eindeutig das Recht zur Teilhabe
  540. zuzusprechen. <br />
  541. Dies setzt aber auch voraus, dass die dazu verwendeten Geräte unter der
  542. Kontrolle des Benutzers stehen. Eine Einschränkung auf bestimmte
  543. Betriebssysteme oder andere Software steht dem diametral gegenüber. <br />
  544. Um Transparenz der Technik und Offenheit des Marktes zu erreichen, ist es
  545. zudem wichtig, dass Trusted Computing Systeme als offene Standards
  546. freigegeben werden und Interoperabilität sichergestellt wird. <br />
  547. Genau deswegen ist es wichtig, dass die Forderungen des Eckpunktepapiers
  548. tatsächlich umgesetzt werden. Eine entschiedene und schlagkräftige Regelung
  549. besitzt das Potenzial, die Freiheit des Nutzers sicherzustellen und eine
  550. gefährliche Abhängigkeit von wenigen ausländischen Anbietern zumindest
  551. nicht weiter zu fördern.<br />
  552. Dazu ist es notwendig, dass Verstöße gegen die Forderungen des Papiers zu
  553. empfindlichen Konsequenzen für die Hersteller führen. Eine zahnlose
  554. Umsetzung würde nur dazu führen, dass die AGB der Anbieter entsprechend
  555. angepasst würden, ohne dass sich tatsächliche Veränderungen einstellen. Es
  556. bleibt zu hoffen, dass das Eckpunktepapier nicht nur die
  557. Vergaberichtlinien, sondern auch die Industriepolitik beeinflussen wird.
  558. </p>
  559. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Mit dem Eckpunktepapier der
  560. Bundesregierung zu „Trusted Computing“ und „Secure Boot“ wird der Versuch
  561. unternommen, die Potenziale von Trusted-Computing Lösungen für die Erhöhung
  562. des Niveaus der IT-Sicherheit auf IT-Plattformen von Unternehmen,
  563. öffentlicher Verwaltung und Privatanwendern zu nutzen und gleichzeitig dem
  564. Geräte-Eigentümer die vollständige Kontrolle seiner Geräte sicherzustellen.
  565. Die in dem Eckpunktepapier formulierten Vorgaben sind grundsätzlich zu
  566. begrüßen. So kann „Trusted Computing“ auf der einen Seite einen wichtigen
  567. Beitrag zur Erreichung der IT-Sicherheitsziele Vertraulichkeit, Integrität,
  568. Verfügbarkeit und Authentizität leisten. Gleichzeitig muss der
  569. Geräte-Eigentümer aber die vollständige Kontrolle (Steuerbarkeit und
  570. Beobachtbarkeit) der gesamten „Trusted Computing“-Sicherheitssysteme seiner
  571. Geräte haben. <br />
  572. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass bei der Auslieferung von
  573. Geräten „Trusted Computing“-Sicherheitssysteme deaktiviert sind
  574. („Opt-in“-Prinzip) und auch später wieder deaktiviert werden können. Die
  575. Transparenz der Systeme muss vollumfänglich gegeben sein, die Standards
  576. müssen offen und frei verfügbar und die Interoperabilität muss gewahrt sein
  577. – um nur einige wichtige Eckpunkte aufzugreifen. Diese Vorgaben sind in dem
  578. Eckpunktepapier der Bundesregierung enthalten, weitgehend offen ist jedoch
  579. die Frage, wie die Einhaltung dieser „Trusted-Computing“-Vorgaben
  580. durchgesetzt werden soll. Hier ist eine Initiative auf europäischer Ebene
  581. unabdingbar, damit diese Vorgaben nicht nur eine politische
  582. Willenserklärung bleiben, sondern tatsächlich eingehalten werden. </p>
  583. <p class="question"> <strong>6. </strong> Unterstützen Sie die derzeitige
  584. Position der Bundesregierung aus SAGA zu IT-Standards, die zur Förderung
  585. des Wettbewerbs durch Offene Standards im Softwarebereich eine Lizenzierung
  586. ohne Restriktionen und Lizenzgebühren erfordert. Wenn ja, wie werden sie
  587. diese Forderung umsetzen? Wenn nein, was werden Sie tun? </p>
  588. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Wir setzen uns dafür ein,
  589. dass neue Software möglichst plattformunabhängig und basierend auf offenen
  590. Standards erstellt wird. Insbesondere dann, wenn die Software zur
  591. Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern oder aber Unternehmen zur Anwendung
  592. kommen soll. Nur beim Vorliegen einer Plattformneutralität ist auch eine
  593. möglichst große Teilhabemöglichkeit zu erreichen. Wir unterstützen daher
  594. die Fortschreibung und Weiterentwicklung von SAGA durch den einberufenen
  595. Expertenkreis. </p>
  596. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> SAGA ist für die
  597. Bundesverwaltung bei der Auswahl ihrer Informationstechnologien
  598. verbindlich. Wir Liberale unterstützen dies, denn es verfolgt unter anderem
  599. die für die Auswahl von Software essentiellen Ziele der Wirtschaftlichkeit,
  600. Offenheit und Interoperabilität. Wir unterstützen die Position der
  601. Bundesregierung und werden uns weiter mit Nachdruck für freien Wettbewerb
  602. einsetzen. Dazu gehört auch eine gebührenfreie Lizenzierung. </p>
  603. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Die FREIEN
  604. WÄHLER begrüßen offene Standards und alle Arten von Initiativen, die zu
  605. einer besseren Entfaltung individueller Möglichkeiten beitragen. Was die
  606. von Ihnen genannte Position angeht, so hatten wir leider noch keine Zeit,
  607. uns damit näher zu befassen. Eine konkrete Antwort in Bezug auf dieses
  608. Vorhaben müssen wir Ihnen daher leider zu diesem Zeitpunkt schuldig
  609. bleiben. </p>
  610. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Grundsätzlich
  611. begrüßen wir europäische und deutsche Standardisierungssysteme, die zum
  612. Ziel haben, die reguläre Nutzung von de-facto-Standards und nicht nur
  613. internationalen Normen zulassen. Die Förderung des Wettbewerbs durch Offene
  614. Standards im Softwarebereich erfordert eine Lizenzierung ohne Restriktionen
  615. und Lizenzgebühren. Auch im Rahmen der Enquete-Kommission "Internet und
  616. digitale Gesellschaft", die sich intensiv mit dieser Problematik in einer
  617. eigenen Projektgruppe auseinandergesetzt hat, haben wir uns dafür
  618. ausgesprochen, dass sich die öffentliche Verwaltung zur Förderung der
  619. Interoperabilität und Zukunftsfähigkeit ihrer IT-Systeme konsequent auf den
  620. Einsatz offener Standards verpflichtet, um bei der Weiterentwicklung der
  621. Systeme nicht von den Interessen einzelner Marktteilnehmer abhängig zu
  622. sein. Eine solche Abhängigkeit gegenüber wenigen großen Anbietern sehen wir
  623. als durchaus problematisch an. Daher sollten unseres Erachtens
  624. ebenenübergreifend Mindestanforderungen definiert und Empfehlungen von
  625. einzusetzenden IT-Standards und -Spezifikationen ausgesprochen werden.
  626. Grundsätzlich ist die zwar späte aber richtige Öffnung zu offenen Standards
  627. ein richtiger Schritt und angesichts der vielen de facto Standards, die
  628. nicht durch internationale Normen festgelegt werden, überfällig. Dies ist
  629. auch ein Erfolg der Initiative OpenSAGA. </p>
  630. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE
  631. befürwortet die Standardisierungsinitiative SAGA, die seit November 2011 in
  632. der Version 5 bei der Software-Beschaffung und Software-Entwicklung in der
  633. Bundesverwaltung verpflichtend zur Anwendung kommt. Allerdings sehen wir
  634. auch, dass restriktions- und lizenzkostenfreie Spezifikationen zur
  635. Förderung offener Standards keinen Automatismus zur vermehrten
  636. Implementierung von freier Software bedeuten. Hierzu sind der aktive
  637. politische Wille und ein initiatives Handeln der Bundesregierung
  638. erforderlich. </p>
  639. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Die Piratenpartei
  640. unterstützt die Nutzung offener Standards und freier Formate. Die freie und
  641. andauernde Verwendung von Daten jeder Art durch alle Nutzerinnen mit
  642. Systemen ihrer Wahl kann nur erfolgen, wenn diese Daten in einem Format
  643. vorliegen, das den Kriterien eines Offenen Standards entspricht. Ähnlich
  644. ist es bei der Zusammenarbeit verschiedener  technischer Systeme. Diese
  645. sind nur dann bei gleicher Funktionalität  austauschbar, wenn ihre
  646. Schnittstelle ein Offener Standard ist. So wird die Abhängigkeit von
  647. einzelnen Herstellern verringert und ein freier Wettbewerb technischer
  648. Lösungen möglich.<br />
  649. Grundsätzlich unterstützt auch SAGA diese Forderungen. Allerdings wird hier
  650. die Nutzung offener Standards und freier Software nicht verbindlich
  651. festgeschrieben, so ist etwa ODF lediglich ein empfohlenes Format. Dies
  652. führt dazu, dass in der Verwaltungspraxis immer noch unfreie Software und
  653. nicht-offene Formate eingesetzt werden können. SAGA verkommt so zum
  654. "Papiertiger". Im Rahmen des OpenSAGA-Projektes wird derzeit eine Open
  655. Source-Implementation eines Frameworks für SAGA-konforme Webanwendungen
  656. entwickelt. Solche Entwicklungen möchten wir unterstützen und fördern.
  657. </p>
  658. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Ja, die SPD-Fraktion hat die
  659. Bundesregierung seit vielen Jahren aufgefordert, verstärkt auf Offene
  660. Standards zu setzen. Eine Lizenzierung ohne Restriktionen und
  661. Lizenzgebühren, wie von der Projektgruppe SAGA der Bundesregierung
  662. vereinbart, ist zur Förderung des Wettbewerbs durch Offene Standards
  663. richtig und wichtig. </p>
  664. <p class="question"> <strong>7. </strong> Manche Behörden machen noch immer
  665. auf ihren Webseiten Werbung für eine spezielle unfreie Software, z.B. in
  666. Form von Adobe Reader, obwohl es mehrere freie Alternativen gibt. Der
  667. Migrationsleitfaden der Bundesregierung empfiehlt auch auf andere
  668. PDF-Betrachter zu verweisen und beispielsweise unsere Textbausteine zu
  669. verwenden. Was ist Ihre Meinung zu dieser Form von Werbung für unfreie
  670. Software und was werden Sie diesbezüglich unternehmen? </p>
  671. <p class="answer cdu"><strong>CDU/CSU:</strong> Adobe Reader ist derzeit
  672. der Standard und stellt sicher, dass es keine Probleme bei der Anzeige der
  673. entsprechenden Dokumente gibt. Wenn ein solcher Hinweis der
  674. Benutzerfreundlichkeit dient, kann er durchaus sinnvoll sein. </p>
  675. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Wir Liberale unterstützen den
  676. freien Wettbewerb. Dazu gehört auch, dass staatliche Stellen einzelnen
  677. Anbietern oder bestimmten Softwarearten keine Wettbewerbsvorteile
  678. verschaffen. Hier gilt es, das Bewusstsein bei der öffentlichen Verwaltung
  679. dafür zu steigern, dass es auch freie Alternativen gibt, die die
  680. Kommunikation mit dem Bürger erleichtern. Wir werden uns daher weiter dafür
  681. einsetzen, dass der Migrationsleitfaden der Bundesregierung verstärkt zur
  682. Anwendung kommt. </p>
  683. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Spätestens seit
  684. der Integration von weiteren Programmen, die teilweise sogar ungefragt über
  685. Updates des Adobe Readers installiert wurden, können wir diese Software
  686. nicht mehr empfehlen. Konkrete Maßnahmen ließen sich über unseren Einfluss
  687. in diversen Kommunen einleiten. </p>
  688. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Ein freier,
  689. offener und barrierefreier Zugang für Bürgerinnen und Bürger zu öffentlich
  690. finanzierten Informationen muss gerade von der Bundesregierung eingelöst
  691. werden. Die GRÜNE Bundestagsfraktion hat anlässlich des Document Freedom
  692. Day eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Mit der Anfrage
  693. "Werbung für proprietäre Software auf Seiten von Bundesministerien und der
  694. öffentlichen Verwaltung" (Drucksache 17/8951) haben wir genau auf diesen
  695. Missstand aufmerksam gemacht. Aus unserer Sicht ist es nicht hinnehmbar,
  696. dass BürgerInnen auf Seiten zahlreicher Ministerien zur Nutzung von
  697. proprietären PDF-Lesern gezwungen werden. Ziel unserer Kleinen Anfrage war
  698. es daher unter anderem, von der Bundesregierung zu erfahren, auf wie vielen
  699. Seiten nach wie vor Werbung für die Firma Adobe zu finden ist, welche
  700. Versionen des PDF-Standards größtenteils verwendet werden und welche
  701. Schritte die Bundesregierung unternehmen wird, um derartige Werbung für
  702. proprietäre Angebote in Zukunft zu unterbinden. Des Weiteren haben wir die
  703. Bundesregierung auf die heute zur Verfügung stehenden, zahlreichen
  704. Alternativen zu proprietären Angeboten aufmerksam gemacht. In
  705. Zusammenarbeit mit der Free Software Foundation haben wir die Antworten auf
  706. die Kleine Anfrage kollaborativ ausgewertet und freuen uns sehr, dass es
  707. gemeinsam gelungen ist, dieses wichtige Thema auf die politische Agenda zu
  708. heben. So haben verschiedene Ministerien die Seiten mittlerweile überprüft,
  709. sich auch der IT-Planungsrat dem Thema angenommen und es wurden weitere
  710. Verbesserungen im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer sowie eine vermehrte
  711. Nutzung freier Software erreicht. </p>
  712. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE. setzt
  713. sich dafür ein, dass Behörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene auf
  714. Werbung für unfreie Software verzichten. Stattdessen sollen die Nutzerinnen
  715. und Nutzer auf alternative Angebote freier Software hingewiesen werden. Aus
  716. Gründen der Praktikabilität und der weiten Verbreitung proprietärer
  717. Software sollten Alternativen zunächst zumindest gleichwertig beworben
  718. werden. Um einen solchen Umdenkprozess einzuleiten, sind in Politik und
  719. Verwaltung das Verständnis für freie Software und eine veränderte
  720. Verwaltungspraxis zu befördern. Die Durchführung von Schulungen, die
  721. Erstellung und Vermittlung von Best-Practice-Richtlinien sowie die
  722. Ausstattung des KompetenzzentrumsOpen Source Software beim
  723. Bundesverwaltungsamt mit ausreichenden Finanzmitteln bilden dazu eine
  724. Grundlage. </p>
  725. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Die Piratenpartei
  726. fordert, alle Daten und Informationen in offenen Formaten bereitzustellen.
  727. Für solche Formate wird keine unfreie Software benötigt, ein Hinweis darauf
  728. erübrigt sich somit. Wo möglich sollte dem Bürger immer die Wahl gelassen
  729. werden, für welche Software er sich entscheidet. So wird auch eine
  730. Verzerrung des Wettbewerbs vermieden. Dies kann mittels Gesetzen oder
  731. Verordnungen festgeschrieben werden. </p>
  732. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Das Portable Document Format
  733. (PDF) ist ein wichtiger Standard und ein beliebtes Format für den Austausch
  734. formatierten Textes und ähnlicher Inhalte. Es ist nicht die Aufgabe von
  735. Behörden, Werbung für ein einziges Programm zu machen, zumal es eine
  736. Vielzahl von PDF-Versionen gibt, die auf Offenen Standards basieren. Von
  737. daher sollten Behörden nicht nur auf einen Anbieter verweisen, sondern auch
  738. auf Freie Softwareangebote hinweisen. Damit können die Bürgerinnen und
  739. Bürger erkennen, dass es mehrere Alternativen von proprietären und freien
  740. Softwareangeboten gibt und sich für eine Version entscheiden. Dies würde
  741. zugleich einen wichtigen Beitrag zum Wettbewerb zwischen den Systemen
  742. leisten. </p>
  743. <p class="question"> <strong>8. </strong>Immer mehr Unternehmen
  744. Missbrauchen die Bezeichnung Freie Software/Open Source um ihre proprietäre
  745. Software besser zu vermarkten. Welche Möglichkeiten sehen sie Verbraucher,
  746. Unternehmen und die öffentliche Verwaltung vor Unternehmen zu schützen, die
  747. proprietäre Software unter dem Label "Freie Software" oder "Open Source"
  748. vermarkten? </p>
  749. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Dazu ist vor allem
  750. wichtig, dass der Interessent bei der Prüfung eines Angebots sehr genau
  751. darauf achtet, ob es sich tatsächlich um Freie Software handelt. Dazu
  752. gehört sowohl das notwendige Wissen als auch die entsprechende Kompetenz,
  753. entsprechende Unterschiede zu erkennen. Auch den Verbrauchern müssen wir
  754. vermitteln, was Freie Software bedeutet und was sie auszeichnet. Die FSFE
  755. ist hierfür ein wichtiger Ansprechpartner. Wissen und Medienkompetenz
  756. bilden hier die Grundlage für den Verbraucherschutz. </p>
  757. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Für uns Liberale sind
  758. Verbraucher mündige Bürger, denen alle Informationen an die Hand gegeben
  759. werden muss, um eine aufgeklärte Entscheidung treffen zu können. Hierbei
  760. stellt Software keine Ausnahme dar. Zukünftig muss klar sein, dass nur die
  761. Software, die die vier Grundfreiheiten (1. die Freiheit, das Programm für
  762. jeden Zweck zu verwenden; 2. die Freiheit, das Programm zu untersuchen und
  763. an die individuellen Bedürfnisse anzupassen; die Offenlegung des Quellcodes
  764. ist dafür unabdingbar; 3. die Freiheit, Kopien des Programms
  765. weiterzugeben; 4. die Freiheit, das Programm zu verändern und diese
  766. veränderte Version zu veröffentlichen;die Offenlegung des Quellcodes ist
  767. dafür unabdingbar) erfüllt, sich auch Freie Software nennen sollte. Einen
  768. markenrechtlichen Schutz des Begriffs halten wir hier nicht für sinnvoll.
  769. Zum Schluss ist die Bezeichnung eines Produktes eine unternehmerische
  770. Entscheidung, die von den Verbrauchern wiederum belohnt oder auch bestraft
  771. wird. </p>
  772. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Sofern es sich
  773. um Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht handelt, können diese bereits jetzt
  774. zur Anzeige gebracht werden. Für eine Verschärfung des Rechts an dieser
  775. Stelle sehen wir derzeit keine Veranlassung. </p>
  776. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Wir sehen durchaus
  777. das große Problem der missbräuchlichen Nutzung der kaum fest definierten
  778. Begriffe "Freie Software" und "Open Source". Da dies durchaus allgemein
  779. sicherheitsrelevante, aber auch verbraucherrelevante Probleme implizieren
  780. kann, ist eine Vergabe von Siegeln, analog zur Idee von Datenschutzsiegeln
  781. eine mögliche Lösung. Die schwarz-gelbe Regierung hat allerdings beim
  782. Datenschutzsiegel eine seriöse Auditierung durch die viel zu schwachen
  783. Befugnisse und geringe finanzielle und personelle Ausstattung der Stiftung
  784. Datenschutz an die Wand gefahren, so dass die Landesdatenschützer und der
  785. Bundesbeauftragte für den Datenschutz von einer Beteiligung im Aufsichtsrat
  786. abgesehen haben Gerade der Free Software Foundation und anderen
  787. zivilgesellschaftlichen Organisationen sollte es verstärkt ermöglicht
  788. werden, über die Bedeutung, Unterschiede, Vorteile und Echtheit von "Freier
  789. Software" und "Open Source" zu informieren. </p>
  790. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> Aus unserer Sicht
  791. kann gegen ein solches Geschäftsgebaren bereits heute vorgegangen werden.
  792. Der Rechtsrahmen wird insbesondere durch die Unionsrichtline über unlautere
  793. Geschäftspraktiken bzw. das deutsche Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
  794. vorgegeben. Allerdings kann proprietäre Software bekanntlich
  795. Open-Source-Software beinhalten, sofern die entsprechenden, strengen
  796. Bedingungen eingehalten werden. Wir setzen zudem auf eine Aufklärung der
  797. Nutzerinnen und Nutzer und unterstützen mit unserer Politik einen
  798. selbstbewussten Umgang mit IT. </p>
  799. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Unter freier
  800. Software wird der Verbraucher üblicherweise eine Software verstehen, die
  801. allen Menschen ohne Gegenleistung die folgenden vier Rechte einräumt: Die
  802. Software zu jedem Zweck zu benutzen. Die Software zu untersuchen und zu
  803. verändern. Die Software zu verbreiten. Die Software zu verbessern und
  804. diese Verbesserungen zu verbreiten, um damit einen Beitrag für die
  805. Gesellschaft zu leisten.<br />
  806. Diese Rechte können an die Bedingung gebunden sein, dass veränderte und
  807. verbesserte Versionen wiederum als freie Software veröffentlicht werden
  808. müssen. Wenn ein Software-Hersteller mit der Bezeichnung "Open Source"
  809. oder "freie Software" Werbung für ein Produkt macht, an dem er diese Rechte
  810. nicht oder nicht vollständig einräumt, so ist dies eine irreführende und
  811. damit missbräuchliche Verwendung der Begriffe. Um solchen
  812. Geschäftspraktiken Einhalt zu gebieten, fordern wir Piraten, das
  813. Verbandsklagerecht für staatlich anerkannte Stellen auf den Bereich des
  814. Verbraucherschutzes zu erweitern, um eine Rechtsfrage verbindlich für alle
  815. betroffenen Verbraucher zu klären. </p>
  816. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Hier muss geprüft werden, ob
  817. es sich um irreführende Werbung handelt – dann gibt es bereits nach dem
  818. bestehenden Recht Möglichkeiten, sich gegen diese Form des unlauteren
  819. Wettbewerbs zu wehren. Wir werden prüfen, ob es hier gesetzgeberischen
  820. Handlungsbedarf gibt, um zu verhindern, dass Anbieter von proprietärer
  821. Software aufgrund irreführender Werbung oder falscher Kennzeichnung ihre
  822. Produkte unter dem Label Freie Software oder Open Source vermarkten. </p>
  823. <p class="question"> <strong>9. </strong> Software fällt in Deutschland
  824. unter das Urheberrecht und wird, wie Literatur auch, vom Patentrecht
  825. ausgeschlossen. Trotzdem werden weiterhin Softwarepatente von Patentämtern
  826. erteilt und Patentstreitigkeiten auch in Deutschland vor Gericht gebracht.
  827. Was ist Ihre Position zu Software-Patenten und wie planen Sie diese
  828. durchsetzen? </p>
  829. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Wir sehen diese
  830. Patentstreitigkeiten als äußerst unerfreulich. Deshalb gibt es dazu auch
  831. einen entsprechenden Antrag fast aller Fraktionen im Deutschen Bundestag,
  832. der darauf abzielt, Softwarepatente effektiv zu begrenzen. Wenn
  833. Computerprogramme urheberrechtlich geschützt sind, darf dieser Schutz nicht
  834. durch Patentierung einzelner Teile einer Software eingeschränkt werden.
  835. </p>
  836. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Auf Initiative unserer
  837. Fraktion im Deutschen Bundestag wurde im April zusammen mit Union, SPD und
  838. den Grünen ein Antrag gefordert mit dem Titel "Wettbewerb und
  839. Innovationsdynamik im Softwarebereich sichern - Patentierung von
  840. Computerprogrammen effektiv begrenzen" eingebracht. Hierin wird die
  841. Eindämmung von Softwarepatenten gefordert, da softwarebasierte Lösungen
  842. bereits durch das Urheberrecht geschützt und insbesondere Trivialpatente
  843. nicht mehr nötig sind. Patente hindern hier vor allem Innovation, wovon
  844. insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sind hiervon betroffen sind.
  845. Unsere Fraktion im Deutschen Bundestag ist optimistisch, dass der Antrag
  846. noch in dieser Legislatur in der dritten Lesung verabschiedet werden
  847. kann.</p>
  848. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Die
  849. Patentierung von Software sollte nach Meinung der FREIEN WÄHLER auf ein
  850. absolut notwendiges Minimum beschränkt werden. Vorteile im Wettbewerb
  851. sollten nicht durch die Rechtsabteilungen geschaffen werden, sondern durch
  852. Innovation. Nur dadurch ist gewährleistet, dass auch unsere Gesellschaft
  853. sich weiterentwickelt. </p>
  854. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Das deutsche
  855. Patentgesetz (PatG) und das Europäische Patentübereinkommen tragen der
  856. Schutzregelung von Software über das Urheberrecht Rechnung, indem sie
  857. Computerprogramme "als solche" vom Patentschutz ausnehmen. In der Realität
  858. werden jedoch häufig durch global agierende Unternehmen mit großen -
  859. oftmals auf Patentrechte spezialisierten - Rechtsabteilungen immer wieder
  860. Patente auf Softwarelösungen erfolgreich angemeldet, wodurch es
  861. innovativen, jungen Unternehmen beinahe verunmöglicht wird, sich am Markt
  862. zu etablieren. Als GRÜNE plädieren wir seit Jahren auf nationaler und
  863. europäischen Ebene für eine gesetzliche Klarstellung, die die Interessen
  864. wieder ins Gleichgewicht bringt und Innovation ermöglicht statt verhindert.
  865. Auch in unserem Wahlprogramm 2013 sprechen wir uns erneut gegen eine immer
  866. weiter ausufernde Patentierung von Software aus. Der interfraktionell
  867. soeben im Bundestag vorgelegte Antrag, den wir als GRÜNE in enger
  868. Kooperation mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren weiter
  869. verbessern konnten, ist vor diesem Hintergrund ein sehr erfreuliches
  870. Signal, dem nun jedoch weitere Schritte folgen müssen. </p>
  871. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE. lehnt
  872. Patente auf „computerimplementierte Erfindungen“ ab. Ist schon der
  873. urheberrechtliche Schutz für Software problematisch, so würde ein
  874. Patentschutz noch viel weiter reichen, da damit nicht konkrete
  875. Gestaltungen, sondern Ideen und ihre technische Umsetzung geschützt wären.
  876. Es würde somit für die Dauer des Patents unmöglich, auf diese Ideen
  877. aufzubauen und sie weiterzuentwickeln. Deshalb hat die Europäische Union
  878. sich 2005 gegen die Einführung eines Software-Patentschutzes für Europa
  879. entschieden. Zu Recht, dennwährend große Konzerne durch die verbreitete
  880. Praxis gegenseitiger Lizenzierungen sicherstellen können, dass sie Zugang
  881. zu allen Patenten bekommen, die sie selbst benötigen, stellen Patente für
  882. unabhängige Entwickler und kleine Unternehmen oft eine große Hürde und
  883. damit ein Innovationshemmnis dar. Trotzdem erteilt das Europäische
  884. Patentamt häufig Patente für Software zu vergeben, weil das Gebot der
  885. „Technizität“ von Erfindungen sehr weit ausgelegt wird. . Wir wollen diesen
  886. Begriff im europäischen und deutschen Patentrecht deutlich verengen und
  887. präzisieren, um auf diese Weise eine Patentierung von Software
  888. auszuschließen. </p>
  889. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Generell sind ein
  890. Abbau von Monopolen und eine Öffnung der Märkte erklärtes politisches Ziel
  891. unserer Partei. Patente als staatlich garantierte Monopole stellen
  892. grundsätzlich eine künstliche Einschränkung der allgemeinen Wohlfahrt dar,
  893. die einer ständigen Rechtfertigung und Überprüfung bedarf. Da Software
  894. bereits durch das Urheberrecht geschützt wird, ist eine Patentierung
  895. unnötig und auch schädlich. <br />
  896. Patentierung von Trivialitäten oder sogar die Blockierung des Fortschritts
  897. durch Patente soll unter allen Umständen verhindert werden. Diese Gefahr
  898. sehen wir aber bei Softwarepatenten in besonderem Maße, da ihre Einführung
  899. beispielsweise in den USA zu einer Schwemme von Trivialpatenten geführt
  900. hat, was eine noch stärkere Konzentration auf einige wenige IT-Giganten zur
  901. Folge hatte. <br />
  902. Ein weiterer Grund ist der sehr kurze Innovationszyklus bei Software.
  903. Dadurch sind herausragende Innovationen oft schon Trivialitäten, noch bevor
  904. die Patentlaufzeit von 20 Jahren auch nur zur Hälfte abgelaufen ist. <br />
  905. Die Softwarebranche ist durch sehr geringe Kapitalanforderungen und eine
  906. hohe Bedeutung von Innovationen gekennzeichnet. Dies führt dazu, dass auch
  907. sehr kleine Firmen wichtige technologische Innovationen leisten können.
  908. Dies ist etwa bei Youtube, Google, Amazon und Ebay der Fall gewesen.
  909. Softwarepatente führen hier dazu, dass etablierte Konzerne ein
  910. unüberschaubares Drohpotential aufbauen können, um kleine und mittlere
  911. Unternehmen aus dem Markt herauszuhalten. <br />
  912. Zudem sehen wir in Softwarepatenten eine erhebliche Gefahr für die
  913. Entwicklung freier Software, da Patente mit diesem Entwicklungsmodell
  914. unvereinbar sind. Dadurch könnten Anbieter proprietärer Software Open
  915. Source-Konkurrenten durch juristische Drohungen statt bessere Produkte
  916. bedrängen.</p>
  917. <div class="answer spd">
  918. <p><strong>SPD:</strong> Ende April haben die
  919. Fraktionen der CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen einen
  920. interfraktionellen Antrag „Wettbewerb und Innovationsdynamik im
  921. Softwarebereich sichern – Patentierung von Computerprogrammen effektiv
  922. begrenzen“ (BT-Drs. 17/13086) in den Deutschen Bundestag eingebracht, mit
  923. dem die Bundesregierung aufgefordert wird, Softwarepatente effektiv zu
  924. begrenzen und zu gewährleisten, dass Computerprogramme grundsätzlich
  925. urheberrechtlich geschützt bleiben und dieser Schutz nicht durch die
  926. Erteilung von Patenten auf bestimmte Softwarekomponenten ausgehebelt
  927. werden darf. <br />
  928. Mit diesem Antrag erneuert und bekräftigt der Bundestag die Forderungen,
  929. die er bereits im Jahre 2005 im Rahmen eines interfraktionellen Antrags
  930. (Drs. 15/4403) für die Wiederherstellung der Rechtssicherheit für
  931. Softwareentwickler erhoben hat. <br />
  932. Mit dem Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert,
  933. </p>
  934. <ul>
  935. <li> zu gewährleisten, dass die wirtschaftlichen Verwertungsrechte des Softwarewerkes im Urheberrecht geschützt bleiben und nicht durch Softwarepatente Dritter leerlaufen; </li>
  936. <li> sicherzustellen, dass Softwarelösungen auf dem Gebiet der reinen Datenverarbeitung, der softwarebasierten Wiedergabe von Informationen und von programmgestützten Steuerungsaufgaben ausschließlich urheberrechtlich geschützt werden und dass darüber hinaus kein Patentschutz für abstrakte Lösungen auf diesen Gebieten gewährt wird; </li>
  937. <li> Nutzungs- und Verbotsrechte für softwarebasierte Lösungen weiterhin urheberrechtlich zu regeln;</li>
  938. <li> den patentrechtlichen Schutz auf softwareunterstützbare Lehren zu beschränken, bei denen das Computerprogramm lediglich als austauschbares Äquivalent eine mechanische oder elektromechanische Komponente ersetzt, wie z.B. eine softwarebasierte Waschmaschinensteuerung ein elektromechanisches Programmschaltwerk aus drehbaren Walzen, die Steuerungsschaltkreise für einzelne Waschprogrammschritte aktivieren, ersetzen kann;</li>
  939. <li> das Urheberrecht zu wahren, damit der Softwareentwickler sein Werk auch unter Open Source-Lizenzbedingungen rechtssicher veröffentlichen kann.</li>
  940. </ul>
  941. Darüber hinaus fordert der Deutsche Bundestag hinsichtlich einer etwaigen neuen Initiative zu einer Reform des Urheber- oder Patentrechts auf europäischer Ebene die Bundesregierung auf,
  942. <ul>
  943. <li>darauf hinzuwirken, dass die Definition des technischen Beitrags möglichst konkret gefasst und eine Definition des Begriffs „Technik“ aufgenommen wird. Durch die Definition muss sichergestellt werden, dass Computerprogramme als solche, Geschäftsmethoden und Algorithmen nicht patentiert werden können; damit soll der patentrechtliche Schutz auf softwareunterstützbare Lehren beschränkt werden, bei denen das Computerprogramm lediglich als austauschbares Äquivalent eine mechanische oder elektromechanische Komponente ersetzt;</li>
  944. <li> darauf hinzuwirken, dass ein möglichst umfassendes patentrechtliches Interoperabilitätsprivileg europaweit normiert wird;</li>
  945. <li> sich dafür einzusetzen, dass alternative Entwicklungskonzepte wie insbesondere Open Source-Projekte durch patentrechtliche Bestimmungen möglichst nicht beeinträchtigt werden;</li>
  946. <li> sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, eine unabhängige wissenschaftliche Evaluierung der Entscheidungspraxis der Patentämter, insbesondere des EPA, durchzuführen;</li>
  947. <li> darauf hinzuwirken, dass Abweichungen in der Erteilungspraxis zwischen dem EPA und den nationalen Patentämtern unterbleiben und Erteilungen von Patenten für softwareunterstützbare Lehren vermieden werden.</li>
  948. </ul>
  949. </div>
  950. <p class="question"> <strong>10. </strong> Haben Sie darüber hinaus vor, in
  951. anderen Bereichen Freie Software zu fördern? Wenn ja: wie? </p>
  952. <p class="answer cdu"> <strong>CDU/CSU:</strong> Wir sind beispielsweise
  953. dafür, in Schulen und Universitäten sogenannte Serious Games einzusetzen.
  954. Hier ist zu überlegen, ob dies nicht auch unter freien Lizenzen geschehen
  955. kann. </p>
  956. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Wir wollen vor allem im
  957. Bildungsbereich mehr auf Freie Software setzen. Dazu gehört zum einen, dass
  958. Kinder und Jugendliche in der Schule mehr an das Programmieren herangeführt
  959. werden, beispielsweise durch spezielle Kurse und Arbeitsgemeinschaften.
  960. Weiterhin gehört dazu, dass bei Anschaffung von neuen Lernmitteln darauf
  961. geachtet wird, dass diese plattformunabhängig eingesetzt werden können. Nur
  962. so können bereits frühere Abhängigkeiten von bestimmten Systemen vermieden
  963. werden. </p>
  964. <p class="answer colorless"> <strong>Freie Wähler:</strong> Als
  965. IT-Beauftragter der FREIEN WÄHLER bin ich dabei, eine Initiative
  966. vorzubereiten, die sich mit der Bereitstellung von Software und
  967. Dienstleistungen im kommunalen Bereich beschäftigt. Zielstellung ist es, ein
  968. Angebotspaket zu entwickeln, welches am Markt klare preisliche Vorteile
  969. gegenüber lizensierten Modellen bietet. Über unsere kommunale Verankerung
  970. könnten wir dieses dann den einzelnen Gemeinden vorstellen. </p>
  971. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Neben einer
  972. konsequenten Ausschreibepraxis für von öffentlichen Geldern finanzierter
  973. Software, die Etablierung von offenen Standards und Schnittstellen auch für
  974. private Stellen, möchten wir als GRÜNE das allgemeine Bewusstsein für und den
  975. souveränen Umgang mit freier und offener Software stärken. Ein breiter und
  976. kompetenter Umgang mit freier und offener Software stärkt die Unabhängigkeit
  977. der Bürgerinnen und Bürger und ihre Selbstbestimmung als mündige
  978. Verbraucherinnen und Verbraucher. Im Zuge der Diskussion um Datensicherheit
  979. und sogenannte Bedrohungen durch "Cybercrime", einen Begriff, den wir selbst
  980. aufgrund seiner Unklarheit ablehnen, haben wir immer wieder auf den Nutzen
  981. freier und offener Software und eine durch ihren Einsatz verringerte
  982. Vulnerabilität hingewiesen. Vor diesem Hintergrund haben wir auch darauf
  983. hingewiesen, dass wir die Rückabwicklung wichtiger Leuchtturmprojekte in
  984. diesem Bereich für höchst kontraproduktiv halten. Zudem haben wir als GRÜNE
  985. versucht, mit gutem Beispiel voranzugehen und haben den Quellcode der von uns
  986. in dieser Legislatur entwickelte Bürgerbeteiligung Software "betatext" der
  987. Allgemeinheit zu weiteren Verwendung zur Verfügung steht. </p>
  988. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> Ja, vorrangig in
  989. einem übergeordneteren Rahmen: DIE LINKE. will Commons basierte,
  990. selbstverwaltete, nichtkommerzielle und öffentliche Alternativen zu
  991. Mainstream-Angeboten in Form von freier Software, offenen Technologien sowie
  992. dezentralisierten Infrastrukturen, aber auch unabhängigen Blogs und
  993. selbstbestimmten sozialen Medien fördern. Wir wollen weiter diskutieren, wie
  994. Formen von bedarfsorientierter, demokratisch organisierter und solidarischer
  995. Produktion und Nutzung unterstützt werden können und welche Bedeutung den
  996. Commons und der Gemeingüterwirtschaft – wozu wir auch freie Software zählen –
  997. dabei zukommt. Finanzierungsvorschlägen, dazu einen Teil der Rundfunkbeiträge
  998. umzuwidmen, stehen wir positiv gegenüber. </p>
  999. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Wir werden uns auf
  1000. europäischer und internationaler Ebene für die Verwendung und Festschreibung
  1001. offener Standards und freier Software einsetzen. Wirtschaftspolitik spielt
  1002. sich zunehmend international ab. Dies macht eine zumindest europaweit
  1003. verbindliche Regelung zugunsten offener Standards notwendig. </p>
  1004. <p class="answer spd"> <strong>SPD:</strong> Ohne Freie Software (häufig auch
  1005. als Open Source Software bezeichnet) wäre das heutige Internet undenkbar.
  1006. Viele Web-Projekte sind nur möglich, weil Software vorhanden ist, die
  1007. weiterverwendet und weiterentwickelt werden durfte. Freie Software bietet dem
  1008. Nutzer einige Rechte, beispielsweise die beliebige Nutzung, Modifikation und
  1009. Weitergabe der Software. Software unter freien Lizenzen hat oftmals weniger
  1010. Fehler als proprietäre Software und der Einsatz ist in der Regel
  1011. kostengünstiger als der proprietärer Konkurrenzprodukte. Allerdings gibt es
  1012. nicht in jedem Bereich entsprechende Alternativen, beispielsweise bei
  1013. spezialisierter Branchensoftware. <br />
  1014. Notwendig sind offene Standards, die eine Lizenzierung ohne Restriktionen und
  1015. Lizenzgebühren ermöglichen (siehe auch Antwort zu SAGA). Denn nur damit ist
  1016. es möglich, diese Standards auch in Freier Software zu implementieren –
  1017. andernfalls bleiben diese proprietärer Software vorbehalten und können u.U.
  1018. nicht ohne weiteres beispielsweise in Linux genutzt werden.<br />
  1019. Aus unserer Sicht muss die öffentliche Verwaltung verstärkt auf Freie
  1020. Software setzen. Neuentwicklungen sollten zudem plattformunabhängig (siehe
  1021. auch Antwort zu Elsterformular) sein, also unter verschiedenen
  1022. Betriebssystemen laufen, so dass hier zukünftig die enge Bindung an einen
  1023. einzelnen Hersteller entfallen kann. Zudem sprechen wir uns für eine
  1024. weitestgehende Gerätehoheit aus: So sollen Nutzerinnen und Nutzer das Recht
  1025. haben, auf ihrer Hardware beliebige Software zu installieren. Um Freie
  1026. Software benutzerfreundlicher zu machen, schlagen wir zudem vor, Fördermittel
  1027. für Usability-Analysen und die Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit bei
  1028. ausgewählten Projekten bereit zu stellen.<br />
  1029. In der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft haben wir
  1030. entsprechende Handlungsempfehlungen vorgeschlagen, die allerdings oft keine
  1031. Zustimmung der Regierungskoalition fanden und von daher als Sondervotum
  1032. eingebracht wurden.</p>
  1033. <h2>Generelle Antworten</h2>
  1034. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen: (Einleitung bei den
  1035. Antworten)</strong> Als GRÜNE rücken wir seit langem Wirtschaftsmodelle
  1036. in den Fokus, die sich unserem Ziel einer offenen Wissensgesellschaft
  1037. besonders verpflichtet fühlen. Open Business Modelle und sozial-ökologische
  1038. Geschäftsideen setzen auf den Ansatz des Teilens, der Offenheit und des
  1039. Miteinanders und tragen somit außerordentlich zu einem Wohlstandsgewinn für
  1040. alle bei. Die Zeit der Abschottung muss überwunden werden. Wir streiten für
  1041. Offenheit statt Patentkriege und unterstützen freie und offene Software
  1042. (FOSS) auf allen Ebenen, da die Nutzung entsprechender Angebote auch ein
  1043. politisches Statement für Offenheit und gegen Monopole ist. Für unsere
  1044. Internetwirtschaft sollten daher die Rechte der NutzerInnen besonders im
  1045. Fokus stehen. Datenschutz und gelebte VerbraucherInnenrechte sind hierbei
  1046. ganz zentrale Punkte. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich daher für offene
  1047. Standards, die ein reibungsloses Zusammenspiel verschiedener Software
  1048. (Interoperabilität) ermöglichen und ein Verbot von Softwarepatenten ein.
  1049. Wir lehnen die Patentfähigkeit von softwarebezogenen Lösungen ab. Dies gilt
  1050. für Software, softwarebasierte Verfahren sowie für neue Eigenschaften von
  1051. Computern, wenn diese augenscheinlich nur durch ein neues Programm bewirkt
  1052. werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die Urheberrechte der
  1053. ProgrammiererInnen vor der wirtschaftlichen Entwertung durch
  1054. Patentansprüche Dritter geschützt werden. Wir fordern daher, die Erteilung
  1055. von softwarebezogenen Patenten zu verbieten, sowie ihre rechtliche
  1056. Durchsetzbarkeit im Verletzungsprozess zu unterbinden. </p>
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