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201309-germany-bavaria.de.xhtml 73KB

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  2. <html>
  3. <head>
  4. <title>Bayern (Deutschland) - Landtagwahl 2013</title>
  5. </head>
  6. <body>
  7. <p id="category"><a href="/campaigns/askyourcandidates/askyourcandidates.html">Befragen Sie Ihre Kandidaten</a></p>
  8. <h1>Bayern (Deutschland) - Landtagswahl 2013</h1>
  9. <h2>Antworten der Parteien</h2>
  10. <p>Vorbemerkung: die Landesverbände der FDP sowie der Linken haben uns die
  11. gleichen Antworten wie die jeweilige Bundespartei <a
  12. href="https://fsfe.org/campaigns/askyourcandidates/201309-germany-bundestagswahl.en.html">zu
  13. unserer Bundestagswahl-Befragung</a> geschickt. Die CSU hat uns die
  14. gleichen Antworten wie zur Bundestagswahl geschickt. Die Grünen haben uns
  15. geschrieben, dass sie die Antworten zusammen mit dem Bundesverband
  16. bearbeitet haben und die Piratenpartei hat darauf hingeweisen, dass viele
  17. Antworten gleich wie die Bundespartei sind, insbesondere Themen zur
  18. Bundesregierung.</p>
  19. <p class="question"><strong>1. </strong>Sollte Ihrer Meinung nach durch die von
  20. öffentlicher Hand beauftragte und finanzierte Software grundsätzlich Freie
  21. Software sein, da sie von der Allgemeinheit finanziert wurde? Wenn ja: Mit
  22. welchen Maßnahmen und in welchem Zeitrahmen planen Sie diese Forderungen bei
  23. einer Regierungsbeteiligung umzusetzen? Wenn nicht: Aus welchen Gründen lehnen
  24. Sie es ab, dass diese Software wieder der Allgemeinheit vollumfänglich zur
  25. Verfügung gestellt wird? </p>
  26. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Wir treten
  27. für einen verstärkten Einsatz von Open-Source-Produkten in der öffentlichen
  28. Verwaltung ein und werden das mit Hilfe von Anträgen und Initiativen
  29. forcieren. Das geschieht bereits in den kommunalen Parlamenten, wo die
  30. Bayernpartei vertreten ist. In München, wo wir 2008 in den Stadtrat gewählt
  31. wurden, wird seit einigen Jahren fast ausschließlich Freie Software
  32. verwendet. </p>
  33. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Der Einsatz von freier Software
  34. in der öffentlichen Verwaltung ist an vielen Stellen sinnvoll. Bei der
  35. Weitergabe von Freier Software, die speziell für die Verwaltung erstellt
  36. wurde und zur Veröffentlichung oder aber Weiterentwicklung beispielsweise
  37. an Dritte gegeben werden soll, bestehen derzeit jedoch haushaltsrechtliche
  38. Hürden (§ 63 Abs. 2 BHO). Es ist daher in jedem Einzelfall zu prüfen, ob
  39. die durch die öffentliche Verwaltung angeschaffte Software der
  40. Allgemeinheit vollumfänglich zur Verfügung gestellt werden kann. </p>
  41. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> Die FDP begrüßt grundsätzlich
  42. die Förderung von offenen Standards und freier Software durch staatliche
  43. Stellen. Bei Ausschreibungen muss daher darauf geachtet werden, dass durch
  44. genaue Prüfung der jeweiligen Bedürfnisse und durch eine Total Cost of
  45. Ownership - Analyse sichergestellt wird, dass sowohl proprietäre, als auch
  46. Freie Software mit in die Auswahl einbezogen wird. Dabei ist auf die
  47. Erfahrungen anderer Freier Software Projekte der öffentlichen Verwaltung
  48. zurückzugreifen, um eine möglichst rasche Umsetzung zu erreichen. </p>
  49. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Als Grüne wollen
  50. wir freie und offene Software stärken, einer breiteren gesellschaftlichen
  51. Akzeptanz zuführen und ihren Einsatz insbesondere dort voranbringen, wo
  52. Software öffentlich beauftragt und finanziert wird. Für einen verstärkten
  53. Einsatz von freier und offener Software sprechen viele gute Argumente, wie
  54. größere und nachhaltigere Innovationspotentiale, Verbreiterung der
  55. Kompetenz im Umgang mit Software, aber auch sicherheitsrelevante Vorteile.
  56. Daher haben wir auch auf unserer Landesversammlung im Oktober 2011 einen
  57. Beschluss zum digitalen Wandel gefasst, der unter anderem unsere Forderung
  58. nach einem möglichst umfassenden Einsatz von freier Software und offenen
  59. Standards im öffentlichen Bereich enthält.<br /> Wie offen, frei und
  60. nachhaltig unsere Gesellschaft ist, spiegelt sich auch im Einsatz freier
  61. und offener Software wieder. Im öffentlichen Bereich muss sie bei gleicher
  62. Eignung den Vorrang genießen, sofern das vergaberechtlich möglich ist.
  63. Genauso setzen wir uns als Grüne dafür ein, dass bei Softwareentwicklungen
  64. von Behörden stets der Quellcode freigeben werden muss, d. h. die Programme
  65. müssen Open-Source sein, damit möglichst viele Menschen von ihnen
  66. profitieren können und die Möglichkeit besteht, sie einfach
  67. weiterzuentwickeln. Zentral für eine solche Strategie ist die Verwendung
  68. offener Standards und Schnittstellen. Trotz objektiver Vorteile freier
  69. Produkte wird gerade in der öffentlichen Verwaltung noch zu häufig
  70. proprietärer Software der Vorrang eingeräumt. Wir wollen den
  71. Umstellungsprozess zu freier Software gemeinsam mit den Beschäftigten der
  72. Verwaltung gehen und für Verständnis und Unterstützung werben. Mit dem 2012
  73. von der Netzbegrünung e.V. für den bayerischen Landesverband entwickelten
  74. Online-Instrument "Antragsgrün" (http://www.antragsgruen.de/) ist
  75. Partizipation von der Parteibasis und Interessierten an der
  76. Weiterentwicklung unserer politischen Inhalte so leicht wie nie. Das
  77. Programm ermöglicht das Mitschreiben an gemeinsamen Anträgen an die
  78. Landesversammlung oder dem Wahlprogramm auf einfachste Art und Weise.</p>
  79. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> Da davon auszugehen
  80. ist, dass sich die öffentliche Hand für selbst beauftragte Inhalte und auch
  81. Software in der Regel exklusive Nutzungsrechte sichert, sollte diese
  82. Software aus unserer Sicht unter freien Lizenzen veröffentlicht werden. Wir
  83. wollen insgesamt zum Umgang mit Werken und Content, die von öffentlichen
  84. Stellen exklusiv beauftragt und für diese hergestellt werden, einheitliche
  85. Strategien schaffen. Diese sollte grundsätzlich die Lizenz- und
  86. Rechtepolitik auf „open“ stellen und eine freie Nutzung ermöglichen. Die
  87. Einheitlichkeit einer solchen Policy würde eine Nachnutzung durch
  88. kommerzielle oder private Akteure deutlich erleichtern.</p>
  89. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Die Piratenpartei
  90. setzt sich dafür ein, dass möglichst alle öffentlich finanzierten Inhalte
  91. der breiten Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht werden. Die Inhalte
  92. werden in offenen Formaten online zur Verfügung gestellt und archiviert.
  93. Weiterverbreitung sowie kommerzielle Nutzung sind ausdrücklich gestattet,
  94. solange sie dadurch nicht in ihrer freien Nutzung beschränkt werden.
  95. Ausnahmen von der Veröffentlichungspflicht sind nur bei schwerwiegenden
  96. Gründen möglich; diese müssen in jedem Einzelfall schriftlich dargelegt
  97. werden.<br />
  98. Dies gilt für alle Arten von Inhalten und schließt Software mit ein. Es
  99. ist daher wichtig, dass zunächst einmal überhaupt begonnen wird,
  100. öffentlich finanzierte Inhalte unter freien Lizenzen zu veröffentlichen.
  101. Hierzu möchten wir öffentliche Stellen gesetzlich verpflichten.<br />
  102. In der praktischen Umsetzung wird die größte Herausforderung in der
  103. Zugänglichmachung bestehender Inhalte liegen. Soweit hier auch
  104. (lizenzierte) Inhalte Dritter mit verwendet wurden, gilt die Lizenz oft nur
  105. für eine eingeschränkte Nutzung. Zudem liegen viele Daten nicht in offenen
  106. Formaten vor. Sowohl die juristische Situation wie auch die technische
  107. Frage der Konvertierung in offene Formate lässt sich derzeit nicht
  108. abschließend bewerten. Hier fehlt es an Informationen zum derzeitigen
  109. Datenbestand. Deshalb müssen die öffentlichen Stellen verpflichtet werden,
  110. zunächst eine Bestandsaufnahme durchzuführen, auf deren Basis eine
  111. Strategie zur Umsetzung formuliert werden kann. </p>
  112. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong>In unserem Regierungsprogramm
  113. findet man ein klares Bekenntnis zu Open Government und Open Source: „Die
  114. BayernSPD erkennt die Herausforderungen an, die digitale Verwaltungsprozesse
  115. darstellen und wird in Zusammenarbeit mit den Kommunen die Richtlinien für
  116. Open-Government weiterentwickeln. München ist hier einige große Schritte
  117. voran gegangen. Beispielsweise werden wir diskutieren, wie mehr Open
  118. Source-Software in den öffentlichen Verwaltung – wie etwa in München mit
  119. „LiMux“ – eingesetzt werden kann.“<br /> Dabei ist Leitgedanke für uns, dass
  120. bei aus öffentlichen Geldern finanzierte Software und erhobene Daten geprüft
  121. werden soll, in wieweit diese der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt
  122. werden können. Aber ich möchte auch darauf hinweisen, dass dies ein längerer
  123. Prozess ist, der in der Diskussion mit den verschiedenen Verwaltungen geführt
  124. werden muss. Hier gilt es viele Hürden abzubauen. Das Beispiel München zeigt,
  125. dass hier mit einem langfristig angesetzten Prozess vorgegangen werden muss
  126. und nachhaltig erfolgreich zu sein. </p>
  127. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Ja unbedingt, das
  128. muss Bedingung für Aufträge der öffentlichen Hand sein. Bei bestehenden
  129. Verträgen muss geprüft werden, ob eine ggf. notwendige Änderung vereinbart
  130. werden kann. Andernfalls ist abzuwägen, ob der Aufwand einer Neuentwicklung
  131. gerechtfertigt ist. Über eine Regierungsbeteiligung denken wir derzeit nicht
  132. nach. ;-) </p>
  133. <p class="question"> <strong>2. </strong> Das Elsterformular zur elektronischen
  134. Steuererklärung <a
  135. href="http://www.golem.de/news/elektronische-steuererklaerung-elster-fuer-linux-und-macos-x-existiert-1303-98024.html">existiert
  136. seit Jahren für das freie Betriebssystem GNU+Linux sowie für Apple Mac
  137. OSX</a>, da es mit dem freien Cross-Platform-Framework Qt entwickelt wurde.
  138. Allerdings wird es zurückgehalten und Apple- und GNU+Linux-Nutzer werden auf
  139. die fehleranfällige und unsichere Java-Lösung Elsteronline verwiesen. Wie ist
  140. ihre Position dazu? </p>
  141. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Dass das
  142. Browser-Plugin für Java gravierende Sicherheitslücken aufweist, ist seit
  143. Jahren bekannt. Wir begrüßen daher die Ankündigung des bayerischen
  144. Finanzminsteriums vom März 2013, nach Lösungen zu suchen, damit Elster-online
  145. auch ohne Java auskommt. Dass dafür ein freies Betriebssystem bereits
  146. existiert und zurückgehalten wird, war uns bisher nicht bekannt. Sollte dem
  147. tatsächlich so sein, dann sollte es baldmöglichst eingesetzt werden. Generell
  148. halten wir die Verbesserung der Sicherheit gerade in diesem empfindlichen
  149. Bereich auch für Windows-Nutzer für extrem wichtig, um alle Steuerzahler vor
  150. Trojanern u. ä. zu schützen. Spyware, die sich durch den Besuch einer
  151. Behördenseite installiert, trägt nicht gerade zur Vertrauensbildung zwischen
  152. Bürger und Staat bei.</p>
  153. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Sollten keine bislang
  154. unbekannten technischen oder rechtlichen Gründe dagegen sprechen, halten
  155. wir es für richtig, diese Software freizugeben. Nach unserer Information
  156. wird bereits daran gearbeitet, dass Bürgerinnen und Bürger auch ohne Java
  157. mit Elster arbeiten können. </p>
  158. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> Dass keine plattformunabhängige
  159. Version von ElsterFormular zugänglich ist, bedauern wir sehr. Schließlich
  160. haben sich die FDP-Vertreter in der Projektgruppe Interoperabilität,
  161. Standards und Freie Software der Enquetekommission Internet und digitale
  162. Gesellschaft auch sehr dafür eingesetzt, dass eine dementsprechende
  163. Handlungsempfehlung aufgenommen wird. So heißt es in Handlungsempfehlung
  164. Nr. 4: „Insbesondere dann, wenn die Software zur Interaktion mit
  165. Bürgerinnen und Bürgern oder aber Unternehmen zur Anwendung kommen soll,
  166. sollte auch eine Plattformneutralität gewahrt bleiben, um eine möglichst
  167. große Teilhabemöglichkeit zu gewährleisten.“ Die Plattformunabhängigkeit
  168. des ElsterOnline Formulars ist gewahrt, eine sichere Alternative zur
  169. aktuellen Java-Lösung soll bis August 2013 <a
  170. href="http://www.finanzamt.bayern.de/LfSt/Aktuelles/Pressemitteilungen/2013/03-
  171. 12.php?f=LfSt&amp;c=n&amp;d=x&amp;t=x">online sein</a>. Diese Bemühungen
  172. begrüßen wir wiederum sehr. </p>
  173. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Wir setzen uns für
  174. elektronische Steuererklärungen ein. Das Elster-Formular halten wir hier
  175. für einen sinnvollen Ansatz, der aber noch weiterentwickelt werden muss und
  176. auch mehr Verbreitung finden sollte. Wir meinen, dass eine vom
  177. Betriebssystem unabhängige Lösung gefunden werden sollte bzw. alternative
  178. Versionen für sämtliche Betriebssysteme entwickelt werden müssten. Wir
  179. sehen die Nicht-Veröffentlichung äußerst kritisch und haben uns wiederholt
  180. dafür ausgesprochen, dass auch die Nutzerinnen und Nutzer freier
  181. Betriebssysteme die Möglichkeit erhalten, das Elsterformular zu nutzen.
  182. Warum sie stattdessen gezwungen werden, auf Java-Lösungen auszuweichen,
  183. verstehen wir nicht. Wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass
  184. auch Nutzerinnen und Nutzer freier Betriebssysteme das Elsterformular
  185. nutzen können.</p>
  186. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> Die elektronische
  187. Abgabe der Steuererklärung muss plattformunabhängig möglich sein.
  188. Nutzerinnen und Nutzer dürfen durch die Steuerverwaltung nicht zur
  189. Verwendung oder gar Kauf ausgewählter Betriebssysteme gezwungen werden.
  190. Dies umso mehr, als die elektronische Übermittlung bereits heute für eine
  191. Reihe von Steuerklärungen verpflichtend vorgeschrieben ist. Die alternative
  192. Weblösung ElsterOnline bietet dazu keinen Ersatz, zumal nur bestimmte
  193. PC-Konfigurationen (Betriebssysteme, Browser) unterstützt werden und die
  194. Verwendung der Java-Laufzeitumgebung Sicherheitsprobleme birgt. Die
  195. Bereitstellung des Elster-Formulars lediglich für Microsoft Windows und das
  196. Zurückhalten von GNU-Linux- und Mac OS X-Versionen durch das für die
  197. Entwicklung von Elster federführende Bayerische Landesamt für Steuern aus
  198. vermeintlich wirtschaftlichen Erwägungen ist inakzeptabel. </p>
  199. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Wie in Frage 1
  200. bereits erläutert fordern wir Piraten eine generelle Zugänglichmachung
  201. öffentlich finanzierter Inhalte unter freien Lizenzen. Dies gilt auch für
  202. alle Versionen der Elster-Software. Die Java-Lösung Elster-Online ist kein
  203. adäquater Ersatz für eine freie und sichere Software zu
  204. plattformunabhängigen Nutzung.<br />
  205. Notwendig ist außerdem eine Bereitstellung geeigneter Schnittstellen, so
  206. dass nicht erst auf die Entwicklung von Software seitens öffentlicher
  207. Stellen gewartet werden muss. Selbst wenn Elsterformular für Apple Mac OSX
  208. und GNU/Linux zeitnah veröffentlicht wird, sind die Nutzer von
  209. Betriebssystemen wie z.B. FreeBSD und Solaris immer noch von der Nutzung
  210. ausgeschlossen, da nicht damit zu rechnen ist, dass seitens des Finanzamtes
  211. entsprechende Elsterversionen programmiert werden. Dokumentierte
  212. Schnittstellen ermöglichen dagegen eine Entwicklung von Freier Software
  213. innerhalb der Nutzergemeinschaft von Betriebssystemen. </p>
  214. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Ich glaube, dass dies ein gutes
  215. Beispiel für die oben genannten Hürden. Viele Ängste kann man durch
  216. Diskussionen entkräften. Wichtig ist hier, dass „Lobby-Arbeit“ des
  217. technischen Sachverstands einsetzt, wie Sie ihn hier betreiben. Als
  218. Diplominformatikerin und Programmiererin kann ich keinen Grund für die
  219. Zurückhaltung sehen.<br /> Das ist allerdings ein bundespolitisches Thema,
  220. welches vorrangig über die BundesSPD bearbeitet werden muss. Doch auch im
  221. Regierungsprogramm der BundesSPD findet sich ein Bekenntnis zu Open Data:
  222. „Wir wollen überdies mehr Transparenz staatlichen Wissens durch
  223. Open-Data-Projekte, soziale Sicherheit in der digitalen Arbeitswelt und das
  224. Nutzen emanzipatorischer Freiräume durch digitale Arbeit auch für die bessere
  225. Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schließlich das Nutzen der Chancen
  226. der digitalen Gesellschaft für eine Revitalisierung der Demokratie.“<br />
  227. Ich kann Ihnen versichern, dass ich parteiintern diesen Fall prüfen werde und
  228. mich dann (bislang habe ich leider keine Antwort) nochmals bei Ihnen melde.
  229. </p>
  230. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Die Bevorzugung
  231. von Software-Anbietern mit marktbeherrschender Position ist nicht im Sinne
  232. des Gemeinwohls. Daher sollte die öffentliche Hand bevorzugt Freie Software
  233. einsetzen und ihren Einsatz fördern. Dies gilt auch für die elektronische
  234. Steuererklärung.<br /> Die elektronische Steuererklärung an sich ist
  235. begrüßenswert, die damit einhergehende Reduzierung des direkten Kontaktes
  236. zwischen Steuerpflichtigen und Mitarbeitern der Finanzämter muss jedoch durch
  237. die Verpflichtung zu Beratungsleistungen ausgeglichen werden. </p>
  238. <p class="question"> <strong>3. </strong>Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass
  239. in manchen Fällen bei  beauftragten Softwareentwicklungen öffentlicher
  240. Einrichtungen diese nicht sämtliche Nutzungsrechte (Zugriff auf den Quellcode,
  241. das Recht, die Software selbst oder durch Dritte weitzuentwickeln, das Recht
  242. die Software an andere Weiterzugeben) besitzen; etwas, das für einen
  243. privatwirtschaftlichen Auftraggeber vollkommen inakzeptabel wäre?</p>
  244. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Das Prinzip
  245. der Nachhaltigkeit sollte auch bei der Beauftragung von Software gelten.
  246. Das bedeutet in dem Falle, dass es sehr problematisch ist, für einen ggf.
  247. etwas geringeren Preis auf diese Nutzungsrechte zu verzichten. Es wird
  248. faktisch eine Abhängigkeit gegenüber dem Anbieter eingegangen, die auf die
  249. Dauer sehr teuer werden kann. Angesichts der hohen Dichte neuer
  250. Rechtsnormen und Vorschriften, die gerade öffentliche Einrichtungen laufend
  251. zu Änderungen zwingen, veraltet Software heutzutage relativ schnell. Nach
  252. den Regeln der doppischen Buchführung müssten hierfür eigentlich erhebliche
  253. Kosten für Anpassungen und Weiterentwicklungen in die Haushaltsansätze der
  254. Folgejahr eingestellt werden, was in der Praxis aber selten passiert. </p>
  255. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Die Vergangenheit hat gezeigt,
  256. dass sich die ausschreibenden Behörden in der Zukunft noch mehr Gedanken
  257. zum Einsatz- und Verwendungszweck von bestellter Software machen müssen.
  258. Wir werden daher einen besonderen Wert darauf legen, dass zukünftig
  259. Weiterentwicklungsmöglichkeiten der Software von Beginn an berücksichtigt
  260. werden. Rechte der öffentlichen Hand an der Software, insbesondere am
  261. Quellcode, sind daher bereits im Vergabeverfahren sicherzustellen. </p>
  262. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> Grundsätzlich gilt unabhängig
  263. vom Lizenzmodell, dass es hilfreich ist, alle Möglichkeiten zu haben, eine
  264. Software selber weiter zu entwickeln, oder auf Sicherheitsaspekte hin
  265. überprüfen zu können. Das macht unabhängig vom Hersteller und bietet
  266. Planungssicherheit und Freiheit bei der Dienstleisterwahl. Gerade im
  267. Bereich sensibler Software, wie zuletzt beim Staatstrojaner, hat sich
  268. gezeigt, wie wichtig der Zugriff auf den Source Code ist. </p>
  269. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Wir setzen uns als
  270. Grüne seit langem dafür ein, dass im öffentlichen Bereich freie und offene
  271. Software bei gleicher Eignung den Vorrang genießen muss sofern das
  272. vergaberechtlich möglich ist. Genauso müssen Softwareentwicklungen von
  273. Behörden stets den Quellcode freigeben, also Open-Source sein, damit alle
  274. von ihnen profitieren und sie einfach weiterentwickelt werden können.
  275. Zentral für eine solche Strategie ist die Verwendung offener Standards und
  276. Schnittstellen und die Möglichkeit unter freien Lizenzen veröffentlichen zu
  277. können. Einen entsprechenden Beschluss haben wir als bayerische Grüne auf
  278. unserer Landesversammlung in Bad Windsheim im Oktober 2011 gefasst und die
  279. entsprechenden Forderungen wurden auch im Wahlprogramm zur Landtagswahl
  280. 2013 aufgenommen. Der staatliche Einsatz kommerzieller Software ohne
  281. Zugriff und damit Kenntnis der Quellcodes ("Stichwort Trojanerdebatte")
  282. widerspricht im Sicherheitsbereich eindeutigen verfassungsrechtlichen
  283. Vorgaben und muss unterbunden werden. Zum Stopp des Trojaners hat die
  284. Landtagsfraktion der Grünen einen Dringlichkeitsantrag und weitere
  285. parlamentarische Initiativen eingebracht. </p>
  286. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE hält dies
  287. für problematisch, insbesondere dann, wenn aus diesem Verzicht vermeidbare
  288. Folgekosten resultieren. Der Staat als Auftraggeber muss hier seine
  289. Verfügungshoheit sicherstellen und im Sinne der Allgemeinheit nutzen. </p>
  290. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Eine solche
  291. Lizenzierung ist mit unserem Ziel der generellen freien Zugänglichmachung
  292. öffentlich finanzierter Inhalte nicht vereinbar. Schon deshalb fordern wir,
  293. Softwareentwicklung nur zu entsprechenden Bedingungen zu vergeben. Die
  294. entsprechenden Rechtsverordnungen sind so anzupassen, dass solche
  295. Bedingungen in Zukunft ausgeschlossen werden. </p>
  296. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Ich denke es kommt auf die
  297. konkrete Anwendung an. Die pauschale Aussage, dass es für
  298. privatwirtschaftliche Anbieter vollkommen inakzeptabel sei, gilt teilweise,
  299. teilweise auch nicht, was ich aus meinem beruflichen Alltag kenne. Recht gebe
  300. ich Ihnen, dass gerade die öffentliche Hand hier stärker in der Verantwortung
  301. steht, auch eine Vorreiterrolle zu übernehmen.<br /> Es gilt definitiv im
  302. Bereich der kritischen Anwendungen, dass eindeutige und verbindende
  303. Anforderungen bezüglich oben von Ihnen aufgeführter Kriterien aufgestellt
  304. werden. Ich spreche natürlich von blamablen Software- Fehlentwicklungen wie
  305. den „Staatstrojaner“ (der eben nicht nur politisch sondern auch handwerklich
  306. höchst fragwürdig war).<br /> Generell glaube ich, dass öffentliche
  307. Verwaltungen viel gewinnen können, wenn Sie ihre Software selbst entwickeln
  308. und eben auch weiterentwickeln. Allerdings gebe ich zu Bedenken, dass sich
  309. das nicht viele vom Personal erlauben können, die Aufgabe müsste also zentral
  310. koordiniert werden. </p>
  311. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Die von
  312. Verantwortlichen der öffentlichen Hand getroffenen Entscheidungen lassen
  313. oftmals an deren fachlichen und/oder moralischen Fähigkeiten zweifeln. Wir
  314. diagnostizieren Entwicklungsbedarf und verordnen ja nach Fall fachliche oder
  315. therapeutische Nachhilfe. </p>
  316. <p class="question"><strong>4. </strong> Mobile Geräte (Mobiltelefone, Tablets,
  317. Netbooks, ...) sind kleine  Computer, die wir ständig mit uns herumtragen. Sie
  318. haben Mikrofone  und Kameras, kennen unseren Aufenthaltsort, enthalten private
  319. Daten  und Kommunikationsvorgänge. Sie sind mächtige Werkzeuge, die Risiken für
  320. die Privatsphäre bergen, aber uns in vielen Bereichen das Leben erleichtern
  321. können. Wie wollen Sie sicherstellen, dass in unserer Gesellschaft diese neuen
  322. Werkzeuge sich im Sinne der Anwender nutzen lassen? </p>
  323. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Wir wollen
  324. die Hersteller und Entwickler dazu verpflichten, genau darzulegen, welche
  325. Daten wozu benutzt werden. Umfassender gesetzlicher Schutz ist in diesem
  326. Bereich wegen seiner Unübersichtlichkeit nur schlecht möglich, außerdem
  327. benötigen viele Apps naturgemäß Daten, die in die Privatsphäre eingreifen
  328. (z. B. Navi). Jeder Nutzer eines Smartphones sollte deshalb selbst
  329. entscheiden, welche App er installieren will und welche nicht. </p>
  330. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Jeder Nutzer muss wissen, was
  331. mit seinen Daten geschieht. Deswegen sehen wir den Datenschutz als ganz
  332. zentrales landes- , bundes- und europapolitisches Thema.<br />
  333. Dazu zählt zum Einen, dass die Nutzer selbst wissen, wie man mit seinen
  334. Daten umgehen sollte, und zum Anderen, dass wir gesetzliche Vorgaben dazu
  335. erarbeiten, welche Daten unter welchen Voraussetzungen und in welchem
  336. Umfang genutzt werden dürfen. </p>
  337. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Die Leistung der mobilen
  338. Geräte von heute war noch vor wenigen Jahren nur schwer vorstellbar und
  339. ermöglicht uns die Nutzung von immer neuen und innovativen Anwendungen.
  340. Gleichwohl halten wir es für nötig, dass sich die Nutzer verstärkt mit
  341. weniger bekannten und manchmal unerwünschten Fähigkeiten ihrer Geräte
  342. auseinandersetzen. Wie in allen Bereichen setzen wir uns auch hier für
  343. einen mündigen Bürger und Verbraucher ein, der sich auch im digitalen
  344. Bereich kompetent mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen kann. Wir
  345. Liberale betonen stets, dass es gerade im Bereich Internet und IT besser
  346. ist die Chancen zu beleuchten als, wie allzu oft, nur über Risiken zu
  347. sprechen. Diese Haltung haben wir besonders in die Enquetekommission
  348. „Internet und digitale Gesellschaft“ eingebracht, die z.B. die Ausstattung
  349. von Schülern mit mobilen Endgeräten fordert. </p>
  350. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Mobiles Internet,
  351. aber auch viele cloudbasierte Dienste und das sogenannte "Internet der
  352. Dinge" sind Entwicklungen, die zahlreiche Chancen, aber eben auch Risiken
  353. mit sich bringen. Als Grüne sagen wir klar, dass wir hierfür eindeutige
  354. bürgerrechtliche Regelungen brauchen, die die Privatsphäre der Nutzerinnen
  355. und Nutzer effektiv schützen. Dabei steht für uns an erster Stelle der
  356. digitalen Bürgerrechte ein wirksames Datenschutzrecht. Datenschutz steht in
  357. der grünen Geburtsurkunde. Wir werden Bürgerrechte nicht nur verteidigen,
  358. sondern werden uns weiterhin dafür einsetzen, sie zu stärken.<br />
  359. Wir haben in dieser Legislatur eine Vielzahl von parlamentarischen
  360. Initiativen in diesem Bereich vorgelegt und streiten als Grüne derzeit auf
  361. Landes-, Bundes- und europäischer Ebene für eine deutliche Verbesserung und
  362. Harmonisierung des Datenschutzrechts. Viele Datenschutzfragen des
  363. Internetzeitalters lassen sich nach unserer Ansicht am besten auf
  364. europäischer Ebene regeln. Anbieter von Internetdienstleistungen haben
  365. ihren Firmensitz oftmals im Ausland. Wir sind als Grüne darum intensiv
  366. daran beteiligt, die neue EU- Datenschutzrichtlinie so stark wie möglich am
  367. Schutz der informationellen Selbstbestimmung auszurichten und haben hierfür
  368. mehrere Änderungsanträge eingebracht. Wo europäisches Datenschutzrecht
  369. nicht greift müssen internationale Verträge abgeschlossen werden, um
  370. persönliche Daten im Netz besser schützen zu können.<br />
  371. Wir haben uns auch dafür eingesetzt, den neuen IPv6-Standard
  372. datenschutzfreundlicher zu gestalten, da wir wissen, dass über die neuen
  373. IP-Adressen einzelne Geräte und NutzerInnenverhalten viel einfacher
  374. überwacht werden können. Beim Thema Cloud Computing haben wir uns für klare
  375. rechtliche Regeln eingesetzt und sehen bayerische Behörden in der Pflicht,
  376. den Schutz personenbezogener Daten dem Zugriff von Cloud- Anbietern, gerade
  377. aus dem Ausland, zu entziehen. Die Neuregelung der Bestandsdatenauskunft –
  378. schon beim Verdacht auf Ordnungswidrigkeiten - lehnen wir ab und haben
  379. darum eine Initiative eingebracht, die Bestandsdatenauskünfte an den
  380. Verdacht auf schwere Straftaten bindet.<br />
  381. Das Kernproblem von mobile devices hat das Bundesverfassungsgericht in
  382. seiner Entscheidung zum Grundrecht auf Integrität und Vertraulichkeit
  383. informationstechnischer Systeme eindringlich beschrieben: die Potenzierung
  384. der Zugriffsmöglichkeiten dieser vernetzt funktionierenden Geräte erfordert
  385. besonders hohe, verfassungsrechtlich gebotene Sicherheitsvorkehrungen. Wir
  386. plädieren dafür, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts endlich
  387. gesetzlich mit Leben zu füllen und damit zu konkretisieren. Staatliche
  388. Zugriffe durch Trojaner lehnen wir ab, gegen die einschlägige Befugnis im
  389. BKA-Gesetz klagen wir deshalb vor dem Bundesverfassungsgericht. Und auch
  390. bei der Quellentelekommunikations-überwachung ist keineswegs ausgemacht, ob
  391. im Wege des Trojanereinsatzes jemals die Grundsätze des BVerfG-Urteils zur
  392. Online-Durchsuchung eingehalten werden könnten. Gegenwärtig jedenfalls
  393. besteht keinerlei Transparenz hinsichtlich der durch die Bundesregierung zu
  394. kommerziellen Zwecken eingesetzten Trojanersoftware, das haben die
  395. Untersuchungen des Bundesbeauftragten für Datenschutz als auch des
  396. bayerischen Landesbeauftragten für Datenschutz ergeben. Vor diesem
  397. Hintergrund dürfen diese technischen Verfahren deshalb nicht eingesetzt
  398. werden, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass unverhältnismäßige
  399. Zugriffe auf die Daten der Betroffenen eröffnet werden.<br />
  400. Ebenso grundlegend ist der präventiv wirkende, gesetzlich verpflichtende
  401. Datenschutz durch Technik (Privacy by Design, Privacy by Default), also die
  402. gesetzliche Festschreibung, von Werk ab die höchsten Datenschutzstandards
  403. zu integrieren und einzustellen. Hierzu haben wir eine Bundesratsinitiative
  404. beantragt. Auch den Schutz vor ungewollter Profilbildung und
  405. automatisierter Bewertung (Scoring) von Daten wollen wir gesetzlich
  406. absichern. Das gilt gegenüber dem Staat wie gegenüber Unternehmen und
  407. anderen privaten Stellen. Der Freistaat hat nach unserer Auffassung eine
  408. wichtige Vorbildfunktion. Er kann durch seine Behörden persönliche Daten
  409. erheben und verarbeiten ohne dass die Betroffenen eingewilligt haben. Wir
  410. wollen darum die bayerischen Behörden an modernen Datenschutz anpassen.
  411. Sie sollen künftig das Recht auf informationelle Selbstbestimmung besser
  412. wahren. Verhältnismäßigkeit und Erforderlichkeit müssen gerade bei der
  413. Überwachung von Telekommunikation viel stärker geprüft werden. Im Zweifel
  414. sprechen wir uns für den Schutz der Bürgerrechte aus.<br />
  415. Auch Privatunternehmen müssen persönliche Daten besser schützen. Für
  416. Nutzerinnen und Nutzer muss generell erkenntlich sein, was mit den eigenen
  417. Daten passiert. AGBs müssen verständlich formuliert sein. Diese Maßnahmen
  418. müssen durch eine verbesserte und altersübergreifende Vermittlung von
  419. Medienkompetenz, die einerseits das Bewusstsein für Privatsphäre stärkt und
  420. andererseits einen souveränen Umgang mit Services und Daten ermöglicht,
  421. flankiert sein.</p>
  422. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> Wir setzen uns ein
  423. für datenschutzfreundliche Technik („Privacy by Design“), für datensparsame
  424. Grundeinstellungen („Privacy by Default“) bei Webdiensten, Smartphones,
  425. Tablet- Computern und Apps sowie für das Recht, die eigenen Daten
  426. „mitzunehmen“ (Datenportabilität) oder zu löschen. Dazu müssen allerdings
  427. die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche die
  428. Souveränität der Nutzerinnen und Nutzer über ihre Daten gewährleisten. Hier
  429. ist in erster Linie an einen effektiven Datenschutz zu denken, dessen
  430. Nichtbeachtung durch die Unternehmen zu sanktionieren ist. Dazu gehört aber
  431. auch, Nutzerinnen und Nutzer verstärkt im Umgang mit ihren eigenen Daten zu
  432. sensibilisieren. Viele nehmen diese gar nicht als wertvolles Gut wahr und
  433. geben ihre Daten viel zu leichtfertig frei. </p>
  434. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Die Datensammlungen
  435. mobiler Geräte sind vor allem deshalb kritisch, weil Geräte- und
  436. Softwarehersteller damit ein detailliertes Profil des Benutzers und seines
  437. unbeteiligten Umfeldes anlegen können. So enthalten etwa die Adressbücher
  438. von Mobiltelefonen unvermeidbar auch Daten Dritter, denn ein Adressbuch
  439. ohne Namen und Telefonnummern ist nutzlos. Adressbücher zu verbieten kann
  440. aber keine Lösung sein. Sie sind hier nur eines von zahllosen Beispielen,
  441. die meist im Zuge der elektronischen Kommunikation entstanden sind.<br />
  442. Aus diesem Grund reicht ein reines Auskunftsrecht nicht mehr aus, da der
  443. Bürger keinen Überblick mehr haben kann, wer welche Daten über ihn
  444. besitzt. Stattdessen muss eine Mitteilungspflicht eingeführt werden. Dazu
  445. fordert die Piratenpartei die verpflichtende Einführung des Datenbriefes
  446. und die Verankerung desselben in den Bundesdatenschutzgesetzen des Bundes
  447. und der Länder. Dieser Datenbrief soll von allen Firmen und Behörden, die
  448. personenbezogene Daten besitzen, jährlich an alle Betroffenen verschickt
  449. werden. Die Weitergabe von Daten an Dritte soll darin kommuniziert und
  450. begründet werden. So erfährt der Bürger automatisch, wo seine Daten liegen,
  451. und kann seine Rechte auch in der Praxis durchsetzen.<br />
  452. Die Grundsätze des Datenschutzes (Datensparsamkeit, Datenvermeidung,
  453. Zweckbindung und Erforderlichkeit) sind konsequent in den Vordergrund
  454. stellen. Datenschutz wird nicht allein durch technische Maßnahmen erreicht,
  455. sondern auch durch organisatorische.<br />
  456. In Bayern wollen wir daher den<br /> 1) Landesdatenschutzbeauftragten
  457. stärken. Aus diesem Grund soll nach dem Vorbild Schleswig-Holsteins das Amt
  458. des Landesdatenschutzbeauftragten zu einem unabhängigen Landeszentrum für
  459. Datenschutz umgebaut werden. 2) Datenschutz zertifizieren. Wir wollen für
  460. die Datenschutzumsetzung in Unternehmen und öffentlichen Stellen eine
  461. rechtlich anerkannte freiwillige Prüfung (Audit) einführen. 3) Datenschutz
  462. in der Landesverfassung verankern. 4) Datenhandel durch staatliche Stellen,
  463. insbesondere der Meldeämter, untersagen.<br />
  464. Zudem sind viele Benutzer mit den Einstellungsmöglichkeiten moderner Geräte
  465. überfordert. Deshalb müssen alle Produkte datenschutzfreundlich
  466. voreingestellt sein.<br />
  467. Um Datenschutz mit den neuen Medien vereinbar zu machen, bedarf es
  468. ständiger technischer Innovationen. Die technische Entwicklung erfordert
  469. aber auch möglichst technikneutrale Gesetze.<br />
  470. Außerdem wollen wir den Bürgern wirksamere Mittel zum direkten Handeln
  471. geben, insbesondere in Form von Sammelklagen.</p>
  472. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Der SPD ist diese Problematik
  473. bewusst. Wir stehen hier eindeutige für ein „Privacy per Design“ und ein
  474. „Privacy per Default“. Das betrifft sämtliche politische Ebenen und ich setze
  475. mich innerhalb der SPD dafür ein, dass der digitale Wandel chancenorientiert
  476. gedacht wird ohne gleichzeitig die Risiken aus dem Blick zu verlieren Auch im
  477. Regierungsprogramm der BayernSPD lässt sich dazu ein klares Statement
  478. finden:<br /> „Der Schutz der Privatsphäre und persönlicher Daten gewinnt
  479. aufgrund der wachsenden Vernetzung aller Lebensbereiche zunehmend an
  480. Bedeutung. Das Datenschutzrecht in seiner jetzigen Form wird seinem
  481. ursprünglichen Anspruch nicht mehr gerecht. Die BayernSPD setzt sich dafür
  482. ein, dass personenbezogene Daten nur dann für gewerbliche und andere Zwecke
  483. verwendet werden dürfen, wenn die Nutzerinnen und Nutzer bewusst und
  484. ausdrücklich zugestimmt haben. Wir werden zudem das Modell eines
  485. „Datenbriefs“ prüfen. Wir setzen uns für ein konsequentes „opt-in“ für die
  486. Nutzung privater Daten und die strikte Anwendung solcher Regeln in der
  487. Verwaltung ein. Dies gilt insbesondere auch für das Melderecht und Daten in
  488. öffentlicher Hand.“<br /> Auch im Regierungsprogramm der BundesSPD findet man
  489. folgende Sätze dazu:<br /> „Wir brauchen dafür die Stärkung der Bürgerrechte
  490. durch wirksamen Datenschutz und den Schutz der Persönlichkeitsrechte. Wir
  491. wollen, dass digitale Chancen für die Gestaltung des täglichen Lebens, für
  492. Teilhabe und auch für soziale Dienste so genutzt werden, dass Bürgerinnen und
  493. Bürger auch künftig souverän über ihre persönlichen Daten bestimmen können.
  494. Im Internet und bei sozialen Netzwerken sind wir für einen rechtlichen
  495. Ordnungsrahmen, der die Verbraucher schützt, die Meinungsvielfalt
  496. gewährleistet und für einen fairen Wettbewerb sorgt. Dafür setzen wir uns auf
  497. nationaler Ebene und in Europa ein.“ </p>
  498. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten</strong> Neben den
  499. Aktivitäten zum Datenschutz halten wir eine umfassende Aufklärung und
  500. Schulung für wichtig, die bereits im Kindesalter beginnen muss. Dazu gehören
  501. Datensicherheit, Suchtgefahren, Sozialkompetenz im Umgang mit diesen Geräten,
  502. den eigenen Daten und digitaler Vernetzung.</p>
  503. <p class="question"> <strong>5. </strong> Stimmen Sie dem <a
  504. href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/OED_Verwaltung/Informationsgesellschaft/trusted_computing.html">Eckpunktepapier
  505. der Bundesregierung zu „Trusted Computing“ und „Secure Boot“</a> zu? Wenn
  506. nein, warum? Wenn ja, was werden sie unternehmen, damit die Forderungen aus dem
  507. Eckpunktepapier eingehalten werden? </p>
  508. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Wir stimmen
  509. dem Eckpunktepapier der Bundesregierung zu und werden mit regelmäßigen
  510. Anfragen für die Unterrichtung der Öffentlichkeit zum Sachstand sorgen.
  511. </p>
  512. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Wir teilen die im
  513. Eckpunktepapier der Bundesregierung zu „Trusted Computing“ und „Secure
  514. Boot“ vertretenen Ansichten und setzen uns für die Fortsetzung des bereits
  515. von der Bundesregierung auf nationaler und internationaler Ebene
  516. eingeschlagenen Weges ein. </p>
  517. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> Die FDP begrüßt das
  518. „Eckpunktepapiere der Bundesregierung zu ‚Secure Boot‘ und ‚Trusted
  519. Computing‘. Die Nutzer müssen die volle Kontrolle über ihre Geräte haben
  520. und eine bewusste und informierte Entscheidung über die Kontrolle treffen
  521. können. Die Möglichkeit der Rechteabgabe an Dritte erfordert unbedingt die
  522. klare und umfassende Information des Nutzers. Wir werden sicherstellen dass
  523. Nutzer eine informierte Entscheidung über ihre Geräte treffen können. </p>
  524. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Grundsätzlich
  525. begrüßen wir die Intention, die Gerätehoheit der Nutzerinnen und Nutzer zu
  526. stärken. Allerdings hat die Bundesregierung hier keine konsequente
  527. Festlegung erreicht, noch mit der Umsetzung tatsächlich angefangen und
  528. bisher auch nicht klären können, wie dies mit der großflächigen Bindung an
  529. Microsoftdienste umgesetzt werden soll.</p>
  530. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> Mit der
  531. Implementierung von Secure Boot werden die Eigentümer von IT-Geräten in der
  532. Möglichkeit beschränkt, unabhängig und vollständig die Kontrolle über
  533. Inhalte und Anwendungen auszuüben. Das hat zur Folge, dass Gerätehersteller
  534. beispielsweise die nutzerseitige Installation von alternativen
  535. Betriebssystemen wie Linux verhindern können. DIE LINKE. begrüßt daher die
  536. Forderung des Eckpunktepapiers zu „Trusted Computing“ und „Secure Boot“,
  537. nach der es die Geräteeigentümer sind, die über die vollständige Kontrolle
  538. ihrer Geräte verfügen müssen. Einer Delegation dieser Kontrolle an Dritte
  539. aus Gründen der IT- Sicherheit soll daher eine bewusste und informierte
  540. Einwilligung der Geräteeigentümer vorausgehen. Aus diesem Grund wollen wir
  541. eine gesetzliche Regelung schaffen, die sicherstellt, dass Kunden vor dem
  542. Kauf eines Gerätes klar feststellen können, welchen Einschränkungen dieses
  543. unterliegt. </p>
  544. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong>Das Eckpunktepapier
  545. enthält viele wichtige Forderungen, die auch wir sehr gerne umgesetzt sehen
  546. möchten. Systeme, die den Nutzer daran hindern, bestimmte Software zu
  547. installieren, sind wirtschaftspolitisch nicht akzeptabel. Dies führt
  548. zwangsläufig zur Förderung von Oligopolen oder Monopolen im
  549. Softwaremarkt.<br />
  550. Wichtiger noch ist aber die gesellschaftspolitische Bedeutung der Kontrolle
  551. über IT-Systeme: Die Kommunikation über digitale Netzwerke wie das Internet
  552. hat bereits einen hohen Stellenwert und gewinnt immer weiter an Bedeutung.
  553. Der Zugang zur digitalen Kommunikation ermöglicht es, voll am sozialen
  554. Leben teilzuhaben, frei zu publizieren, sich Zugang zu öffentlichen
  555. Informationen zu verschaffen und sich damit weiterzubilden, sowie sich auch
  556. online wirtschaftlich oder kulturell zu betätigen. Um wirtschaftliche
  557. Hindernisse am Zugang zur digitalen Kommunikation auszuräumen, ist jedem
  558. Mitglied der Gesellschaft eindeutig das Recht zur Teilhabe zuzusprechen.<br />
  559. Dies setzt aber auch voraus, dass die dazu verwendeten Geräte unter der
  560. Kontrolle des Benutzers stehen. Eine Einschränkung auf bestimmte
  561. Betriebssysteme oder andere Software steht dem diametral gegenüber.<br />
  562. Um Transparenz der Technik und Offenheit des Marktes zu erreichen, ist es
  563. zudem wichtig, dass Trusted-Computing-Systeme als offene Standards
  564. freigegeben werden und Interoperabilität sichergestellt wird.<br />
  565. Genau deswegen ist es wichtig, dass die Forderungen des Eckpunktepapiers
  566. tatsächlich umgesetzt werden. Eine entschiedene und schlagkräftige Regelung
  567. besitzt das Potenzial, die Freiheit des Nutzers sicherzustellen und eine
  568. gefährliche Abhängigkeit von wenigen ausländischen Anbietern zumindest
  569. nicht weiter zu fördern.<br />
  570. Dazu ist es notwendig, dass Verstöße gegen die Forderungen des Papiers zu
  571. empfindlichen Konsequenzen für die Hersteller führen.<br />
  572. Eine zahnlose Umsetzung würde nur dazu führen, dass die AGB der Anbieter
  573. entsprechend angepasst würden, ohne dass sich tatsächliche Veränderungen
  574. einstellen. Es bleibt zu hoffen, dass das Eckpunktepapier nicht nur die
  575. Vergaberichtlinien, sondern auch die Industriepolitik beeinflussen
  576. wird.</p>
  577. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Ich persönlich stimme dem
  578. Eckpunktepapier zu. Die Diskussion über Sicherheit und Sicherheitsstandards
  579. ist leider ein zu kleines Thema auf der politischen Tagesordnung. Auch hier
  580. geht es um Aufklärung und darum, immer wieder die technischen Details in eine
  581. allgemeinverständliche Sprache zu übersetzen und die politische Relevanz zu
  582. erklären.<br /> Ich bin gerne bereit, mich mit Ihnen auch zu einer
  583. intensiveren Debatte zu diesem Thema zusammen zu setzen. </p>
  584. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Nein, da in dem
  585. Papier die Einführung von Trusted Computing begrüßt wird. Dies ist aus
  586. unserer Sicht für die Sicherheit von IT-Systemen nicht erforderlich, für den
  587. Schutz gegen Schad-Software haben sich bereits einige Anbieter etabliert. TC
  588. dient lediglich der Kontrolle der Hersteller über den Einsatz ihrer Produkte.
  589. Der Versuch, diese durch Bedingungen zu beschränken, ist ein Türöffner für
  590. das Prinzip. </p>
  591. <p class="question"> <strong>6. </strong> Unterstützen Sie die derzeitige
  592. Position der Bundesregierung aus SAGA zu IT-Standards, die zur Förderung des
  593. Wettbewerbs durch Offene Standards im Softwarebereich eine Lizenzierung ohne
  594. Restriktionen und Lizenzgebühren erfordert. Wenn ja, wie werden sie diese
  595. Forderung umsetzen? Wenn nein, was werden Sie tun? </p>
  596. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Wir
  597. befürworten die Ziele des SAGA-Dokuments und auch des Projekts OpenSAGA,
  598. insbesondere diejenigen in Bezug auf mehr Transparenz und Einsparungen bei
  599. E-Government-Anwendungen. Die Entscheidung, ob Standards und Architekturen
  600. für E-Government-Anwendungen in den Ländern und Kommunen wollen wir den
  601. Behörden vor Ort überlassen - eine Pflicht zur Umsetzung dieser Richtlinien
  602. lehnen wir ab. In den Parlamenten, in denen wir bereits vertreten sind
  603. (bzw. noch hineingewählt werden), wollen wir im Rahmen unserer politischen
  604. Arbeit auf die Vorteile von SAGA hinweisen.</p>
  605. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Wir setzen uns dafür ein, dass
  606. neue Software möglichst plattformunabhängig und basierend auf offenen
  607. Standards erstellt wird. Insbesondere dann, wenn die Software zur
  608. Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern oder aber Unternehmen zur Anwendung
  609. kommen soll. Nur beim Vorliegen einer Plattformneutralität ist auch eine
  610. möglichst große Teilhabemöglichkeit zu erreichen. Wir unterstützen daher
  611. die Fortschreibung und Weiterentwicklung von SAGA durch den einberufenen
  612. Expertenkreis. </p>
  613. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> SAGA ist für die
  614. Bundesverwaltung bei der Auswahl ihrer Informationstechnologien
  615. verbindlich. Wir Liberale unterstützen dies, denn es verfolgt unter anderem
  616. die für die Auswahl von Software essentiellen Ziele der Wirtschaftlichkeit,
  617. Offenheit und Interoperabilität. Wir unterstützen die Position der
  618. Bundesregierung und werden uns weiter mit Nachdruck für freien Wettbewerb
  619. einsetzen. Dazu gehört auch eine gebührenfreie Lizenzierung. </p>
  620. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Grundsätzlich
  621. begrüßen wir europäische und deutsche Standardisierungssysteme, die zum
  622. Ziel haben, die reguläre Nutzung von de-facto-Standards und nicht nur
  623. internationalen Normen zulassen. Die Förderung des Wettbewerbs durch Offene
  624. Standards im Softwarebereich erfordert eine Lizenzierung ohne Restriktionen
  625. und Lizenzgebühren. Auch im Rahmen der Enquete-Kommission "Internet und
  626. digitale Gesellschaft", die sich intensiv mit dieser Problematik in einer
  627. eigenen Projektgruppe auseinandergesetzt hat, haben wir uns dafür
  628. ausgesprochen, dass sich die öffentliche Verwaltung zur Förderung der
  629. Interoperabilität und Zukunftsfähigkeit ihrer IT-Systeme konsequent auf den
  630. Einsatz offener Standards verpflichtet, um bei der Weiterentwicklung der
  631. Systeme nicht von den Interessen einzelner Marktteilnehmer abhängig zu
  632. sein. Eine solche Abhängigkeit gegenüber wenigen großen Anbietern sehen wir
  633. als durchaus problematisch an. Daher sollten unseres Erachtens
  634. ebenenübergreifend Mindestanforderungen definiert und Empfehlungen von
  635. einzusetzenden IT-Standards und -Spezifikationen ausgesprochen werden.<br/>
  636. Grundsätzlich ist die zwar späte aber richtige Öffnung zu offenen Standards
  637. ein richtiger Schritt und angesichts der vielen de facto Standards, die
  638. nicht durch internationale Normen festgelegt werden, überfällig. Dies ist
  639. auch ein Erfolg der Initiative OpenSAGA.</p>
  640. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE
  641. befürwortet die Standardisierungsinitiative SAGA, die seit November 2011 in
  642. der Version 5 bei der Software-Beschaffung und Software-Entwicklung in der
  643. Bundesverwaltung verpflichtend zur Anwendung kommt. Allerdings sehen wir
  644. auch, dass restriktions- und lizenzkostenfreie Spezifikationen zur
  645. Förderung offener Standards keinen Automatismus zur vermehrten
  646. Implementierung von freier Software bedeuten. Hierzu sind der aktive
  647. politische Wille und ein initiatives Handeln der Bundesregierung
  648. erforderlich. </p>
  649. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Die Piratenpartei
  650. unterstützt die Nutzung offener Standards und freier Formate. Die freie
  651. und andauernde Verwendung von Daten jeder Art durch alle Nutzerinnen mit
  652. Systemen ihrer Wahl kann nur erfolgen, wenn diese Daten in einem Format
  653. vorliegen, das den Kriterien eines Offenen Standards entspricht. Ähnlich
  654. ist es bei der Zusammenarbeit verschiedener technischer Systeme. Diese sind
  655. nur dann bei gleicher Funktionalität austauschbar, wenn ihre Schnittstelle
  656. ein Offener Standard ist. So wird die Abhängigkeit von einzelnen
  657. Herstellern verringert und ein freier Wettbewerb technischer Lösungen
  658. möglich. <br />
  659. Grundsätzlich unterstützt auch SAGA diese Forderungen. Allerdings wird hier
  660. die Nutzung offener Standards und freier Software nicht verbindlich
  661. festgeschrieben, so ist etwa ODF lediglich ein empfohlenes Format. Dies
  662. führt dazu, dass in der Verwaltungspraxis immer noch unfreie Software und
  663. nicht-offene Formate eingesetzt werden können. SAGA verkommt so zum
  664. Papiertiger.<br />
  665. Im Rahmen des OpenSAGA-Projektes wird derzeit eine
  666. Open-Source-Implementation eines Frameworks für SAGA-konforme
  667. Webanwendungen entwickelt. Solche Entwicklungen möchten wir unterstützen
  668. und fördern.</p>
  669. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Ich sehe SAGA sehr positiv.
  670. Insbesondere betrachte ich es als höchste Zeit, dass sich mit dem Thema
  671. Standardisierung auseinandergesetzt wird. Die Forderung unterstütze ich
  672. entschieden, in Übereinstimmung mit dem oben geschriebenen. Eine Umsetzung
  673. auf Länderebene in Bayern würde ich mir wünschen.<br /> Bezogen auf die
  674. Bundesregierung gibt es einen Unterschied zwischen beschlossene Position
  675. und auch systematisch geförderte Position. Lippenbekenntnisse bringen uns
  676. bei dem Thema nämlich nicht weiter, der Satz „Im Fokus steht die Ablösung
  677. von Microsoft-Produkten sowohl durch Open-Source-Software (OSS) als auch
  678. durch nachfolgende Generationen von Microsoft-Produkten“ klingt höhnisch,
  679. wenn man weiß, dass das das Außenministerium von Open Source Software
  680. wieder auf proprietäre Software umgestellt hat.</p>
  681. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Mit dem Thema
  682. sind wir nicht vertraut und können derzeit dazu nichts sagen. </p>
  683. <p class="question"> <strong>7. </strong> Manche Behörden machen noch immer auf
  684. ihren Webseiten Werbung für eine spezielle unfreie Software, z.B. in Form von
  685. Adobe Reader, obwohl es mehrere freie Alternativen gibt. Der
  686. Migrationsleitfaden der Bundesregierung empfiehlt auch auf andere
  687. PDF-Betrachter zu verweisen und beispielsweise unsere Textbausteine zu
  688. verwenden. Was ist Ihre Meinung zu dieser Form von Werbung für unfreie Software
  689. und was werden Sie diesbezüglich unternehmen? </p>
  690. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Die
  691. Bevorzugung gewerblicher Software durch Behörden sehen wir sehr kritisch.
  692. Wir werden uns für eine Richtlinie einsetzen, nach der neben kommerziellen
  693. Angeboten auch auf Open Source-Produkte verwiesen werden muss. </p>
  694. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Adobe Reader ist derzeit der
  695. Standard und stellt sicher, dass es keine Probleme bei der Anzeige der
  696. entsprechenden Dokumente gibt. Wenn ein solcher Hinweis der
  697. Benutzerfreundlichkeit dient, kann er durchaus sinnvoll sein. </p>
  698. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> Wir Liberale unterstützen den
  699. freien Wettbewerb. Dazu gehört auch, dass staatliche Stellen einzelnen
  700. Anbietern oder bestimmten Softwarearten keine Wettbewerbsvorteile
  701. verschaffen. Hier gilt es, das Bewusstsein bei der öffentlichen Verwaltung
  702. dafür zu steigern, dass es auch freie Alternativen gibt, die die
  703. Kommunikation mit dem Bürger erleichtern. Wir werden uns daher weiter dafür
  704. einsetzen, dass der Migrationsleitfaden der Bundesregierung verstärkt zur
  705. Anwendung kommt. </p>
  706. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> Ein freier,
  707. offener und barrierefreier Zugang für Bürgerinnen und Bürger zu öffentlich
  708. finanzierten Informationen muss sowohl von der Bundes- als auch von den
  709. Landesregierungen eingelöst werden. Der Staat darf die BürgerInnen mit
  710. seinen Angeboten nicht zur Nutzung einer bestimmten Computer-Plattform
  711. nötigen. Diese Forderung erheben wir auch in unserem
  712. Landtagswahlprogramm.</p>
  713. <p class="answer dielinke"> <strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE. setzt
  714. sich dafür ein, dass Behörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene auf
  715. Werbung für unfreie Software verzichten. Stattdessen sollen die Nutzerinnen
  716. und Nutzer auf alternative Angebote freier Software hingewiesen werden. Aus
  717. Gründen der Praktikabilität und der weiten Verbreitung proprietärer
  718. Software sollten Alternativen zunächst zumindest gleichwertig beworben
  719. werden. Um einen solchen Umdenkprozess einzuleiten, sind in Politik und
  720. Verwaltung das Verständnis für freie Software und eine veränderte
  721. Verwaltungspraxis zu befördern. Die Durchführung von Schulungen, die
  722. Erstellung und Vermittlung von Best-Practice-Richtlinien sowie die
  723. Ausstattung des KompetenzzentrumsOpen Source Software beim
  724. Bundesverwaltungsamt mit ausreichenden Finanzmitteln bilden dazu eine
  725. Grundlage. </p>
  726. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Die Piratenpartei
  727. fordert, alle Daten und Informationen in offenen Formaten bereitzustellen.
  728. Für solche Formate wird keine unfreie Software benötigt, ein Hinweis darauf
  729. erübrigt sich somit. Den Menschen soll immer die Wahl gelassen werden, für
  730. welche Software sie sich entscheiden. Entsprechende Vorschriften können in
  731. Gesetzen oder Durchführungsverordnungen verankert werden. </p>
  732. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Wie ich oben schrieb, sehe ich
  733. SAGA positiv und daher auch den Migrationsleitfaden. Wenn es für die
  734. Bundesverwaltung „bei der Auswahl ihrer Informationstechnologien
  735. verbindlich“ sein soll, dann heißt eine geduldete Nicht-Einhaltung der
  736. Vorschriften eine zu schwache politische Unterstützung von SAGA insgesamt
  737. oder zumindest des Migrationsleitfadens. Dies kann man aus den Reihen des
  738. Parlaments tun oder zumindest von der Regierung einfordern. </p>
  739. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Die Bevorzugung
  740. von Software-Anbieten mit marktbeherrschender Position ist nicht im Sinne des
  741. Gemeinwohls. Wenn Behörden den Empfehlungen nicht folgen, kann das wohl nur
  742. an mangelnder Kenntnis liegen, und das ist mit Information zu beheben. </p>
  743. <p class="question"> <strong>8. </strong>Immer mehr Unternehmen Missbrauchen
  744. die Bezeichnung Freie Software/Open Source um ihre proprietäre Software besser
  745. zu vermarkten. Welche Möglichkeiten sehen sie Verbraucher, Unternehmen und die
  746. öffentliche Verwaltung vor Unternehmen zu schützen, die proprietäre Software
  747. unter dem Label "Freie Software" oder "Open Source" vermarkten? </p>
  748. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Die Labels
  749. "Freie Software" und "Open Source" sind im Interesse der Nutzer gesetzlich
  750. zu schützen. </p>
  751. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Dazu ist vor allem wichtig,
  752. dass der Interessent bei der Prüfung eines Angebots sehr genau darauf
  753. achtet, ob es sich tatsächlich um Freie Software handelt. Dazu gehört
  754. sowohl das notwendige Wissen als auch die entsprechende Kompetenz,
  755. entsprechende Unterschiede zu erkennen. <br />Auch den Verbrauchern müssen
  756. wir vermitteln, was Freie Software bedeutet und was sie auszeichnet. Die
  757. FSFE ist hierfür ein wichtiger Ansprechpartner. Wissen und Medienkompetenz
  758. bilden hier die Grundlage für den Verbraucherschutz. </p>
  759. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> Für uns Liberale sind
  760. Verbraucher mündige Bürger, denen alle Informationen an die Hand gegeben
  761. werden muss, um eine aufgeklärte Entscheidung treffen zu können. Hierbei
  762. stellt Software keine Ausnahme dar. Zukünftig muss klar sein, dass nur die
  763. Software, die die vier Grundfreiheiten (1. die Freiheit, das Programm für
  764. jeden Zweck zu verwenden; 2. die Freiheit, das Programm zu untersuchen und
  765. an die individuellen Bedürfnisse anzupassen; die Offenlegung des Quellcodes
  766. ist dafür unabdingbar; 3. die Freiheit, Kopien des Programms
  767. weiterzugeben; 4. die Freiheit, das Programm zu verändern und diese
  768. veränderte Version zu veröffentlichen;die Offenlegung des Quellcodes ist
  769. dafür unabdingbar) erfüllt, sich auch Freie Software nennen sollte. Einen
  770. markenrechtlichen Schutz des Begriffs halten wir hier nicht für sinnvoll.
  771. Zum Schluss ist die Bezeichnung eines Produktes eine unternehmerische
  772. Entscheidung, die von den Verbrauchern wiederum belohnt oder auch bestraft
  773. wird. </p>
  774. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Wir sehen durchaus
  775. das große Problem der missbräuchlichen Nutzung der kaum fest definierten
  776. Begriffe "Freie Software" und "Open Source". Da dies durchaus allgemein
  777. sicherheitsrelevante, aber auch verbraucherrelevante Probleme implizieren
  778. kann, ist eine Vergabe von Siegeln, analog zur Idee von Datenschutzsiegeln
  779. eine mögliche Lösung. Die schwarz-gelbe Regierung hat allerdings beim
  780. Datenschutzsiegel eine seriöse Auditierung durch die stiefmütterliche
  781. Einsetzung der Stiftung Datenschutz an die Wand gefahren. Gerade der Free
  782. Software Foundation und andere zivilgesellschaftliche Organisationen sollte
  783. es verstärkt ermöglicht werden über die Bedeutung, Unterschiede, Vorteile
  784. und Echtheit von "Freier Software" und "Open Source" zu informieren.</p>
  785. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> Aus unserer Sicht
  786. kann gegen ein solches Geschäftsgebaren bereits heute vorgegangen werden.
  787. Der Rechtsrahmen wird insbesondere durch die Unionsrichtline über unlautere
  788. Geschäftspraktiken bzw. das deutsche Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
  789. vorgegeben. Allerdings kann proprietäre Software bekanntlich
  790. Open-Source-Software beinhalten, sofern die entsprechenden, strengen
  791. Bedingungen eingehalten werden. Wir setzen zudem auf eine Aufklärung der
  792. Nutzerinnen und Nutzer und unterstützen mit unserer Politik einen
  793. selbstbewussten Umgang mit IT. </p>
  794. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Unter freier
  795. Software wird der Verbraucher üblicherweise eine Software verstehen, die
  796. allen Menschen ohne Gegenleistung die folgenden vier Rechte einräumt: 1)
  797. Die Software zu jedem Zweck zu benutzen. 2) Die Software zu untersuchen und
  798. zu verändern. 3) Die Software zu verbreiten. 4) Die Software zu verbessern
  799. und diese Verbesserungen zu verbreiten, um damit einen Beitrag für die
  800. Gesellschaft zu leisten.<br />
  801. Diese Rechte können an die Bedingung gebunden sein, dass veränderte und
  802. verbesserte Versionen wiederum als freie Software veröffentlicht werden
  803. müssen.<br />
  804. Wenn ein Software-Hersteller mit der Bezeichnung "Open Source" oder "freie
  805. Software" Werbung für ein Produkt macht, an dem er diese Rechte nicht oder
  806. nicht vollständig einräumt, so ist dies eine irreführende und damit
  807. missbräuchliche Verwendung der Begriffe.
  808. Um solchen Geschäftspraktiken Einhalt zu gebieten, fordern wir Piraten, das
  809. Verbandsklagerecht für staatlich anerkannte Stellen auf den Bereich des
  810. Verbraucherschutzes zu erweitern, um eine Rechtsfrage verbindlich für alle
  811. betroffenen Verbraucher zu klären.</p>
  812. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Das ist eine extrem schwierige
  813. Frage. Ich bin generell gegen eine vorschnelle Labeldebatte, weil ich
  814. glaube, dass wir noch viele andere Probleme in diesem Bereich als erstes
  815. lösen müssen. Natürlich sehe ich derartige „Mogelpackungen“ sehr kritisch.
  816. Ich glaube wir kommen bei dem ganzen Themenbereich nur mit einer
  817. intensiveren Öffentlichkeitsarbeit weiter. </p>
  818. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Die Begriffe sind
  819. in einer Verordnung zu definieren, die die Verwendung des Begriffes an die
  820. Einhaltung der jeweiligen Kriterien bindet.</p>
  821. <p class="question"> <strong>9. </strong> Software fällt in Deutschland unter
  822. das Urheberrecht und wird, wie Literatur auch, vom Patentrecht ausgeschlossen.
  823. Trotzdem werden weiterhin Softwarepatente von Patentämtern erteilt und
  824. Patentstreitigkeiten auch in Deutschland vor Gericht gebracht. Was ist Ihre
  825. Position zu Software-Patenten und wie planen Sie diese durchsetzen? </p>
  826. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Generell
  827. halten wir Patente (auch auf Software-Entwicklungen) für notwendig, um
  828. geistiges Eigentum zu schützen. Ohne Patentschutz wären viele
  829. Entwicklungen, auf denen unser heutiger Wohlstand beruht, nicht denkbar.
  830. Unserer Ansicht nach sind Patente notwendig, um Entwicklern auch in Zukunft
  831. zu ermöglichen, Innovationen zu ersinnen. Die Patentrichtlinie, die im
  832. Softwarebereich Neuentwicklungen zwar nicht an sich, bezogen auf deren
  833. Anwendung aber für eine gewisse Zeit schützt, ist grundsätzlich sinnvoll.
  834. Einen Schutz von sehr einfachen Mechanismen, wie sie in verschiedenster
  835. Software in sehr ähnlicher Form vorkommen (Trivialpatente), lehnen wir
  836. jedoch ab. </p>
  837. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Wir sehen diese
  838. Patentstreitigkeiten als äußerst unerfreulich. Deshalb gibt es dazu auch
  839. einen entsprechenden Antrag fast aller Fraktionen im Deutschen Bundestag,
  840. der darauf abzielt, Softwarepatente effektiv zu begrenzen. Wenn
  841. Computerprogramme urheberrechtlich geschützt sind, darf dieser Schutz nicht
  842. durch Patentierung einzelner Teile einer Software eingeschränkt werden.</p>
  843. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> Auf Initiative unserer Fraktion
  844. im Deutschen Bundestag wurde im April zusammen mit Union, SPD und den
  845. Grünen ein Antrag gefordert mit dem Titel "Wettbewerb und
  846. Innovationsdynamik im Softwarebereich sichern - Patentierung von
  847. Computerprogrammen effektiv begrenzen" eingebracht. Hierin wird die
  848. Eindämmung von Softwarepatenten gefordert, da softwarebasierte Lösungen
  849. bereits durch das Urheberrecht geschützt und insbesondere Trivialpatente
  850. nicht mehr nötig sind. Patente hindern hier vor allem Innovation, wovon
  851. insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sind hiervon betroffen sind.
  852. Unsere Fraktion im Deutschen Bundestag ist optimistisch, dass der Antrag
  853. noch in dieser Legislatur in der dritten Lesung verabschiedet werden
  854. kann.</p>
  855. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Das deutsche
  856. Patentgesetz (PatG) und das Europäische Patentübereinkommen tragen der
  857. Schutzregelung von Software über das Urheberrecht Rechnung, indem sie
  858. Computerprogramme "als solche" vom Patentschutz ausnehmen. In der Realität
  859. werden jedoch häufig durch global agierende Unternehmen mit großen -
  860. oftmals auf Patenrechte spezialisierten - Rechtsabteilungen immer wieder
  861. Patente auf Softwarelösungen erfolgreich angemeldet, wodurch es
  862. innovativen, jungen Unternehmen beinahe verunmöglicht wird, sich am Markt
  863. zu etablieren.<br /> Als Grüne plädieren wir seit Jahren auf nationaler und
  864. europäischer Ebene für eine gesetzliche Klarstellung, die die Interessen
  865. wieder ins Gleichgewicht bringt und Innovation ermöglicht und nicht
  866. verhindert. Die entsprechenden Forderungen finden sich sowohl in unserem
  867. Beschluss der bayerischen Grünen „Den digitalen Wandel gestalten“ vom
  868. Oktober 2011 als auch im Bundestagswahlprogramm von Bündnis 90/ Die Grünen.
  869. Der interfraktionell soeben im Bundestag vorgelegte Antrag, den die
  870. Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen in enger Kooperation mit verschiedenen
  871. zivilgesellschaftlichen Akteuren weiter verbessern konnten, ist vor diesem
  872. Hintergrund ein sehr erfreuliches Signal, dem nun jedoch weitere Schritte
  873. folgen müssen.</p>
  874. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> DIE LINKE. lehnt
  875. Patente auf „computerimplementierte Erfindungen“ ab. Ist schon der
  876. urheberrechtliche Schutz für Software problematisch, so würde ein
  877. Patentschutz noch viel weiter reichen, da damit nicht konkrete
  878. Gestaltungen, sondern Ideen und ihre technische Umsetzung geschützt wären.
  879. Es würde somit für die Dauer des Patents unmöglich, auf diese Ideen
  880. aufzubauen und sie weiterzuentwickeln. Deshalb hat die Europäische Union
  881. sich 2005 gegen die Einführung eines Software-Patentschutzes für Europa
  882. entschieden. Zu Recht, dennwährend große Konzerne durch die verbreitete
  883. Praxis gegenseitiger Lizenzierungen sicherstellen können, dass sie Zugang
  884. zu allen Patenten bekommen, die sie selbst benötigen, stellen Patente für
  885. unabhängige Entwickler und kleine Unternehmen oft eine große Hürde und
  886. damit ein Innovationshemmnis dar. Trotzdem erteilt das Europäische
  887. Patentamt häufig Patente für Software zu vergeben, weil das Gebot der
  888. „Technizität“ von Erfindungen sehr weit ausgelegt wird. . Wir wollen diesen
  889. Begriff im europäischen und deutschen Patentrecht deutlich verengen und
  890. präzisieren, um auf diese Weise eine Patentierung von Software
  891. auszuschließen. </p>
  892. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Generell sind ein
  893. Abbau von Monopolen und eine Öffnung der Märkte erklärtes politisches Ziel
  894. unserer Partei. Patente als staatlich garantierte Monopole stellen
  895. grundsätzlich eine künstliche Einschränkung der allgemeinen Wohlfahrt dar,
  896. die einer ständigen Rechtfertigung und Überprüfung bedarf. Da Software
  897. bereits durch das Urheberrecht geschützt wird, ist eine Patentierung
  898. unnötig und auch schädlich.<br />
  899. Patentierung von Trivialitäten oder sogar die Blockierung des Fortschritts
  900. durch Patente soll unter allen Umständen verhindert werden. Diese Gefahr
  901. sehen wir aber bei Softwarepatenten in besonderem Maße, da ihre Einführung
  902. beispielsweise in den USA zu einer Schwemme von Trivialpatenten geführt
  903. hat, was eine noch stärkere Konzentration auf einige wenige IT-Giganten zur
  904. Folge hatte. Ein weiterer Grund ist der sehr kurze Innovationszyklus bei
  905. Software. Dadurch sind herausragende Innovationen oft schon Trivialitäten,
  906. noch bevor die Patentlaufzeit von 20 Jahren auch nur zur Hälfte abgelaufen
  907. ist.<br />
  908. Die Softwarebranche ist durch sehr geringe Kapitalanforderungen und eine
  909. hohe Bedeutung von Innovationen gekennzeichnet. Dies führt dazu, dass auch
  910. sehr kleine Firmen wichtige technologische Innovationen leisten können.
  911. Dies ist etwa bei Youtube, Google, Amazon und Ebay der Fall gewesen.
  912. Softwarepatente führen hier dazu, dass etablierte Konzerne ein
  913. unüberschaubares Drohpotential aufbauen können, um kleine und mittlere
  914. Unternehmen aus dem Markt herauszuhalten.<br />
  915. Zudem sehen wir in Softwarepatenten eine erhebliche Gefahr für die
  916. Entwicklung freier Software, da Patente mit diesem Entwicklungsmodell
  917. unvereinbar sind. Dadurch könnten Anbieter proprietärer Software
  918. Open-Source-Konkurrenten durch juristische Drohungen statt bessere Produkte
  919. bedrängen.</p>
  920. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Wir lehnen Softwarepatente ab,
  921. wie beispielsweise die Bundestagsfraktion unlängst wieder betont hat. In
  922. der Drucksache http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/130/1713086.pdf
  923. werden verschiedene Maßnahmen beschrieben. Ich würde mich freuen, wenn ich
  924. mit Ihnen die Wirksamkeit dieser Maßnahmen auch mal persönlich diskutieren
  925. könnte.<br />
  926. Wir müssen insgesamt die gesamte Debatte zum Urheberrecht nochmal
  927. konstruktiv aufrollen, da sie aktuell von der Regierung blockiert wird auf
  928. Bundesebene. Für die BayernSPD fordern wir beispielsweise, zu prüfen ob es
  929. möglich ist, die Verwendung von „Creative Commons“-Lizenzen, bei
  930. öffentlichen Vergaben zu bevorzugen. </p>
  931. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Eine Frage des
  932. Rechts ist vom Rechtssystem zu lösen, nicht von der Politik. </p>
  933. <p class="question"> <strong>10. </strong>Freie Software und Offene Standards
  934. ermöglichen eine herstellerunabhängige Grundlagenschulung in der Bildung.
  935. Planen Sie in der Bildungspolitik eine herstellerunabhängige Grundlagenschulung
  936. zu fördern und diese auch im Lehrplan umzusetzen? Wenn ja, wie?</p>
  937. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei: </strong> Bildung ist
  938. Ländersache. Nach Auskunft des Kultusministeriums wird freie Software allen
  939. bayerischen Schulen über den Bildungsserver des Ministeriums angeboten und
  940. bereits erfolgreich und überall da eingesetzt, wo es sinnvoll und möglich
  941. ist. Wir sehen keinen Grund, dies zu ändern. </p>
  942. <p class="answer cdu"> <strong>CSU:</strong> Nachdem das Thema
  943. Medienkompetenz derzeit im Zentrum unserer Bildungspolitik steht, sind wir
  944. dafür, auch Konzepte der offenen Standards zu prüfen.</p>
  945. <p class="answer fdp"> <strong>FDP:</strong> (keine Antwort)</p>
  946. <p class="answer diegrüne"> <strong>Die Grünen:</strong> (keine Antwort)</p>
  947. <p class="answer piraten"> <strong>Die Piraten:</strong> Die Piratenpartei
  948. Bayern hält es grundsätzlich für notwendig, dass Bildungsinhalte von
  949. möglichst neutralem Standpunkt aus in sachlicher, ausgewogener und
  950. kritischer Darstellung vermittelt werden. Allgemeines Medienkompetenz wird
  951. im Informationszeitalter immer wichtiger, dazu zählt auch das Wissen über
  952. Freie Software und Offene Standards. Alle Bildungseinrichtungen sollen
  953. Lernende in die Lage versetzen Informationen zu finden und zu filtern, sie
  954. zu verstehen, zu bewerten und zu verarbeiten. Eine entsprechene Umsetzung
  955. im Lehrplan kann nur fächerübergreifend erfolgen.</p>
  956. <p class="answer spd"><strong>SPD:</strong> Das ist ein extrem wichtiges
  957. Thema. Dieser Aspekt ist sehr wichtig und muss unbedingt bedacht werden,
  958. wenn man das Thema Open Educational Ressources insgesamt anpackt, was wir
  959. vorhaben. Es ist ja auch durchaus auch ein gutes Argument der
  960. Kostenersparnis für Schulen und Schulverwaltung, offene Standards generell
  961. einzusetzen – beispielsweise wie wir es fordern die Einführung einer
  962. digitalen Lehrmittelfreiheit. </p>
  963. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong>
  964. Die Bevorzugung von Software-Anbietern mit marktbeherrschender
  965. Position ist nicht im Sinne des Gemeinwohls. Wir empfehlen den
  966. Kultusministerien, das in der Ausstattung der Schulen und den Lehrplänen
  967. zu berücksichtigen.<br />
  968. Aktuell verweisen wir in diesem Zusammenhang auf <a
  969. href="https://www.lobbycontrol.de/2013/04/aktion-lobbyismus-an-schulen-zuruckdrangen/">
  970. die Protestaktion der NGO LobbyControl gegen Meinungsmache und Marketing an
  971. Schulen durch zunehmend systematischen Lobbyismus</a>, den wir
  972. unterstützen.</p>
  973. <p class="question"> <strong>11. </strong> Haben Sie darüber hinaus vor, in
  974. anderen Bereichen Freie Software zu fördern? Wenn ja: wie? </p>
  975. <p class="answer bayernpartei"><strong>Bayernpartei:</strong> Von
  976. politischer Seite her gibt es zahlreiche Bestrebungen, Freie Software
  977. sowohl im amtlichen, aber auch im privaten Gebrauch zu fördern. Wir wollen
  978. diese Entwicklung begleiten und künftig an der Förderung mitwirken, wo
  979. immer dies möglich und sinnvoll erscheint.</p>
  980. <p class="answer cdu"><strong>CSU:</strong> Wir sind beispielsweise dafür,
  981. in Schulen und Universitäten sogenannte Serious Games einzusetzen. Hier ist
  982. zu überlegen, ob dies nicht auch unter freien Lizenzen geschehen kann.
  983. </p>
  984. <p class="answer fdp"><strong>FDP:</strong> Wir wollen vor allem im
  985. Bildungsbereich mehr auf Freie Software setzen. Dazu gehört zum einen, dass
  986. Kinder und Jugendliche in der Schule mehr an das Programmieren herangeführt
  987. werden, beispielsweise durch spezielle Kurse und Arbeitsgemeinschaften.
  988. Weiterhin gehört dazu, dass bei Anschaffung von neuen Lernmitteln darauf
  989. geachtet wird, dass diese plattformunabhängig eingesetzt werden können. Nur
  990. so können bereits frühere Abhängigkeiten von bestimmten Systemen vermieden
  991. werden. </p>
  992. <p class="answer diegrüne"><strong>Die Grünen:</strong> Neben einer
  993. konsequenten Ausschreibepraxis für von öffentlichen Geldern finanzierter
  994. Software, die Etablierung von offenen Standards und Schnittstellen auch für
  995. private Stellen, möchten wir als Grüne das allgemeine Bewusstsein für und
  996. den souveränen Umgang mit freier und offener Software stärken. Diese
  997. Forderungen finden sich auch in unserem Landtagswahlprogramm wieder.<br />
  998. Ein breiter und kompetenter Umgang mit freier und offener Software stärkt
  999. die Unabhängigkeit der Bürgerinnen und Bürger und ihre Selbstbestimmung als
  1000. mündige Verbraucherinnen und Verbraucher. Im Zuge der Diskussion um
  1001. Datensicherheit und sogenannte Bedrohungen durch "Cybercrime", einen
  1002. Begriff, den wir selbst aufgrund seiner Unklarheit ablehnen, haben wir
  1003. immer wieder auf den Nutzen freier und offener Software und eine durch
  1004. ihren Einsatz verringerte Vulnerabilität hingewiesen.</p>
  1005. <p class="answer dielinke"><strong>Die Linke:</strong> Ja, vorrangig in
  1006. einem übergeordneteren Rahmen: DIE LINKE. will Commons basierte,
  1007. selbstverwaltete, nichtkommerzielle und öffentliche Alternativen zu
  1008. Mainstream-Angeboten in Form von freier Software, offenen Technologien
  1009. sowie dezentralisierten Infrastrukturen, aber auch unabhängigen Blogs und
  1010. selbstbestimmten sozialen Medien fördern. Wir wollen weiter diskutieren,
  1011. wie Formen von bedarfsorientierter, demokratisch organisierter und
  1012. solidarischer Produktion und Nutzung unterstützt werden können und welche
  1013. Bedeutung den Commons und der Gemeingüterwirtschaft – wozu wir auch freie
  1014. Software zählen – dabei zukommt. Finanzierungsvorschlägen, dazu einen Teil
  1015. der Rundfunkbeiträge umzuwidmen, stehen wir positiv gegenüber. </p>
  1016. <p class="answer piraten"><strong>Die Piraten:</strong> Wir werden uns auf
  1017. europäischer und internationaler Ebene für die Verwendung und Festschreibung
  1018. offener Standards und freier Software einsetzen. Wirtschaftspolitik spielt
  1019. sich zunehmend international ab. Dies macht eine zumindest europaweit
  1020. verbindliche Regelung zugunsten offener Standards notwendig.<br />
  1021. In Bayern setzen wir uns für die Nutzung von Freier Software in der
  1022. Verwaltung und Bildungseinrichtung, insbesondere an Hochschulen. Ebenso soll
  1023. bei der Anschaffung von Software und deren Nutzung sollen in der bayerischen
  1024. Verwaltung und in öffentlichen Einrichtungen interoperable Protokolle und
  1025. Dateiformate zum Einsatz kommen.<br />
  1026. Es ist eine Bewertung bezüglich Interoperabilität vorzunehmen. Hierbei wollen
  1027. wir insbesondere folgende Kriterien berücksichtigen: Das Datenformat bzw.
  1028. Protokoll darf nicht nur durch gültige Softwarepatente oder ähnliche
  1029. rechtliche Restriktionen eingeschränkt werden. Es muss auch eine ausreichende
  1030. und frei verfügbare Dokumentation existieren, Standardisierung und Benennung
  1031. müssen eindeutig sein. Eine angemessene Beteiligung an der Weiterentwicklung
  1032. des Dateiformats bzw. Protokolls muss möglich sein.<br />
  1033. Beim Datenaustausch werden wir die Möglichkeit zur Nutzung offener Protokolle
  1034. und Dateiformate für die öffentliche Verwaltung zur Pflicht machen, was
  1035. insbesondere für Open Data (freie Daten des öffentlichen Sektors) eine
  1036. Voraussetzung ist.</p>
  1037. <p class="answer violetten"><strong>Die Violetten:</strong> Wir haben den
  1038. Eindruck, die Liste ist vollständig. </p>
  1039. </body>
  1040. </html>
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