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  1. <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
  2. <html>
  3. <head>
  4. <title>Offene Standards – Überblick – FSFE</title>
  5. </head>
  6. <body class="article" microformats="h-entry">
  7. <p id="category"><a href="/work.html">Unsere Arbeit</a></p>
  8. <h1>Offene Standards</h1>
  9. <div id="introduction">
  10. <div class="right" style="max-width: 850px; width: 53%;">
  11. <img src="/activities/os/robot-protest-dark_2016_plussy.png" alt="robot protest"/>
  12. </div>
  13. <p><a href="/activities/os/def.html">Offene Standards</a>
  14. ermöglichen es, alle möglichen Arten von Daten frei und ohne Veränderungen mit
  15. anderen zu teilen. Sie verhindern Herstellerabhängigkeit und andere künstliche
  16. Barrieren gegen Interoperabilität. Des Weiteren fördern sie die Auswahl
  17. zwischen Anbietern und technischen Lösungen. Die FSFE drängt zur Einführung von <a
  18. href="/activities/os/def.html">Offenen Standards</a>, um den Wettbewerb am IT-Markt
  19. zu fördern. Dadurch wird ein Wechsel zu Freier Software oder zwischen verschiedenen
  20. Freien-Software-Lösungen erleichtert.</p>
  21. </div>
  22. <h2 id="what-is-a-technical-standard">Was ist ein technischer Standard?</h2>
  23. <p>Ein technischer Standard ist eine Zusammenstellung von allgemein beschlossenen Regeln
  24. für technische Systeme. Dies ist normalerweise in einer sogenannten „Normvorschrift“
  25. dokumentiert, die beschreibt, wie Informationen konsistent organisiert werden, damit mehrere
  26. unabhängige Anwendungen diese verwenden können. Standards, die zur Informationsspeicherung
  27. verwendet werden, heißen „Dateiformate“ und jene zur Übertragung von Informationen heißen
  28. „Protokolle“.</p>
  29. <p>Ein Standard bildet einen gemeinsame Grundlage, die die Basis für Interoperabilität und
  30. Wettbewerb ist. Der Gegensatz von Standardisierung ist ein Monopol:
  31. Anwender eines Produktes oder Dienstes können nur mit Anwendern des gleichen Produktes oder
  32. Dienstes interagieren. Aus diesem Grund werden Standards verwendet, um Wettbewerb im Sinne des Allgemeinwohls zu fördern.</p>
  33. <p>Standards können positive Auswirkungen auf Neuerungen haben, indem Sie allen
  34. Wettbewerbern auf dem Mark die Möglichkeit geben, auf diesen Standards aufzubauen und
  35. ihre eigenen Dienste darin zu integrieren.</p>
  36. <h2 id="why-open-standards">Warum Offene Standards?</h2>
  37. <p>Ein Problem entsteht, wenn ein Standard von einem Marktakteur eingesetzt wird
  38. und dieser seine Marktposition ausnutzt, um die Weiterentwicklung dieses Standards kontrollieren.
  39. Außerdem könnte er den Standard manipulieren, indem er durch Lizensierung bestimmte Anwendergruppen ein-
  40. oder explizit ausschließt. In diesem Fall wird Standardisierung für das genaue Gegenteil von
  41. Wettbewerb und Interoperabilität verwendet.</p>
  42. <p>Wettbewerbsfähigkeit im Markt wird daher nur von Standards erzeugt, die offen sind.
  43. Weil offene Standards ohne Einschränkungen frei verfügbar sind, erlauben sie, genormte
  44. Methoden in Produkten und Diensten einzusetzen, ohne einem Akteur schon vornerein Vorteile durch den Besitz
  45. des Standards zu gewähren. Als Konsequenz daraus ist der Zugriff auf die Technologie für alle
  46. Handelnden im Markt möglich, ungeachtet ihrer Geschäftsmodelle.</p>
  47. <h3 id="what-is-an-open-standard">Was ist ein „offener“ Standard?</h3>
  48. <p>Offene Standards finden Verwendung in Freier Software. Wenn einer Standard
  49. nicht die folgenden Kriterien erfüllt, dann benachteiligt er Freie Software und
  50. darf deshalb nicht „offener Standard“ genannt werden:</p>
  51. <p>Ein <a href="/activities/os/def.html">Offene Standard</a> bezieht sich auf ein Format
  52. oder Protokoll, das:</p>
  53. <ol>
  54. <li>öffentlich zugänglich ist, zur öffentlichen Bewertung und Verwendung, ohne Einschränkungen und für alle
  55. beteiligten Teilnehmer gleichwertig,</li>
  56. <li>ohne Bestandteile oder Erweiterungen ist, deren Abhängigkeiten wiederum selbst nicht der Definition eines Offenen Standards
  57. entsprechen,</li>
  58. <li>frei von rechtlichen oder technischen Bestimmungen ist, die die Verwendung von irgendeinem
  59. Beteiligten oder Geschäftsmodell einschränken,</li>
  60. <li>unabhängig von einem einzigen Anbieter in einem Prozess weiterentwickelt wird, der offen für
  61. eine gleichberechtigte Beteiligung von Wettbewerbern und Drittanbietern ist,</li>
  62. <li>verfügbar in mehreren vollständigen Implementierungen ist, entweder von konkurrierenden Anbietern, oder
  63. als eine vollständige Implementierung, die gleichberechtigt verfügbar für alle Beteiligte ist.</li>
  64. </ol>
  65. <p>Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Technik für jeden verfügbar ist,
  66. unabhängig vom Geschäftsmodell, der Größe oder Beständen an Exklusivrechten.</p>
  67. <h2 id="why-should-a-stanard-be-minimalistic">Warum sollte ein Standard minimalistisch sein?</h2>
  68. <p>Das Ziel von Standards ist es, eine gemeinsame technische Grundlage zu schaffen und
  69. verschiedenen Anwendungen die Möglichkeit zu geben, miteinander zu agieren. Je mehr
  70. Daten digital gespeichert werden, umso wichtiger ist es, dass diese von verschiedenen
  71. Anwendungen transportiert und verarbeitet werden können. Das ist auch der Grund, wieso man unbedingt sicherstellen sollte,
  72. dass die Formate, die zum Speichern verwendet werden, mit anderen
  73. Anwendungen bearbeitet werden können, unabhängig vom Anbieter oder einer bestimmten technischen Lösung.</p>
  74. <p>Darum müssen Standards nicht nur offen, sondern auch
  75. <a href="/activities/os/minimalisticstandards.html">„minimalistisch“</a>,
  76. sein, um ein technisches Probleme adäquat zu lösen und so viele Implementierungen des Standards
  77. wie möglich zu ermöglichen. Anders ausgedrückt muss bewertet werden,
  78. ob ein Standard so einfach wie möglich und so komplex wie nötig ist.</p>
  79. <p>Standards, die überladen mit mehreren unnötigen Erweiterungen sind, verschafft dem Anbieter
  80. einen Vorteil: Es ist schwieriger für andere Implementierer, das Format adäquat zu lesen
  81. und der Kunde ist somit an einen Anbieter gebunden („Vendor Lock-in“).
  82. Zusätzlich schaffen überbordete Standards mit kaum genutzten Funktionen Hintertüren
  83. und Anfälligkeiten für bösartige Angreifer, die diese ausnutzen können.</p>
  84. <h2 id="standard-that-is-implementable-with-free-software">Mit Freier Software implementierbarer Standard</h2>
  85. <h3 id="reference-implementation">Referenz-Implementierung</h3>
  86. <p>Für Software-Standards wird der eigentliche Standard durch sowohl
  87. die formale Spezifikation als auch die tatsächliche Implementierung definiert. Der Erwerb der
  88. formalen Spezifikation ist oft nicht ausreichend, um einen Standard für ein komplexes
  89. digitales System zu implementieren. Für jede Firma, die einen Standard implementieren möchte,
  90. ist das Wissen über existierende Implementierungen oft wichtiger als die formale Spezifikation,
  91. weil das dabei hilft, Versuch-und-Irrtum-Methoden bei Uneindeutigkeiten
  92. der formalen Spezifikation zu vermeiden.</p>
  93. <p>Deswegen ist es wichtig für einen ausreichend „offenen“ Standard, dass die Offenheit sowohl Spezifikation
  94. als auch Implementierung umfasst.</p>
  95. <p>Folglich ist es für offene Implementierungen betriebswirtschaftlich vorteilhafter,
  96. eine Referenzimplementierung unter einer Freie-Software-Lizenz zu veröffentlichen.
  97. Das erlaubt, dass die Referenzimplementierung frei verfügbar ist und auch als formale Spezifikation
  98. ohne den institutionellen Prozess der Standardisierung dienen kann.</p>
  99. <h3 id="patents-in-standards">Patente in Standards</h3>
  100. <p>Manchmal beinhaltet die Standard-Spezifikation technische Lösungen, die
  101. benötigt werden, um den Standard zu implementieren. Diese technischen
  102. Lösungen können mit Patenten geschützt werden. Wer dann diesen Standard übernehmen und implementieren
  103. möchte, muss deswegen die entsprechenden Lizenzen vom Patentinhaber erwerben.</p>
  104. <p>In der Industrie haben sich unterschiedliche Lizenzmodelle entwickelt, um das
  105. Problem von Patenten in Standard-Implementierungen zu überwinden: Zum Beispiel mit lizenzkostenfreien
  106. (eng. „royalty-free“ (RF)) oder alternativen „fairen, angemessenen, und nicht-diskriminierenden“
  107. (FRAND) Vertragsbedingungen. <a href="/activities/os/why-frand-is-bad-for-free-software.en.html">FRAND-Vertragsbedingung
  108. sind inkompatibel mit Freier Software</a>. Dadurch, dass FRAND-Vertragsbedingungen
  109. normalerweise geheimgehalten werden, ist es unmöglich zu überprüfen, ob diese Vertragsbedingungen wirklich
  110. „fair“ oder „nicht-diskriminierend“ sind.
  111. Folglich kann FRAND verwendet werden, um den Standardisierungsprozess zu manipulieren und Wettbewerber
  112. auszuschließen.</p>
  113. <p>Da RF-Lizenzierung nur die Kriterien der Nutzungsgebühren betrachtet,
  114. werden hierbei keine möglichen weiteren Einschränkungen bei der Implementierung und Anpassung
  115. des Standards für Freie Software berücksichtigt. In dieser Hinsicht muss
  116. die Lizenzpolitik von patentierter Technik in Standardisierung mit der
  117. größtmöglichen Bandbreite von Akteuren auf dem Markt kompatibel sein, da es die Absicht einer Standardisierung
  118. ist, Wettbewerb zu fördern und Innovationen, die darauf aufsetzen, zu erlauben.</p>
  119. <p>It is noteworthy, that hardly any new system in ICT is built without
  120. the use of Free Software, and the exclusion of companies basing their
  121. products on Free Software from standardisation can significantly hamper
  122. innovation. Therefore, the appropriate licence for standard-essential-patents
  123. is the one that is not placing any restrictions to the standard implementation
  124. with Free Software, i.e. 'restriction-free', according to the
  125. <a href="#what-is-an-open-standard">Open Standard definition</a>.</p>
  126. <p>Es muss dabei erwähnt werden, dass kaum ein neues System der IuK nicht mit aus Freier Software besteht
  127. und der Ausschluss von Firmen von Standardisierungsprozessen, deren Produkte auf Freier Software basieren,
  128. die Entwicklung von Neuerungen signifikant beeinträchtigen kann.
  129. Somit ist die geeignete Lizenz für „standard-wesentliche Patente“
  130. eine Lizenz, die keine Beeinträchtigungen in Bezug auf die Implementierung des Standards
  131. mit Freier Software enthält, siehe „einschränkungsfrei“ gemäß der
  132. <a href="#what-is-an-open-standard">Offene-Standard-Definition</a>.</p>
  133. <h2 id="what-can-you-do">Was können Sie tun?</h2>
  134. <blockquote>
  135. <h3 id="as-a-citizen">Als Bürger</h3>
  136. <p>
  137. <ul><li>Bestehen Sie auf offenen Standards: Lassen Sie sich nicht von der Regierung, Universität, dem Arbeitgeber
  138. oder einer öffentlichen Verwaltung zwingen, ein proprietäres (Datei-)Format zu verwenden.</li></ul>
  139. </p>
  140. </blockquote>
  141. <blockquote>
  142. <h3 id="as-a-politician">Als Politiker</h3>
  143. <ul>
  144. <li>Fördern Sie Strategien, die Wettbewerb und Innovation durch Standardisierung sicherstellen, d.h.
  145. minimalistische Offene Standards, die mit Freier Software implementierbar sind.</li>
  146. <li>Fördern Sie Lizensierungen, die auf einschränkungsfreie Bedingungen aufbauen,
  147. um die größtmögliche Verbreitung eines Standards zu erlauben und die Implementierung
  148. durch alle Akteure auf dem Markt zu ermöglichen.</li>
  149. <li>Priorisieren Sie die Verwendung Offener Standards bei öffentlichen Auftragsvergaben und Softwareentwicklungen,
  150. um die Kompatibilität aller Softwarelösungen im öffentlichen Sektor sicherzustellen.</li>
  151. </ul>
  152. </blockquote>
  153. <h2>Verwandte Themen</h2>
  154. <fetch-news/>
  155. </body>
  156. <sidebar promo="open-standards">
  157. <dynamic-content />
  158. <h2>Weiterführende Literatur</h2>
  159. <ul>
  160. <li>„<a href="/activities/os/ps.html">Eine Analyse der Abwägung zwischen Standards und
  161. Patenten</a>“<br/> von <a href="/about/greve/">Georg Greve</a></li>
  162. <li><a href="/activities/os/why-frand-is-bad-for-free-software.html">Warum
  163. FRAND schlecht ist für Freie Software</a></li>
  164. <li><a href="/activities/os/eif-v3.html">Kommentare der FSFE zur Revision des „European Interoperability Frameworks“ v.3</a></li>
  165. <li><a href="/activities/os/eifv2.html">"EIFv2: Dem Verlust der Interoperabilität auf der Spur"</a> von Karsten Gerloff und Hugo Roy</li>
  166. <li><a href="/activities/os/bsa-letter-analysis.html">Offene Standards verteidigen: Die FSFE
  167. widerlegt die falschen Behauptungen der BSA gegenüber der Europäische Kommission</a>“ von
  168. <a href="/about/gerloff/gerloff.html">Karsten Gerloff</a>, Carlo Piana und
  169. <a href="/about/tuke/tuke.html">Sam Tuke</a></li>
  170. <li><a href="/activities/os/2012-06-uk-consultation-os.html">Antrag der FSFE
  171. an die Beratung über Offene Standards im Vereinigten Königreich 2012 (UK Open Standards Consultation 2012),
  172. die vom Cabinet Office initiiert wurde.</a></li>
  173. <li><a href="/activities/policy/eu/digital-single-market-comments.html">FSFE-Kommentare zur „Digitaler Binnenmarkt“-Strategie der EU</a></li>
  174. <li>„<a href="/activities/policy/igf/sovsoft.html">Souveräne Software: Offene Standards,
  175. Freie Software und das Internet</a>“<br/> Beitrag der FSFE zum ersten <a
  176. href="/activities/policy/igf/igf.html">IGF</a>, von <a href="/about/greve/">Georg
  177. Greve</a></li>
  178. <li><a href="/activities/os/20150213.EC-patents-standards-consultation.FSFEresponse.pdf">
  179. Antwort der FSFE</a> [pdf] auf die Anfrage der Europäischen Kommission zu Patenten und Standards.
  180. 13. Februar 2015.</li>
  181. <li><a href="/activities/os/2014-03-26.OpenLetterToVilella.en.html">Offener Brief
  182. am Document Freedom Day 2014 an Giancarlo Vilella, Generaldirektor für Innovation und technologische Unterstützung (ITEC) des
  183. Europäischen Parlaments und Vorstand des zwischeninstitutionalen Komitees für Informatik (Inter-Institutional Committee for
  184. Informatics)</a> von <a href="/about/gerloff/">Karsten Gerloff</a></li>
  185. <li><a href="/activities/os/msooxml.html">MS-OOXML: Ein Pseudo-Standard
  186. der vorgibt offen zu sein</a></li>
  187. </ul>
  188. <h2>Interessante externe Links</h2>
  189. <ul>
  190. <li><a href="http://documentfreedom.org">Document Freedom Day</a></li>
  191. <li><a href="http://www.odfalliance.org">ODF Alliance</a></li>
  192. <li><a href="http://www.pdfreaders.org">PDFreaders.org</a></li>
  193. <li><a href="http://www.fsf.org/resources/formats/playogg">Play Ogg!</a></li>
  194. <li><a href="http://isp.law.yale.edu/static/papers/Open_Documents_and_Democracy.pdf">„Open Documents
  195. and Democracy“</a> von Laura de Nardis und Eric Tam vom Yale Information Society Project</li>
  196. <li><a href="http://www.intgovforum.org/Substantive_1st_IGF/openstandards-IGF.pdf">„An
  197. Economic Basis for Open Standards“</a> von Rishab A. Ghosh</li>
  198. <li><a href="http://blogs.fsfe.org/greve/?p=160">„An emerging understanding of Open Standards“</a>
  199. von <a href="/about/greve/">Georg Greve</a></li>
  200. </ul>
  201. </sidebar>
  202. </html>
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