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<title>"Secure Boot": Wer wird Ihren nächsten Computer kontrollieren?</title>
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<!--<p id="category">
<a href="/freesoftware/freesoftware.html">Free Software</a>
</p>-->
<h1>"Secure Boot": Wer wird Ihren nächsten Computer kontrollieren?</h1>
<p>Das Ziel der FSFE ist es sicherzustellen, dass die Eigentümer von IT-Geräten
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permanent die volle und alleinige Verfügungsgewalt über ihre IT-Geräte innehaben.
Dieses grundlegende Prinzip wird in letzter Zeit herausgefordert.</p>
<p>Mit der Funktion "Secure Boot", die ab 2012 in Computern eingesetzt wird,
streben Hersteller von IT-Hardware und Software danach, in eine Position zu gelangen
in der sie permanent die IT-Geräte kontrollieren die sie produzieren. Daher
werden solche Geräte aus Sicht der Hersteller "sicher" sein, aber nicht unbedingt
aus Sicht des Eigentümers:
Der Eigentümer kann als Gegner behandelt werden. Durch das Verhindern von
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Einsatzmöglichkeiten, die der Hersteller nicht beabsichtigt, kann er verhindern
und beschränken für was die Universalmaschine Computer (z.B. ein PC, Laptop, Notebook)
genutzt werden könnte. Im Falle von IT-Geräten mit Internetzugang kann er
diese Benutzungsbeschränkungen zu jeder Zeit verändern, ohne überhaupt erst den
Gerätebesitzer zu informieren. Infolgedessen können IT-Hersteller nach ihrem Belieben
allgemeine Rechte entziehen, die Eigentümer von Produkten gewöhnlich empfangen.</p>
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<h2>"Secure Boot": Pförtner vor dem Betriebssystem</h2>
<p>Wenn IT-Geräte eingeschaltet werden, führen sie einen Startprozess aus, der
Booten genannt wird. Im Falle eines Computers beinhaltet dieser Startprozess
das Ausführen von Firmware. Diese Firmware wiederum startet ein anderes Programm,
genannt Bootloader, der dann das tatsächliche Betriebssystem startet, durch das
Programme gestartet werden können. Im Jahr 2012 wird der industrieweite Übergang
bei der Firmware von PCs, Notebooks, Server und anderen Computern vom konventionellen
BIOS zu <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Unified_Extensible_Firmware_Interface">UEFI</a>
nahezu komplett sein. Verglichen mit dem konventionellen BIOS hat UEFI mehrere
Vorteile, wie z.B. schnellerer Startvorgang, betriebssystemunabhängige Treiber und
das Versprechen erweiterter Sicherheit.</p>
<p>Der Sicherheitsaspekt wird von einer Funktion namens "Secure Boot" abgedeckt.
Seit UEFI 2.3.1 (veröffentlicht am 8. April 2011) stellt "Secure Boot" sicher,
dass während des Startprozesses nur Software ausgeführt wird, die mit einer
der voreingesetzten kryptographischen Signaturen übereinstimmt. Damit wird
verhindert, dass während des Startvorgangs des Computers ungewollte Software
ausgeführt wird, indem jede Softwarekomponente (verschiedene Abschnitte der
UEFI-Firmware, der Bootloader und der Betriebssystemkernel, etc.)
kryptographisch verifiziert wird, bevor sie gestartet wird. Deshalb müssen die
zu benutzenden kryptographischen Signaturen in die UEFI Signaturdatenbank jedes
IT-Gerätes, das mit "Secure Boot" ausgestattet ist, eingesetzt werden,
<strong>bevor</strong> eine kryptographisch signierte Softwarekomponente auf
dieser spezifischen Maschine gestartet werden kann.</p>
<p>Die FSFE erwartet, dass die weite Mehrheit der Computerhersteller "Secure Boot"
implementieren wird, da Microsoft <a
href="http://msdn.microsoft.com/en-us/library/windows/hardware/hh748200.aspx">
angekündigt hat</a>, dass Computerhersteller UEFI implementieren müssen, wenn
sie für die Geräte die sie bauen eine Windows 8 Zertifizierung erhalten wollen,
z.B. um das "Compatible with Windows 8"-Logo zu verwenden.</p>
<div class="aside-box right">
<h2>Universalmaschine Computer</h2>
<p>Unsere Gesellschaft hat durch die Entwicklung des Computers über die letzten
Jahrzehnte hin zu einer universellen Maschine ein leistungsfähiges Werkzeug
erschaffen, mit dem man alle möglichen Aufgaben erledigen kann. Nun haben
IT-Hersteller entdeckt, dass sie wirtschaftliche Interessen darin haben
könnten, willkürlich die Fähigkeiten dieser Maschinen zu beschränken. Mit
"Secure Boot" wird es Eigentümern von IT-Geräten nicht möglich sein, unabhängig
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über den Gebrauch ihrer Maschinen zu entscheiden, da sie nicht bestimmen
können, welche Software gestartet werden soll.</p>
<p>Die Instanz, die kontrolliert welche Software auf einem Gerät ausgeführt
werden kann und somit die Funktionen eines Geräts bestimmt, hat letztendlich
Kontrolle über alle Daten, die vom Gerät verarbeitet und gespeichert werden.
Das könnte zur Folge haben, dass der Eigentümer des IT-Geräts nicht mehr die
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alleinige Verfügungsgewalt über seine Daten hat.</p>
</div>
<h2>Welche Geräte betrifft das?</h2>
<p>Gegenwärtig begründen viele Leute ihre Analysen auf der Situation von UEFI
zu den "Windows 8 Hardware Certification Requirements", herausgegeben von
Microsoft im Dezember 2011. Es versteht sich, dass Microsoft keine Versionen
dieser Hardwarezertifizerungsvorgaben öffentlich machen musste bzw. muss, da
sie die Grundlage für einen individuellen Vertrag zwischen Microsoft und
jedem Hardwarehersteller bildet, der Microsofts Windows 8 Zertifizierung für
seine Geräte erhalten will. Daher können sich die "Windows 8 Hardware
Certification Requirements" jederzeit ohne öffentliche Bekanntmachung ändern,
oder bestimmte Details für die Logo-Zertifizierung können sich zwischen
Herstellern unterscheiden:
Alles passiert nach Microsofts Willen und meistens hinter geschlossenen Türen.
Deshalb kann sich niemand auf die veröffentlichten Versionen der "Windows 8
Hardware Certification Requirements" verlassen, sondern die Angaben bezüglich
"Secure Boot" als ein "bewegliches Ziel" betrachten.</p>
<p>Also ist das Problem von "Secure Boot" nicht beschränkt auf "verbundene
Stand-By Systeme" (wahrscheinlich in Zukunft ein großer Teil auf dem Markt
von Notebooks, Netbooks und PCs) und Computern basierend auf ARM-Mikroprozessoren
(hauptsächlich Tablets und Mobiltelefone), sondern kann von Microsoft jederzeit
auf jede Art von Gerät erweitert werden. Genauso können Hersteller, die keine
Geräte für Windows 8 herstellen, UEFI "Secure Boot" oder andere Startprozesse
einsetzen, die mit Hilfe von kryptographischen Signaturen eingeschränkt werden.
TiVo betreibt dies seit einem Jahrzehnt und verschiedene Spielekonsolen, von
Sony bis Microsoft, benutzen ebenfalls kryptographisch eingeschränkte
Startprozesse. Andere Softwarehersteller könnten Spezifikationen oder Vorgaben
ähnlich zu den "Windows 8 Hardware Certification Requirements" einsetzen, um
die Einsatzmöglichkeiten von IT-Geräten künstlich zu begrenzen.</p>
<h2>Erweiterung der Einschränkungen auf Anwendungen?</h2>
<p>Während die UEFI "Secure Boot"-Spezifikation (sowie die Spezifikationen
der Trusted Computing Group, die "Trusted Boot" festlegen) den primären Startprozess
bis hin zum Betriebssystemkernel abdecken, ist die Infrastruktur zur Erweiterung
der Signaturüberprüfung aller auf einem Computer befindlichen Software
ausgereift und läuft auf verschiedenen Betriebssystemen. Aber neben Windows 8
wird es gegenwärtig nur bei Gerätetreibern für Windows erzwungen.</p>
<h2>Bedrohung für allgemeine Arbeiten am Computer</h2>
<p>Wenn alle diese Maßnahmen unter alleiniger Kontrolle der Gerätebesitzer
wären, würden diese in ihrem besten Interesse sein, da sie helfen die Sicherheit
des Startprozesses zu verbessern, der heutzutage hauptsächlich ungesichert ist.
Das wäre dann der Fall, <strong>wenn</strong> die vom UEFI Forum und der Trusted
Computer Group (TCG) spezifizierten Sicherheitssubsysteme dem Eigentümer
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permanente, volle und alleinige Kontrolle über die Konfiguration und Verwaltung
dieser Sicherheitssubsysteme geben würde, was die Erstellung, Speicherung,
Benutzung und Löschung der kryptographischen Schlüssel, Zertifikate und
Signaturen beinhaltet. Aber sobald andere Instanzen neben dem Eigentümer des
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Gerätes diese Sicherheitssubsysteme nutzen können, ermöglicht ihnen das,
unbeabsichtigte oder einfach unvorhergesehene Nutzungsformen dieser IT-Geräte
auszuschließen.</p>
<p>Daher könnte mit der Implementierung von "Secure Boot", die Verfügbarkeit
von wahren Universalcomputern unter voller Kontrolle ihrer Eigentümer stark
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herabgesetzt sein. Geräte, die bedeutsam durch Maßnahmen wie "Secure Boot" unter
Firmenkontrolle eingeschränkt sind, werden gewöhnlicherweise Appliances
oder Eingebettetes System genannt (z.B. Mediencenter, Telefone, Bookreader).
Deshalb werden zumindest einige Geräte mit Windows 8 eher eine Windows-Appliance
als einen gebräuchlichen Computer darstellen. Während es für solche Appliances
einen Markt geben mag, fordert die FSFE, dass eingeschränkte IT-Geräte, die
nach dem Muster einer Firma arbeiten, klar gekennzeichnet werden, damit ein
möglicher Käufer ordentlich informiert wird.</p>
<h2>Ist das Umgehen dieser Einschränkungen eine Option?</h2>
<p>Personen, die Ahnung in der IT haben, denken womöglich, dass sie solche
Maßnahmen bereits gesehen haben und die meisten davon geknackt wurden. Das war
der Fall in verschiedenen Modellen der PlayStation und Xbox Spielekonsolen,
sowie bei vielen neueren Mobiltelefonen. Dieses Mal aber ist die Qualität und
der Umfang größer:</p>
<ul>
<li>UEFI "Secure Boot" zielt hauptsächlich auf traditionelle PCs ab.</li>
<li>Es wird von weiten Teilen der IT-Industrie unterstützt, sehen Sie
sich z.B. <a href="http://www.uefi.org/about/">die Mitglieder des UEFI Forums</a>
an.</li>
<li>Das Design und die Spezifikation sind das Ergebnis gemeinschaftlicher
Bemühungen von IT-Ingenieuren vieler Firmen. Zudem basiert es auf
einem Jahrzehnt Erfahrung mit signaturbasierten Startprozessen und vermeidet
daher viele klassische Fallen, z.B. das Fehlen eines ordentlich spezifizierten
und kryptographisch gesicherten Firmware (UEFI) Aktualisierungsprozesses.</li>
<li>Es verwendet hardwarebasierte Sicherheitssubsysteme, wie sie z.B. vom TCG
spezifiziert wurden (TPM oder MTM und begleitende Spezifikationen):
Während die UEFI-Spezifikation keine bestimmte Implementation einer
"geschützten Speicherung (protected storage)" für kryptographische Schlüssel,
Zertifikaten und Signaturen anordnet, ist dies bei neuen TCG-Spezifikationen
(seit 2011) durchaus der Fall.</li>
<li>Sicherheitslücken in "Secure Boot"-Implementierungen werden erwartet
(wie in jeder Software), da es aber kommerziellen Wettbewerb zwischen
UEFI-Anbietern geben wird, liegt es in ihrem besten Interesse, diese
Sicherheitslücken zu schließen. In der Vergangenheit wurden dagegen
kryptographisch eingeschränkte Startprozesse nur von individuellen
Herstellern für ihre eigenen, speziellen Geräte implementiert: TiVo Inc.
für ihre TIVOs, Microsoft für verschiedene Generationen ihrer Xbox, sowie
Sony für ihre Playstations.</li>
</ul>
<p>Obwohl viele ähnliche Benutzungseinschränkungen in der Vergangenheit geknackt
wurden, zeigt dies nur, dass ihre technischen Implementationen mangelhaft und
offen für Schadsoftware waren und daher nicht die "Sicherheit" bereitstellten, für die
sie ausgelegt wurden. Obgleich dies auch für einige "Secure Boot"-Implementierungen
gelten wird, kann das Brechen dieser Mechanismen niemals eine Lösung der
freiheitlichen Probleme oder dem Mangel an Steuerbarkeit durch den Gerätebesitzer
darstellen.</p>
<h2>Forderungen der FSFE</h2>
<p>Um ein anhaltendes Wachstum in der Entwicklung und Benutzung von Software
aufrecht zu erhalten, ist eine breite Verfügbarkeit von universellen Computern
von kritischer Bedeutung.</p>
<p>Die FSFE fordert, dass Käufer vor dem Erwerb eines Gerätes prägnant über
die technischen Maßnahmen, die in diesem Gerät implementiert sind, informiert
werden, sowie über die sich ergebenden genauen Nutzungseinschränkungen und
die Konsequenzen für den Eigentümer.</p>
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<p>Zudem empfiehlt die FSFE dringend ausschließlich IT-Geräte zu erwerben, die
ihrem Eigentümer volle, alleinige und permanente Verfügungsgewalt über die
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Sicherheitssubsysteme (z.B. signaturbasierte Benutzungseinschränkungen) gewähren,
damit die Fähigkeit beibehalten wird, beliebige Software zu installieren
und schließlich die exklusive Kontrolle über die eigenen Daten gesichert ist.</p>
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<timestamp>$Date$ $Author: Matthias Kirschner$</timestamp>
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<original content="2012-06-01" />
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<translator>Aljosha Papsch</translator>
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